Wyrd
Urðr
Letzte Änderung: 16.04.2012



Andere Bezeichnungen sind Wurd, Wurðo, Wurðiz, Urd oder auch Urðr.

Ich bevorzuge den Begriff Wyrd, der eher angelsächsische Wurzeln hat. Grund dafür ist der Roman Wyrd, der die Vorstellungen sehr gut transportiert und mich maßgeblich beeinflusst hat.
Vermutlich werde ich Zukunft vermehrt zum Begriff Urðr greifen, weil dieser Begriff in der Edda verwendet wird. Aber noch ist es nicht so weit.

Sich Wyrd als Schicksal vorzustellen, so wie dies gerne getan wird, wäre ein grober Fehler. Nicht nur eine Vereinfachung, sondern es ist schlichtweg falsch.

Wyrd kann man sich vielmehr wie ein Netz von Handlungen und Entitäten vorstellen. Um es bildlich auszudrücken: Alles, was Du tust, wird in dem Moment, da es getan wird in das Netz von Wyrd hineingewebt mit all seinen Verbindung zu allem anderen. Und das, was Du tust hat vielerlei Auswirkungen. Es gibt keine Tat, die keine Auswirkungen hat, selbst das Nichts-Tun hat Auswirkungen auf andere, nicht unbedingt nur auf Menschen.
Durch dieses Netz sind alle Menschen miteinander verbunden. Mehr noch, schlichtweg alles ist durch Wyrd miteinder verbunden.
Etwas, das ich tue, zum Beispiel das Schreiben dieses Textes, schickt seine Schwingungen durch das Netz von Wyrd. Und diese Schwingungen kommen an vielen unterschiedlichen Stellen an. Zum Beispiel bei Dir, da Du diesen Text liest und er Dich beeinflusst - ob Du ihn glaubst oder nicht.

Wyrd ist kein unumstößliches Schicksal, da es erst in dem Augenblick erzeugt wird, da wir die Dinge tun, die wir tun. Aber Wyrd kann durchaus Dinge zusammenbringen, die zusammen passen. Wyrd wird von keinem Ziel angetrieben und es hat auch keinen Willen. Kein Schicksal, auf das wir alle zustreben. Vielmehr ein ganzes Netz voller Möglichkeiten, Dinge, die sich gegenseitig anziehen oder abstoßen. 

Wyrd und die Nornen
Letzte Änderung:



Das Netz von Wyrd wird nach germanisch-heidnischer Auffassung von den drei Nornen gewebt.
Diese drei Nornen heißen Urþr, Verðani und Skuld. Urþr steht dabei für "das was geworden ist", die Vergangenheit. Verðani stammt aus dem Verb veorðan und bedeutet "das was jetzt gerade entsteht", sprich die Gegenwart. Skuld dagegen steht für "das, was sein soll". Es stammt vom verb skulu, was soviel bedeutet wie "sollen".
Im Netz von Wyrd wird jeder von uns durch einen Faden im Gewebe dargestellt. Dieser Faden ist mit vielen anderen verwoben, dies sind andere Personen, Ereignisse, Orte. Und wenn eine der Nornen den Faden abschneidet, dann endet dieses Leben.

Die Nornen sitzen am Brunnen, der selbst den Namen Wyrd/Urðr trägt. Dieser Brunnen liegt an den Wurzeln Yggdrasils. Die Nornen selbst zählen nicht zu den Göttern, vielmehr sind auch die Götter in Wyrd verwoben und auch das Leben der Götter wird von den Nornen bestimmt.
Die Nornen weben aber nicht nur Wyrd, sie haben auch großes Wissen über und durch Wyrd. So kam es, dass Oðin sie um Rat fragt und sie ihn den Weg zum Riesen Mimir zeigten.
Es ist zwar nirgends beschrieben, aber ich stelle mir gern vor, wie das Netz von Wyrd in den Weltenbaum Yggdrasil eingeht. Wie quasi die Welt aus dem Handeln und Ereignissen entsteht und wächst. Vermutlich ist es kein Zufall, dass die Quelle an der Wurzel Yggdrasils liegt.

Literatur
Titel:
Wyrd: Der Weg eines angelsächsischen Zauberers
Autor:
Brian Bates
ISBN:
3897674416
Ein Roman, in dem die fiktive Reise eines christlichen Novizen in das angelsächsische England geschildert wird. Das Besondere an diesem Buch, ist dass die Romanform gewählt wurde, um auf emotionale Weise das Denken im heidnischen Mittelalter zu beschreiben
ImpressumDatenschutz