Wie viel Müll hast Du heute schon produziert?
Ich muss jetzt mal ehrlich zusammenzählen.
Zunächst habe ich geduscht und dabei ein Duschgel verwendet. Das Duschgel ist in einer Kunststoffpackung, die irgendwann leer sein und weggeschmissen wird. Unter der Dusche habe ich die Zähne geputzt (Zahnpastatube und Zahnbürste) und ich habe mich rasiert, wobei irgendwann der Rasierer und die Klingen abgenutzt sein und weggeschmissen werden. Genauso wie der Rasierschaum.
Zum Frühstück gab es ein Butterbrot mit Käse und eines mit Marmelade. Das Brot war in einer Plastiktüte eingepackt, der Käse in einer Plastikschale, die Marmelade in einem Glas. Und die Margarine war ebenfalls in einer Plastikschale.
Ich bin mit dem Auto zur Arbeit gefahren und habe dabei Abgase ausgestoßen und Gummi vom Reifen abgerieben. Auf der Arbeit trinke ich Wasser aus einer Plastikflasche, die ist so schön robust und praktisch. Ich fülle die Flasche mehrfach auf und verwende sie durchaus über Wochen. Aber irgendwann kommt auch die weg. Zwischendurch hole ich mir vom Bäcker etwas zu essen, hier kommt das Essen glücklicherweise in eine Papierverpackung. Auf der Arbeit drucke ich viel Papier aus, das auch irgendwann sicherlich auf den Müll kommt. Nach Feierabend fahre ich wiederum nach Hause, gerne hole ich mir noch schnell einen Snack von der Tankstelle für die Fahrt.
Ich will jetzt nicht alles aufzählen, dann wird das hier zu lang. Aber soviel: Meine Freundin, unsere drei Katzen und ich produzieren alleine zu Hause jede Woche einen gelben Sack voll Verpackungsmüll. Der Müll, den wir draußen produzieren, muss noch drauf gerechnet werden.
Rechne selber einmal aus, wie viel Müll Du produzierst. Und wie viel das auf's Jahr gerechnet ergibt. Da ist es kein Wunder, dass die Welt im Müll erstickt. In jedem Ozean gibt es einen gewaltigen Müllstrudel. Das ist eine Meeresströmung, die sich spiralförmig um den Ozean bewegt. Und diese Strömungen tragen unseren Müll.
Der größte dieser Strudel ist im Pazifik, das Zentrum ist etwa so groß wie Mitteleuropa. Hier treiben auf einem einzigen Quadratkilometer geschätzte 18000 Plastikteile, und der Strudel geht bis fast auf den Grund. Der Ozean ist außerhalb dieser Strudel keineswegs sauber. Sie sind nur das Zentrum des Problems.
An den einsamsten Stränden der Welt wird Plastikmüll in großen Mengen angeschwemmt.
Das ist nicht nur ein ästhetisches Problem: Tiere sind nicht in der Lage, diesen Müll von Nahrung zu unterscheiden. Alleine bei den Albatrossen sterben ein Drittel aller Jungtiere am Müll, der ihnen zu fressen gegeben wird. Da findet man im Inneren eines verwesenden kleinen Albatrosses Einwegfeuerzeuge, Plastikfetzen, Flaschendeckel und Nylonschnur. Das Fatale an Plastikmüll ist, dass er nicht verrottet. Es gibt einfach keine Bakterien oder andere Prozesse, die Gummi, PET, PVC und alles andere zersetzen kann. Chemisch ausgedrückt: Kein natürlicher Prozess (außer vielleicht die Hitze des Erdinneren) kann die langkettigen Kohlenwasserstoffe in Kurzkettige verwandeln. Zwar macht das Sonnenlicht Plastik brüchig und porös. Das bedeutet aber nur, dass die Teile ihre Form verlieren. Sie verschwinden nicht, ein großes Teil wird nur zu Millionen kleinen. So klein, dass die Teile irgendwann von Kleinstlebewesen aufgenommen werden können. Und wer weiß: Vielleicht fängt das Problem dann erst richtig an. Wenn die Grundlage der Nahrungskette an Verstopfung stirbt. Klar, man kann nicht jeden Müll vermeiden, aber die Müllpolitik sollte sich nicht so sehr auf's Geld verdienen konzentrieren (Abfall ist ein riesiger Wirtschaftsfaktor, da werden ganze Containerladungen Müll verkauft) sondern auf effektive Müllvermeidung. Und hier hat der Verbraucher die Macht. Wir können der Politik dabei helfen, indem wir übertriebene Verpackungen vermeiden. Ich denke dabei z.B. an Naschereien, bei denen nicht nur das Ganze verpackt ist sondern auch jedes einzelne Stück in der Verpackung eine Verpackung hat.
Und ich plädiere für verrottende Verpackungen wie Zellstoff oder verrottenden Kunststoff.

