Aufgezogen hat den jungen Mann sein Großvater, Jean de Saint-Rémy. Er war Arzt und Naturheilkundler. Es ist anzunehmen, dass dies der Ausschlaggeber für Michels Berufswahl war.
Von seinem Großvater und später auf der Universität lernte der junge Mann die klassische Welt kennen mit den Griechen und Römern. Das Hebräische ebenso wie die Mathematik, Astrologie und Astronomie, die zu jener Zeit noch nicht getrennt waren.
Mit 17 beginnt Michel sein Studium auf der angesehenen Universität von Avignon. Offenbar war er sehr fleissig und begabt, denn mit 19 besteht er das Trivium. Das ist ein sehr intensiver Test in Griechisch und Latein.
In Europa wüteten zu jener Zeit verschiedene Epidemien, allen voran die Pest. Zu dieser Zeit entschloss Michel sich, Medizin zu studieren. 1529 beendete er sein Studium mit dem Doktor und ging in die Welt hinaus. Er war nicht sesshaft sondern ließ sich von Ort zu Ort treiben. Über sein Studium und seine Arbeiten wissen wir so gut wie nichts. Aber sie waren wohl sehr beeindruckend und für so manchen erschreckend. Der damals sehr umstrittene Arzt Julius César de l'Escalles wurde auf den jungen Arzt aufmerksam und die beiden pflegten engen Kontakt.
Dadurch wurde die Inquisition auf ihn aufmerksam und er wurde vor das gefürchtete Tribunal zitiert. Auf welche Weise er sich verteidigte ist nicht bekannt, aber er hatte jedenfalls für einige Zeit Ruhe vor den Richtern.
In Agen-de-Garonne wurde er wieder sesshaft und heiratete. Der Name seiner Frau ist leider nicht überliefert, aber sie schenkte ihm zwei Kinder. Allerdings nahm eine neuerliche Epidemie ihm seine Familie und er zog wieder umher.
Bis 1543 hört man wieder nichts von ihm. Im Kloster von Orval taucht er wieder auf, zu jener Zeit entstanden die Prophetien von Orval. Man weiß nicht sicher, ob er der Verfasser ist, aber es ist naheliegend.
Aus der Lücke in seiner Biografie kam er jedenfalls mit einer Fülle neuer Ideen wieder. Unter anderem mit der für damalige Verhältnisse absurden Vorstellung, dass Reinlichkeit und Hygiene zur Gesundheit beitragen und die Verbreitung einer Epidemie eindämmen könnte. Zu jener Zeitgalten Aderlass und Einläufe als Allheilmittel, weil Krankheiten aufgrund schlechten Blutes oder eines Ungleichgewichtes der vier Körpersäfte entstanden. Was Sauberkeit damit zu tun haben soll leuchtete einfach niemandem ein.
Das, was der Michel de Nostredame dort tat galt als blanker Unsinn: Hygiene, Kräuter für Gesunde, ein Desinfektionspulver. Davon abgesehen, das einige sogar bezweifelten, ob man dieses "Strafgericht Gottes" überhaupt versuchen sollte, einzudämmen.
Daneben verfasste er Schriftstücke über Makeup, Düfte, Seifen und allerlei Dinge, die heute wohl in Zeitschriften wie Brigitte und Petra stünden. Zum Beispiel "Bericht, wie man einen ungestalten Leib an Weib- und Mannspersonen zieren und jungschaffen machen und allerlei wohlriechende Pulver, Seyffen etc zubereyten soll".
Sein Einsatz gegen die Pest brachte ihm nicht nur Lebensgefahr sondern auch großen Wohlstand. Offenbar half seine Medizin besser als Aderlässe, welche den Patienten noch mehr schwächten und die Patienten schienen dies zu bemerken.
1547 ging Michel nach Salon de Provence, wo er erneut heiratete. Diesmal ist der Name bekannt: Anne Ponsard. Sie schenkte ihm drei Töchter und drei Söhne.