Die Seherin ruft die Anwesenden des þing zur Ruhe, gleich welchen Geschlechtes sie sind. Edle und Einfache gleichermaßen lauschen den Worten der Seherin, welche die Worte Oðins wiedergibt.
"Vor langer Zeit wurde ich von Riesen erzogen. Jene, die selbst nie geboren wurden. Neun Welten kenne ich, welche die Äste des Baumes bilden.
Zu einer Zeit, da es nichts gab außer Ymir, wurden ich und meine Brüder geboren. Wir schufen Mitgard, wo alsbald die Sonne auf das wachsende Gras und die Kräuter schien. Doch Sonne, Mond und Gestirne wussten nicht, wohin; der Lauf der Zeit war unbestimmt.
So hielten wir Rat, gaben den Himmelskörpern ihre Namen. Wir benannten die Zeoten des Tages, erschufen Neumond, Morgen, Mittag, Abend. Damit waren die Zeiten geordnet.
Als dies getan war erschufen wir gemeinsam auf dem Idafeld unsere Wohnsitze. Wir schufen unser Heim und alles Werkzeug, das wir brauchten.
Dann saßen wir im Hof unseres neuen Heims und spielten mit den Würfeln. Es gab nichts, das wir begehrten. Da kamen aus Thursenheim die drei Töchter der Riesen.
Da wurde uns klar, dass wir das Zwergengeschlecht schaffen wollten. So schufen wir die Zwerge, der Mächtigste unter ihnen Motsognir. Gleich darauf Durin. Diese und siebzig andere Zwerge, benannt nach Ihrem Werkzeug oder ihrer Art, setzten wir auf die Erde, dass sie in ihr graben mögen. Darunter waren Nordri, Sudri, Austri und Westri, die die Schädeldecke des Riesen Ymirs hielten und mit ihm den Himmel bildeten.
Wir kamen an einen Strand und fanden zwei Menschen, sie hießen Ask und Embla. Sie hatten keine Kraft, kein Schicksal und keine Wärme. Weder Seele noch Sinn waren ihrs. So gaben wir Ihnen alles. Ich, Oðin gab Ihnen eine Seele, Hønir gab Ihnen Sinn und Lodur gab ihnen das Leben und ihre Farbe.
Ich kenne einen Baum, so groß, dass seine Spitze in den Wolken verschwindet, welche auf das Land regnen. An seinen Wurzel entspringt die Quelle von Urd. In dieser Quelle sitzen drei weise Frauen, welche das Schicksal der Menschen verkünden. Sie hießen Urd, Werdani und Skuld.
Eine der Frauen erzählte mir vieles, ihr Blick reicht weit über die Welt. Gold und Geschmeide gab ich dafür. Sie erzählte mir von Mimir und dessen Quelle von Met, aus der er sein Wissen erlangt. Sein Auge benutzt er, um den Met zu trinken.
Walküren sah ich, die auf den Befehl der Götter warteten.
Ich sah den ersten Mord in der Welt, Gulweig wurde mit Geren erstochen.
Dann war da Heid, sie besänftigte Wölfe, braute Tränke, behexte jeden.
Wir berieten uns, ob wir Untreue bestrafen sollten. Oder ob sie Teil unseres Schicksals ist.
Da durchbrachen die Wanen unsren Burgwall, brachten große Zerstörung mit sich. Ich warf den Ger über in die Streitmacht, was noch mehr Verderben brachte.
Da berieten wir Asen uns, wer an diesem Streit die Schuld trug. Freya gaben uns die Wanen zum Pfand, dass dergleichen nie mehr geschah.
Der jähzornige Thor zögerte nicht, Freya niederzuschlagen. So wie er es immer tat, wenn er Unrecht sah. Das belastete die gerade getroffenen Vereinbarungen sehr.
Doch noch blieb Heimdalls Horn, mit dem der Weltenbrand ausgerufen werden soll, klugerweise unter den Wurzeln Yggdrasils verborgen.
Im Osten der Quelle saß die Riesin Angrboda in einer Mine und fütterte Ihren Sohn, den Wolf Fenrir, mit dem Mark gefallener Krieger, dass er in Zukunft die Welt verdunkle.
Am Hügel saß Egdir, der die Winde und Stürme hütet. Er schlug die Harfe, der rote Hahn Fialar schrie. Er rief die Götter zum Kampf, weckte die Einherjer in Walhall.
Unter der Erde bei Hel rief der Schwarze Hahn.
Ich sah, wie mein Sohn Baldur im Versehen durch seines blinden Bruders - Hödurs - Pfeil getroffen wurde. Seine Mutter Frigg wurde durch diesen Verlust schwer getroffen.
Hödur wurde durch Loki getäuscht, so dass er den Pfeil abschoss.
Hödur schwor Rache für diesen Verrat. Er schwor, er würde sich die Hände nicht waschen und nicht die Haare kämmen, bis die Rache vollbracht wurde.
Loki wurde in eine Höhle verbannt. Die Gedärme seines Sohnes Nari wurden zu einem Seil verflochten und halten ihn hier gefangen.
Der Totenfluss Slidur im Osten schwillt an.
In den dunklen Bergen im Norden sah ich Sindris goldene Halle für die tapferen Gefallenenn des Raknarök. Auf der Ebene Okolnir steht die Trinkhalle des Riesen Brimir, auch hier sollen die tapferen Gefallenen wohnen.
In Hels unterirdischem Reich ist ebenfalls eine Halle gerichtet, Nastrand. Gifttropfen fallen hernieder, die Decke ist mit Schlangenschuppen gedeckt. Hier nagt der Drache Níðhöggr an den Körpern der Meuchelmörder und Jener, die Schwüre brachen.
Da bricht der große Krieg aus. Familien brechen auseinanderer, niemandem ist mehr zu trauen. Es wird gemordet, geplündert, vergewaltigt gebrandschatzt. Ein jeder bekriegt jeden.
Heimdall bläst ins Gjallarhorn, die Welt steht in Flammen, ich suche Mimirs Rat.
Der Krieg wütet und erschüttert den Weltenbaum. Der Riese Surtur befreit sich und fällt mit seinem flammenden Schwert über Hels Gefolgschaft her.
Vor Hels Reich heult der Hund der Totengöttin fürchterlich. Die Fessel vermag ihn nicht mehr zu halten, da lasse auch ich meinen Wolf Freki los.
Die See wird von der Midgardschlange aufgewühlt. Sie wütet und tobt, Stürme heulen. Dabei lößt sich das Totenschiff Naglfar und der Riese Hrym steuert es mit Loki und Fenrir aus Muspelheim im Osten gen Asgard.
Aus dem Süden kommt der Riese Surtur mit flammender Klinge gefahren. Ein gewaltiger Kampf folgt, er lässt die Welt erzittern. Große Opfer werden gegeben, Helden sterben in großer Zahl. Der Himmel zerreißt. Das große Recih der Riesen leidet unter der Qual, die Asen suchen einen Ausweg aus diesem Krieg. Die Zwerge und die Menschen fürchten das Ende.
Freyr stellt sich im Kampf dem Riesen Surtur, der ihn mit seiner flammenden Klinge niederstreckt. Mein Sohn Widar stellt sich dem Fenriswolf und rächt meinen Tod. Er reißt ihm durch das Maul sein Herz aus dem Leib.
Unerschrocken greift Thor die Midgardschlange selbst an. Er erschlägt die Schlange mit seinem Hammer, wird aber noch in neun Schritten Entfernung von ihren Giften und Nebeln getötet.
Da müssen alle Wesen von der Erde gehen, nichts kann mehr leben in dieser Welt. Yggdrasil brennt. Der Himmel verdunkelt sich vor Rauch und Qualm, dass weder Sonne noch Sterne die Schwärze durchdringen.
Nach langer Zeit haben sich die Rauchschwaden verzogen, da ziehen sich die Wasser wieder zurück und die Erde grünt. Ein Adler tut sich am Fisch gütlich.
Auf dem Idafeld in der Mitte Asgards treffen sich die übrigen Asen und beraten sich, was nun geschehen soll. Sie einigen sich, dass sie das alte Wissen anwenden und die Welt wieder fruchtbar machen wollen.
Die Felder tragen wieder Frucht, ohne besät zu werden.
Balder kehrt zurück von den Toten und lebt mit seinem Bruder Hödur in Walhall. Die Asen errichten Ihre neue Halle auf Gimils Höhen, wo sie sich Ihrer Taten rühmen.
Da sehe ich den Drachen Nidhögg aus der Schlucht kommen und schließlich mit den Toten auf seinen Flügeln niedersinken. Damit ist das Übel wieder in der Welt."
1 Allen Edlen gebiet ich Andacht,
Hohen und Niedern von Heimdalls Geschlecht;
Ich will Walvaters Wirken künden,
Die ältesten Sagen, der ich mich entsinne.
2 Riesen acht ich die Urgebornen,
Die mich vor Zeiten erzogen haben.
Neun Welten kenn ich, neun Äste weiß ich
An dem starken Stamm im Staub der Erde.
3 Einst war das Alter, da Ymir lebte:
Da war nicht Sand nicht See, nicht salzge Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund und Gras nirgends
4 Bis Börs Söhne die Bälle erhuben,
Sie die das mächtige Midgard schufen.
Die Sonne von Süden schien auf die Felsen
Und dem Grund entgrünte grüner Lauch.
5 Die Sonne von Süden, des Mondes Gesellin,
Hielt mit der rechten Hand die Himmelsrosse.
Sonne wußte nicht wo sie Sitz hätte,
Mond wußte nicht was er Macht hätte,
Die Sterne wußten nicht wo sie Stätte hatten.
6 Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter hielten Rat.
Der Nacht und dem Neumond gaben sie Namen,
Hießen Morgen und Mitte des Tags,
Under und Abend, die Zeiten zu ordnen.
7 Die Asen einten sich auf dem Idafelde,
Hof und Heiligtum hoch sich zu wölben.
(Übten die Kräfte alles versuchend,)
Erbauten Essen und schmiedeten Erz,
Schufen Zangen und schön Gezäh.
8 Sie warfen im Hofe heiter mit Würfeln
Und darbten goldener Dinge noch nicht.
Bis drei der Thursen-Töchter kamen
Reich an Macht, aus Riesenheim.
9 Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter hielten Rat,
Wer schaffen sollte der Zwerge Geschlecht
Aus Brimirs Blut und blauen Gliedern.
10 Da ward Modsognir der mächtigste
Dieser Zwerge und Durin nach ihm.
Noch manche machten sie menschengleich
Der Zwerge von Erde, wie Durin angab.
11 Nyi und Nidi, Nordri und Sudri,
Austri und Westri, Althiof, Dwalin,
Nar und Nain, Niping, Dain,
Bifur, Bafur, Bömbur, Nori;
Ann und Anarr, Ai, Miödwitnir.
12 Weig, Gandalf, Windalf, Thrain,
Theck und Thorin, Thror, Witr und Litr,
Nar und Nyrad; nun sind diese Zwerge,
Regin und Raswid, richtig aufgezählt.
13 Fili, Kili, Fundin, Nali,
Hepti, Wili, Hannar und Swior,
Billing, Bruni, Bild, Buri,
Frar, Hornbori, Frägr und Loni,
Aurwang, Jari, Eikinskjaldi.
14 Zeit ist's, die Zwerge von Dwalins Zunft
Den Leuten zu leiten bis Lofar hinauf,
Die aus Gestein und Klüften strebten
Von Aurwangs Tiefen zum Erdenfeld.
15 Da war Draupnir und Dolgtrasir,
Har, Haugspori, Hläwang, Gloi,
Skirwir, Wirwir, Skafid, Ai,
Alf und Yngwi, Eikinskjaldi.
16 Fialar und Frosti, Finnar und Ginnar,
Heri, Höggstari, Hliodolf, Moin.
So lange Menschen leben auf Erden,
Wird zu Lofar hinauf ihr Geschlecht geleitet.
17 Gingen da dreie aus dieser Versammlung,
Mächtige, milde Asen zumal,
Fanden am Ufer unmächtig
Ask und Embla und ohne Bestimmung.
18 Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht,
Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.
Seele gab Odin, Hönir gab Sinn,
Blut gab Lodur und blühende Farbe.
19 Eine Esche weiß ich, heißt Yggdrasil,
Den hohen Baum netzt weißer Nebel;
Davon kommt der Tau, der in die Täler fällt.
Immergrün steht er über Urds Brunnen.
20 Davon kommen Frauen, vielwissende,
Drei aus dem See dort unterm Wipfel.
Urd heißt die eine, die andre Werdani:
Sie schnitten Stäbe; Skuld hieß die dritte.
Sie legten Lose, das Leben bestimmten sie
Den Geschlechtern der Menschen, das Schicksal verkündend.
21 Allein saß sie außen, da der Alte kam,
Der grübelnde Ase, und ihr ins Auge sah.
Warum fragt ihr mich? Was erforscht ihr mich?
Alles weiß ich, Odin, wo du dein Auge bargst :
22 In der vielbekannten Quelle Mimirs.
Met trinkt Mimir allmorgendlich
Aus Walvaters Pfand! Wißt ihr, was das bedeutet?
23 Ihr gab Heervater Halsband und Ringe
Für goldene Sprüche und spähenden Sinn.
Denn weit und breit sah sie über die Welten all.
24 Ich sah Walküren weither kommen,
Bereit zu reiten zum Rat der Götter.
Skuld hielt den Schild, Skögol war die andre,
Gunn, Hilde, Göndul und Geirskögul.
Hier nun habt ihr Herjans Mädchen,
Die als Walküren die Welt durchreiten.
25 Da wurde Mord in der Welt zuerst,
Da sie mit Geren Gulweig (die Goldkraft) stießen,
In des Hohen Halle die helle brannten.
Dreimal verbrannt ist sie dreimal geboren,
Oft, unselten, doch ist sie am Leben.
26 Heid hieß man sie wohin sie kam,
Wohlredende Wala zähmte sie Wölfe.
Sudkunst konnte sie, Seelenheil raubte sie,
Übler Leute Liebling allezeit.
27 Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilige Götter hielten Rat,
Ob die Asen sollten Untreue strafen,
Oder. alle Götter Sühnopfer empfahn.
28 Gebrochen war der Burgwall den Asen,
Schlachtkundge Wanen stampften das Feld.
Odin schleuderte über das Volk den Spieß:
Da wurde Mord in der Welt zuerst.
29 Da gingen die Berater zu den Richterstühlen,
Hochheilge Götter hielten Rat,
Wer mit Frevel hätte die Luft erfüllt,
Oder dem Riesenvolk Odhurs Braut gegeben?
30 Von Zorn bezwungen zögerte Thor nicht,
Er säumt selten wo er solches vernimmt:
Da schwanden die Eide, Wort und Schwüre,
Alle festen Verträge jüngst trefflich erdacht.
31 Ich weiß Heimdalls Horn verborgen
Unter dem himmelhohen heiligen Baum.
Einen Strom seh ich stürzen mit starkem Fall
Aus Walvaters Pfand: wißt ihr, was das bedeutet?
32 Östlich saß die Alte im Eisengebüsch
Und fütterte dort Fenrirs Geschlecht.
Von ihnen allen wird eins das schlimmste:
Des Mondes Mörder übermenschlicher Gestalt.
33 Ihn mästet das Mark gefällter Männer,
Der Seligen Saal besudelt das Blut.
Der Sonne Schein dunkelt in kommenden Sommern,
Alle Wetter wüten: wisst ihr, was das bedeutet?
34 Da saß am Hügel und schlug die Harfe
Der Riesin Hüter, der heitre Egdir.
Vor ihm sang im Vogelwalde
Der hochrote Hahn, geheißen Fialar.
35 Den Göttern gellend sang Gullinkambi,
Weckte die Helden beim Heervater,
Unter der Erde singt ein andrer,
Der schwarzrote Hahn in den Sälen Hels.
36 Ich sah dem Baldur dem blühenden Opfer,
Odins Sohne, Unheil drohen.
Gewachsen war über die Wiesen hoch
Der zarte, zierliche Zweig der Mistel.
37 Von der Mistel kam, so dauchte mich
Häßlicher Harm, da Hödur schoß.
(Baldurs Bruder, war kaum geboren,
Als einsichtig Odins Erbe zum Kampf ging.
Die Hände nicht wusch er, das Haar nicht kämmt er,
Eh er zum Bühle trug Baldurs Töter.)
Doch Frigg beklagte in Fensal dort
Walhalls Verlust: wißt ihr, was das bedeutet?
38 In Ketten lag im Quellenwalde
In Unholdgestalt der arge Loki.
Da sitzt auch Sigyn unsanfter Gebärde,
Des Gatten Waise: wißt ihr, was das bedeutet?
39 Gewoben weiß da Wala Todesbande,
Und fest geflochten die Fessel aus Därmen.
Viel weiß der Weise, weit seh ich voraus
Der Welt Untergang, der Asen Fall.
Gräßlich heult Garm vor der Gnupahöhle,
Die Fessel bricht und Freki rennt.
40 Ein Strom wälzt ostwärts durch Eitertäler
Schlamm und Schwerter, der Slidur heißt.
41 Nördlich stand an den Nidabergen
Ein Saal aus Gold für Sindris Geschlecht.
Ein andrer stand auf Okolnir
Des Riesen Biersaal, Brimir genannt.
42 Einen Saal seh ich, der Sonne fern
In Nastrands, die Türen sind nordwärts gekehrt.
Gifttropfen fallen durch die Fenster nieder;
Mit Schlangenrücken ist der Saal gedeckt.
43 Im starrenden Strome stehn da und waten
Meuchelmörder und Meineidige
(Und die andrer Liebsten ins Ohr geraunt).
Da saugt Nidhögg die entseelten Leiber,
Der Menschenwürger: wisst ihr, was das bedeutet?
44 Viel weiß der Weise, sieht weit voraus
Der Welt Untergang, der Asen Fall.
45 Brüder befehden sich und fällen einander,
Geschwister sieht man die Sippe brechen.
Der Grund erdröhnt, üble Disen fliegen;
Der eine schont des andern nicht mehr.
46 Unerhörtes ereignet sich, großer Ehbruch.
Beilalter, Schwertalter, wo Schilde krachen,
Windzeit, Wolfszeit eh die Welt zerstürzt.
47 Mimirs Söhne spielen, der Mittelstamm entzündet sich
Beim gellenden Ruf des Giallarhorns.
Ins erhobne Horn bläst Heimdall laut,
Odin murmelt mit Mimirs Haupt.
48 Yggdrasil zittert, die Esche, doch steht sie,
Es rauscht der alte Baum, da der Riese frei wird.
(Sie bangen alle in den Banden Hels
Bevor sie Surturs Flamme verschlingt.)
Gräßlich heult Garm vor der Gnupahöhle,
Die Fessel bricht und Freki rennt.
49 Hrym fährt von Osten und hebt den Schild,
Jörmungand wälzt sich im Jötunmute.
Der Wurm schlägt die Flut, der Adler facht,
Leichen zerreißt er; los wird Naglfar.
50 Der Kiel fährt von Osten, da kommen Muspels Söhne
Über die See gesegelt; sie steuert Loki.
Des Untiers Abkunft ist all mit dem Wolf;
Auch Bileists Bruder ist ihm verbündet.
51 Surtur, fährt von Süden mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen, Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden; der Himmel klafft.
52 Was ist mit den Asen? Was ist mit den Alfen?
All Jötunheim ächzt, die Asen versammeln sich.
Die Zwerge stöhnen vor steinernen Türen,
Der Bergwege Weiser: wißt ihr, was das bedeutet?
53 Da hebt sich Hlins anderer Harm,
Da Odin eilt zum Angriff des Wolfs.
Belis Mörder mißt sich mit Surtur;
Schon fällt Friggs einzige Freude.
54 Nicht säumt Siegvaters erhabner Sohn
Mit dem Leichenwolf, Widar, zu fechten:
Er stößt dem Hwedrungssohn den Stahl ins Herz
Durch gähnenden Rachen: so rächt er den Vater.
55 Da kommt geschritten Hlodyns schöner Erbe,
Wider den Wurm wendet sich Odins Sohn.
Mutig trifft ihn Midgards Segner.
Doch fährt neun Fuß weit Fiörgyns Sohn
Weg von der Natter, die nichts erschreckte.
Alle Wesen müssen die Weltstatt räumen.
56 Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer,
Vom Himmel schwinden die heitern Sterne.
Glutwirbel umwühlen den allnährenden Weltbaum,
Die heiße Lohe beleckt den Himmel.
57 Da seh ich auftauchen zum andernmale
Aus dem Wasser die Erde und wieder grünen.
Die Fluten fallen, darüber fliegt der Aar,
Der auf dem Felsen nach Fischen weidet.
58 Die Asen einen sich auf dem Idafelde,
Über den Weltumspanner zu sprechen, den großen.
Uralter Sprüche sind sie da eingedenk,
Von Fimbultyr gefundner Runen.
59 Da werden sich wieder die wundersamen
Goldenen Bälle im Grase finden,
Die in Urzeiten die Asen hatten,
Der Fürst der Götter und Fiölnirs Geschlecht.
60 Da werden unbesät die Äcker tragen,
Alles Böse bessert sich, Baldur kehrt wieder.
In Heervaters Himmel wohnen Hödur und Baldur,
Die walweisen Götter. Wißt ihr, was das bedeutet?
61 Da kann Hönir selbst sein Los sich kiesen,
Und beider Brüder Söhne bebauen
Das weite Windheim. Wißt ihr, was das bedeutet?
62 Einen Saal seh ich heller als die Sonne,
Mit Gold bedeckt auf Gimils Höhn:,
Da werden bewährte Leute wohnen
Und ohne Ende der Ehren genießen.
63 Da reitet der Mächtige zum Rat der Götter,
Der Starke von oben, der alles steuert.
Den Streit entscheidet er, schlichtet Zwiste,
Und ordnet ewige Satzungen an.
64 Nun kommt der dunkle Drache geflogen,
Die Natter hernieder aus Nidafelsen.
Das Feld überfliegend trägt er auf den Flügeln
Nidhöggurs-Leichen - und nieder senkt er sich.