Immer wieder hört man von 9 Mio Hingerichteten. Diese Zahl ist allerdings an den Haaren herbeigezogen. Sie wurde vom Quedlinburger Stadtsyndikus (zuständig für die Rechtsgeschäfte einer Stadt oder Gemeinde)Gottfried Christian Voigt (1740-1791) errechnet, der von den Opfern innerhalb seines Fürstentums in 30 Jahren einfach auf ganz Europa und1100 Jahre hochrechnete. Daß diese Berechnung sehr vereinfacht ist und weit am tatsächlichen Wert vorbeischießt dürfte jedem einleuchten. Denn einerseits unterlag die Zahl der Opfer einem stetigen Wandel, zum anderen änderte sich die Zahl der Bevölkerung, welche in die Berechnung mit einfloß, im Laufe der Zeit. Und die 1100 Jahre Voigts bleiben dahingestellt, da er das Pontifikat Papst Gregors des Großen als Beginn nahm, der die Hexenprozesse einführte, die vor dem 13ten Jhdt. aber kaum durchgeführt wurden.
Heute gilt eine Zahl von etwa einer Million zum Tode Verurteilter als glaubwürdig. Dabei ist sowohl die Bevölkerungsentwicklung in den einzelnen Staaten als auch der Verlauf der Inquisition berücksichtigt. In dieser Zahl sind neben den durch die Inquisition zum Tode Verurteilten in Europa, dem nahen Osten sowie Amerika auch jene, die in effigie (in Abwesenheit) und post mortem (nach dem Tode) verurteilt wurden.
Um eine ungefähre Einschätzung der Relationen zu ermöglichen eine Rechnung:
Als durchschnittliche Bevölkerung Europas zwischen dem 13. und 17 Jhdt kann man etwa 45Mio annehmen. Davon eine Million zum Tode Verurteilte sind auf die heutige Zahl von 374 Mio Einwohnern umgelegt eine Opferzahl von 8,3Mio zum Tode Verurteilten. Das sind Berlin, Hamburg und Paris zusammen genommen.
Bei all der Rechnerei darf man auch eines nicht vergessen: Die errechneten Opfer sind nur jene armen Seelen, die tatsächlich zum Tode verurteilt wurden. Nicht mit eingerechnet ist die weit höher liegende Zahl der zu Kerker oder anderer Strafe Verurteilten, welche während dieser Strafe gestorben sind und auch nicht jene, welche in kircheninternen Kreuzzügen starben, wie z.B. die Albigenser oder die Templer.
Auch nicht mitgerechnet wurden die vielen Menschen, deren Existenz durch die Inquisition vernichtet wurde, indem sie verstümmelt oder krank wurden, sie jeden Tag vor dem Tribunal verbringen mußten, sie nirgends mehr arbeiten durften und dergleichen mehr. Diese Zahl läßt sich nicht ermessen, eine sehr vorsichtige Schätzung kommt aber auf 10 - 20 Millionen Menschen.
Ebenfalls nicht mit eingerechnet sind die Opfer in der Bevölkerung alleine schon durch die ständige Bedrohung, das allgemeine Mißtrauen, die öffentlichen Hinrichtungen und den Versuch, den Fortschritt und die Humanität aufzuhalten.
Die tatsächliche Zahl der direkten und indirekten Opfer kann meiner Meinung nach nur eine sein: die gesamte Bevölkerung im christlichen Machtbereich während der Zeit der Inquisition! Und danach. So gesehen sind auch wir Opfer der Inquisition. Im Folgenden werden wir mal die Gruppen der Opfer im Einzelnen anschauen.


