Runen
Letzte Änderung: 16.04.2012

Runenstein in Uppsala, Quelle: Wikipedia

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Runen wirst Du finden und Ratstäbe,
Sehr starke Stäbe,
Sehr mächtige Stäbe,
Erzredner ersann sie, Götter schufen sie,
Sie ritzte der hehrste der Herrscher.

Aus Odins Runenlied, Simrock-Übersetzung der Edda.

Neun Nächte hing Oðin am Weltenbaum Yggdrasil, um die Runen und mit ihnen die Weissagekunst zu erhalten. Vom Speer verwundet, sich selbst geweiht, ohne Essen und Trinken. Als er die Runen erlernt hatte wurde er frei und konnte vom kostbaren Met trinken. Dank dieses Mets aus dem Hörn Oðrörir begann das Wissen in ihm zu wachsen und er konnte mit den Runen Dinge vollbringen, die zuvor nicht denkbar waren.
Natürlich ist dies eine uralte Sage, die nicht wörtlich genommen werden sollte. Aber sie hat durchaus einen interessanten Kern.

Das Hängen am Baum kann auch als Abhängigkeit vom Lauf der Dinge interpretiert werden. Nach dem Erlernen der Runen fällt man vom Baum ab, die Abhängigkeit wird also getrennt und man kann sich nach eigenem Gutdünken
bewegen. Die Runen oder das Wissen um die Runen eröffnen uns also größere Freiheit, unsere Welt zu gestalten.
Die Runen sind ein Werkzeug, um den Lauf der Welt zu verstehen und zu verändern. Sie sind ein Kommunikationsmittel zwischen uns und der Welt. Wohlgemerkt nicht zu den Göttern, denn auch jene verwendeten die Runen als Werkzeug, um die Wet zu verstehen und zu verändern.

Um die Runen zu verstehen müssen wir verstehen, in welchem Kontext sie entstanden sind. Denn nur dann können wir sie richtig nutzen. Die Germanen haben zwar den Verlauf der Zeit beobachtet, aber das Verständnis für die Zusammenhänge war anders als unser heutiges Kausal-Prinzip (Wirkung folgt einer Ursache). Für die Germanen war der Lauf ihres Lebens durch das Netz von Wyrd bestimmt, welches von den Schicksalsgöttinen gewebt wurde. Alle Ereignisse, alle Personen, alle Orte waren miteinander verknüpft. Einzelne Knoten und Fäden konnten sich anziehen oder abstoßen und manche Kontakte führen zu neuen, starken Knoten. Andere wurden gelöst, und hin und wieder wurde ein Faden abgeschnitten, was den Tod einer Person bedeutete.

Die Runen sind Hilfmittel, mit denen einzelne Aspekte des Wyrd-Netzes befragt und beeinflusst werden können. Beeinflussen bedeutet allerdings nur, dass Wyrd hier ein wenig mehr Anziehung ausübt und dort etwas mehr abstößt. Diese Einsicht ist für das Verständnis der Runen ungemein wichtig.
Vor jeder wichtigen Entscheidung wurde das Orakel befragt. Meist waren das eben jene Runen, manchmal auch anderes wie Eingeweideschau oder dergleichen. Bei wichtigen Angelegenheiten hat es der Dorfälteste getan, bei Familienfragen war der Familienvater zuständig.

Letzte Änderung: 07.04.2009



Die tatsächliche Herkunft der Runen verschwimmt in den Nebeln der Vergangenheit. Offizielle Lehrmeinungen gehen davon aus, dass die Runen frühestens um 200 v.Chr. entstanden sind, eher später. Nun, mag sein, damit ist aber nur ein Futhark, ein "Alphabet" gemeint. Die Entstehung der Zeichen selber und deren Benutzung liegt noch viel weiter in der Vergangenheit.
In der Tat wurden an vielen Orten Funde gemacht, deren offizielle Anerkennung noch immer nicht stattgefunden hat. Und das mit eigenwilligen Begründungen. Als ein Beispiel und vermutlich das bekannteste, will ich hier die Funde von Glozel anführen.
Funde gab es allerdings auch in/bei St. Germaine-la-Riviére, Laurerie-Basse, Jean-Blancs, Montespan-Ganties und an vielen anderen Orten.
Hier wurden Knochen, Steine und Tontafeln gefunden, in die Zeichen geritzt wurden, die ihre Verwandschaft zu den bekannten Runen des Futhark schwerlich verleugnen können (siehe Abbildung rechts). Diese Tafeln und Knochen sind zum Teil bis zu 17000 Jahren (nach der C14-Methode) alt.
Angesichts dieses Alters sollte man die Entstehung der Schrift nochmal überdenken. Möglicherweise kamen die Runen über Handelsbeziehungen (die bewiesenermaßen bestanden) in den Mittelmeerraum, wo sie umgewandelt, verfremdet, benutzt und reimportiert wurden. Diese Idee ist allerdings fernab jeden Beweises und ist daher als Theorie nicht zu gebrauchen, ich mag nur den Gedanken.

Literatur
Titel:
Kleine Orakelkunde, Runen, und was sie bedeuten
Autor:
David V. Barrett
ISBN:
3881891706
Eine Kurzübersicht zum Thema, es ist wirklich nur ein winziges Büchlein mit einer handvoll Seiten.
Titel:
Runen Handbuch für Anfänger
Autor:
Edred Thorsson
ISBN:
3908654084
Eine Einführung in das Thema Runenmagie
Titel:
Runenkunde. Ein Handbuch der esoterischen Runenlehre
Autor:
Edred Thorsson
ISBN:
390864464X
Vom gleichen Autor wie das vorige Buch. Dieses geht allerdings genauer und vielfältiger auf das Thema ein.
Titel:
Helrunar: Ein Handbuch der Runenmagie
Autor:
Jan Fries
ISBN:
3901134182
Ein wiklich hervorragendes Buch. Es liefert vor allem neue Anstöße und betrachtet das Thema different.
Titel:
Runen. Die magische Kraft
Autor:
Kenneth Meadows
ISBN:
3453173600
Dieses Buch betrachtet die Runen aus schamanischer Sicht. Für Einsteiger nicht optimal, ansonsten sehr empfehlenswert.
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