Das Hauptwerk des Nostradamus waren sicherlich die 12 Centurien, welche aus jeweils 100 Vierzeilern bestehen, daher auch der Name.
Als Monarchieanhänger widmete er die Schriften dem König Heinrich II. Da ihn die Inquisition an der klaren Besagung von Zeiten und Orten abhielt wollte er die genauen Orte und Zeiten "später" veröffentlichen. Ob er annahm, die Inquisition zu überleben ist nicht bekannt. Zur Veröffentlichung genauer Zahlen kam es leider nie.
Nur all zu oft wettere ich über die Inquisition, und auch hier kann mich nicht zurückhalten.
Denn Nostradamus hat schon Erfahrung mit dem Tribunal gemacht und war sicherlich nicht gewillt, wieder vor die Richter zu treten.
Also musste er jederzeit vor der Inquisition auf der Hut sein. Daher traf er einige Vorsichtsmaßnahmen. Zum Beispiel verriet er keinerlei Zeitangaben außer den Anspielungen im Text. Die sind allerdings alles andere als eindeutig und werden meist erst im Nachhinein klar - oder es fällt eine Interpretationsmöglichkeit auf.
So ist denn auch der Hauptkritikpunkt der Nostradamus-Gegner, dass die Prophezeiungen so unklar sind, dass sie auf viele Ereignisse zutreffen mögen.
Außerdem hat er keinerlei chronologische Reihenfolge eingebracht, was natürlich die Leserlichkeit erheblich einschränkt. So können zwei Verse aus zwei verschiedenen Centurien auf das selbe Ereignis zutreffen.
Und, so beteuern Nostradamus-Kenner, er hat gerne Wörter verstümmelt, Buchstaben weggelassen und Anagramme verwendet. Wie weit das stimmt oder nur eine Behauptung ist, um neue Interpretationsmöglichkeiten zu bieten, vermag ich nicht festzustellen. Und man weiß natürlich nicht, welche Buchstaben vertauscht sind und welche nicht. So stehen Spekulationen Tür und Tor offen.
Was man also von Nostradamus halten mag, sei jedem selbst überlassen. Ist er ein Scharlaten, der mit kleineren Orakeln die Menschen beeindruckte und dann so unverständliche Texte verfasste, die auf alles passen mögen? Oder ist er tatsächlich ein solch begnadeter Seher gewesen, der Ereignisse um Jahrhunderte im Voraus sah. Tatsächlich gibt es Interpretationen seiner Visionen, die erstaunlich präzise sind und viele Verse, die zusammenhängen. Einiges macht einen durchaus nachdenklich.
Anderes wirkt sehr an den Haaren herbei gezogen.
Ich weiß nicht, ob er tatsächlich etwas sah. Aber ich halte es für möglich. Und ich warte ab, bis Interpretation für die Zukunft eintreten oder nicht.
Im Folgenden werde ich ein paar Themen aus den Texten heranziehen, die sich jeweils auf einen großen Komplex beziehen. Wie weit Du es für glaubwürdig hältst musst Du dann selber sehen.
Leider ist mir keine Statistik bekannt, wie viele der Verse bereits interpretiert sind und auf wie viele keine Interpretation besteht. Falls Dir so etwas bekannt wäre ich für eine Nachricht dankbar.
Die Literaturangaben werde ich in der Form IV/35 machen, wobei die römische Ziffer IV auf die Centurie 4, die Zahl auf den Vers 35 deutet.
Außerdem werde ich aufgrund der schwierigen Übersetzung jeweils das französische Original sowie zwei verschiedene deutsche Übersetzungen anbieten.