Die jüdische Überzeugung vor der babylonischen Gefangenschaft war noch sehr Diesseitsbezogen.
Die Taten eines Jeden hatten eine direkte Auswirkung auf sein Leben. Ein guter Mensch wurde mit Gesundheit, Reichtum und einem langen, glücklichen Leben belohnt. Der Sünder dagegen wurde krank, verlor sein Eigentum und starb früh.
Seine Taten und sein Glauben hatten keinen Einfluss auf sein Leben nach dem Tode.
Der Mensch war in Ihrer Vorstellung in drei Teile aufgeteilt: Der Körper, der durch Gott sein Leben erhalten hatte und schließlich starb. Die Seele, die im Körper verblieb, bis dieser verrottet war und sich dann auflöste. Und schließlich den Schatten, der sich vom Körper löste und ziellos umherirrte.
Schon der Prediger Salomon sagte "Die Toten wissen nichts, sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Gedächtnis ist vergessen, so daß man sie nicht mehr liebt noch hasst noch von ihnen redet, und haben keinen Anteil mehr an allem, was auf der Erde geschieht." (AT, Sprüche 9,5,6)
So war man denn bedacht, seinen Lohn auf Erden zu genießen, denn man hatte ihn ja verdient.
Im Jenseits spielt es keine Rolle mehr, was man im Leben getan hat. Es wird nicht unterschieden, ob gottesfürchtig oder fromm, ob Sünder oder tugendhaft.
Bestrafung erfolgte durch die Nachkommen. Gott konnte dem Sünder die Nachkommen nehemn oder diese strafen, so daß niemand mehr die Toten verehrte. Das widerum war für den Sünder fatal. Erst in der babylonischen Gefangenschaft und der daraus sich ergebenden Beeinflussung entwickelte sich der spätere Jenseits- und damit auch der Höllenglaube.
Da Gott/Jesus in christlicher Sicht das Gute an sich verkörpert und per Definition frei von Sünde ist, steht die christliche Mythologie vor einer Misere. Im Vergleich zu was soll Gott denn gut sein, anders gesprochen: wenn Gott nur gut ist, woher kommt dann das viele Böse in der Welt?
Die Antwort lag auf der Hand, beziehungsweise (mal wieder) in anderen Mythologien. In der persichen Gedankenwelt nämlich gab es bereits den Guten Gott, Ahura Mazda, der die Welt geschaffen hat und für das Gute steht (Licht, Fruchtbarkeit, Schutz, ...). Sein Auge war Mithras, die Sonne. Und es gab Ahriman, den bösen Gott, der für alles üble in der Welt stand wie Hunger, Krankheit, Tod, ...
Ein solches System hat die Christenwelt auch übernommen.
So war dem Glauben zufolge, Gott im Anfang alleine mit seinen Engeln. Darunter auch die Erzengel, Luzifer als prächtigster von ihnen. Als Gott dann den Menschen geschaffen hatte verlangte er von allen Engeln, dem Menschen zu huldigen und ihm zu dienen.
Alle taten das, nur Luzifer dachte sich warum solle er dieses mickrige Gesocks anbeten. Dieser Ungehorsam und der Stolz brachten Gott dermaßen in Rage, daß er Luzifer aus dem Himmel verbannte. So stürzte Luzifer aus dem Himmel in die Erde und sorgt seitdem mit all seinem Neid und Hass dafür, daß der Mensch es auch ja schön schwer hat. Ein anderer Ansatz ist der, daß Luzifer gar nicht so Ungehorsam war sondern den Auftrag direkt von Gott bekam, den Menschen zu prüfen und in Versuchung zu führen.
Und so ist es natürlich immer wieder der Teufel, der für Sachen zuständig ist, die nicht klappen, wie sie sollen. Besonders im Mittelalter wares sehr beliebt, alle Schuld auf Satan zu schieben. Aber auch heute noch wird es getan, wenn auch nur insgeheim.
Die Entsprechung für Satan wäre in meinem Verständnis der Schatten, jenes undefinierbare Etwas, das jeder mit sich trägt. So wie der Teufel erinnert uns auch der Schatten ständig an unser Versagen und unsere Ängste. Aber Teufel ist nicht gleich Teufel.
Aus der Erfahrung der weltlichen Hierarchie und im Zuge der Verteufelung heidnischer Gottheiten erwuchs eine unübersehbare Anzahl verschiedener Teufel. Es wurde eine Hierarchie erdacht, in der Satan an oberer Stelle steht, ihm dienten verschiedene Oberdämonenn wie Baal, Baphomet, Lilith, Paymon, Abala, Azazel und viele viele andere mehr. Diese underschieden (unterscheiden) sich auch regional und zeitlich.
Außerdem befahlen diese Dämonen in der Vorstellung über große Heere kleinerer Teufel, die auch die Gläubigen zu quälen hatten.