Ich, Chricken, war eine Hexe.
Ich distanziere mich keineswegs von Magie und Hexerei sondern eher von der Bezeichnung, weil es in meinen Ohren zu sehr nach Mode und "Charmed" klingt.
Sollte ich aber mal gefragt werden und habe keine Lust zu sagen "ich bin pantheistischer Asatru og Wanatru, der sich mit Magie und Spiritualität im Allgemeinen auseinandersetzt und sie auch hin und wieder benutzt", dann sag ich immer noch "Ich bin Hexe".
Und wenn ich das mal dem einen oder anderen erzählt habe, dann war häufig das Staunen groß. Und ich habe dann nicht schlecht gestaunt als es hieß, daß nicht die Feststellung meines Glaubens sie erstaunt hatte sondern vielmehr, daß ich die weibliche Form nenne, bin ich doch selber ein Mann. Um es gleich vorweg zu nehmen, ich bin nicht schwul (nicht doll jedenfalls).
Wir alle vereinen beide Seiten in uns, die männliche und die weibliche. Der/die eine mehr die männliche, der/die andere mehr die weibliche. Aber grundsätzlich sind beide Seiten in uns und daher ist es egal, welche Form man benutzt.
Und ich benutze die weibliche Form, weil es einfach besser klingt, das ist alles. Die männliche Form ist Hexer (da muß ich an Edgar Wallace denken) oder gar "Hexenmeister", da schaudert es mich schon, wenn ich das höre *brrr*.
Iinteressanter als die Frage, wie man sich bezeichnet, finde ich die Frage nach dem Warum.
Das ist einfach: viele Menschen haben eine ungefähre Vorstellung von "modernen" Hexen und man erspart sich viel Erklärerei.
Ich sehe Bezeichnungen ohnehin nur als Krücken an, die niemals zum Kern der Sache vordringen können. Ich bin ich und das ist auch gut so.
Mein Leben ist eigentlich ganz normal, ich stehe morgens auf, dusche, gehe zur Arbeit (was bei mir heißt, daß ich eine Treppe ins Arbeitszimmer hochgehe), gehe Einkaufen, komme nach Hause und sitze viel vor dem Rechner - Informatiker halt.
Ab und zu versuche ich mit mäßigem Erfolg etwas für Figur und Kondition zu tun und am Wochenende gehe ich gerne mit Freunden auf die Piste.
Alles ganz normal, der Unterschied kommt erst, wenn mal ein Ritual anliegt, eine Feier mit anderen Hexen und Magiern oder ich einfach mal wieder Lust auf etwas Spirituelles verspüre. Dann wandle ich wieder auf den alten Wegen, bediene mich der Magie und tue das, was man von einer Hexe eben so erwartet - oder auch nicht erwartet.
Ich lebe nicht als Hexe weil es cool ist (zugegeben, es ist cool, aber das ist nicht der Grund) sondern weil es einfach die Antworten auf meine Fragen geliefert hat. So wie es von nichts anderem gegeben werden konnte.
Früher war ich der totale Vorzeige-"Muggel": alles was man nicht sehen konnte existierte nicht. Was gegen gängige physikalische Modelle verstieß konnte einfach nicht stimmen. Jeder Bericht von "Übernatürlichem" (was für ein bescheuertes Wort, so etwas kann es gar nicht geben) habe ich sofort in das Reich der Legenden und Hirngespinste verbannt.
Aber irgendwie kam immer mehr die Meinung in mir hoch, daß das nicht alles sein kann. Da fehlt was, es gibt so viele Berichte, nicht zuletzt vom Leben nach dem Tode, die können nicht alle Hirngespinste sein. Und viele Berichte sind tatsächlich nicht zu widerlegen oder auch nur zu erklären. Und so hat sich in mir langsam der Zweifel aufgebaut, was denn nun wahr ist.
Dann kam das Jahr 1998, ich war grad in Paderborn auf einer Schule für Informatik (B.i.B) und habe mich entspannt ins Bett gelegt, um zu schlafen. Als ich wieder etwas merkte lag ich nicht mehr im Bett sondern stand daneben und schaute auf mich hinab. An jenem Abend habe ich tatsächlich meinen ersten Ausflug aus dem Körper unternommen. Ganz spontan, überraschend und total verwirrend. So schnell wie ich die Situation begriff so schnell fuhr ich auch wieder in den Körper zurück.
Das ganze geschah viermal im Verlauf von zwei Wochen und so einige Tests überzeugten mich von der Wahrheit des Austritts.
So habe ich zum Beispiel aufgeschrieben, was ich im ausgetretenen Zustand im Zimmer meines Komil, Komol, Kommilito .... Klassenkameraden gesehen hatte. Und es hat sich jedesmal bestätigt So gelangte ich also zur Überzeugung, daß es alles echt war und stand vor einem Rätsel.
Wenn das alles wahr war, war dann alles, was ich bislang dachte, falsch?
Heute weiß ich, die Antwort ist ein klares "Nein". Die Wissenschaft hat Recht, allerdings weiß sie nicht alles.
Ich brauchte jemanden, der mir erklärt, was ich da erlebt hatte. Und so begab ich mich ins Internet und wurde fündig. Tatsächlich war ich ganz erstaunt, wie fündig ich wurde.
Als erstes fand ich die Homepage von Alfred Ballabene sowie die Seiten von Paranormal. Besonders Ballabene war für mich sehr wertvoll, hier wurde tatsächlich alles erklärt, was mich bewegte. Leider wohnt Alfred (den ich zu meinem Bedauern immer noch nicht persönlich kenne, was aber unbedingt noch geändert werden muß) in Wien und so habe ich noch weiter gesucht.
Irgendwie kam ich auf die Idee, in die Suchmaschine "Hexe" einzugeben und auch da wurde ich fündig. Zuerst (natürlich) bei Hexe.de.
Aber leider stellte sich heraus, daß dort viel Profilgehabe stattfand und mir nicht wirklich geantwortet werden konnte. So hab ich dort ein bisschen gepostet und diskutiert, habe aber mein eigentliches Anliegen für mich behalten.
Das war dann doch ein bißchen viel, wo ich mir doch irgendwie selber nicht sicher war.
Dann fand ich Saphyras Forum, wo ich mich dann auch schnell wohl fühle.
Endlich nicht so ein Gehabe und Getue sondern einfach und herzlich. Da fühlte ich mich wohl und es sollte für Jahre mein virtuelles Heim sein. Wir hatten ein sehr tiefes Verhältnis und entwickelten uns alle sichtbar weiter.
Schon relativ bald haben wir uns dann in echt getroffen, so bin ich dann von Kiel nach Nürnberg runter gefahren und konnte sie endlich treffen, die Hexen vom Gesindel. Wir waren ein loser Haufen von "freifliegenden" Hexen, die nur durch die Freundschaft zueinander gehalten wurden.
Wir waren kein Coven, es gab keine offizielle Hierarchie außer der auf Respekt basierenden und Saphyra war für mich zu einer (großen) Schwester geworden.
Auf diesem Treffen hatte ich auch das bislang eindrucksvollste Erlebnis von Energie. Wir wollten für eine Heilung einen Kraftkegel aufbauen und so stellten wir uns im Kreis auf und einer sollte zu seinem Nachbarn Energie schicken, sobald er selber sie empfing.
Nun, ich war ja eigentlich noch immer Muggel und war also neugierig was passierte und so behielt ich die Augen auf und beobachtete, was passiert (mea culpa, ich war's. Ich gebs ja zu).
Und es passierte - nichts.
Das merkten natürlich auch alle und so haben wir es halt nochmal versucht. Diesmal hab ich beschlossen, mich einfach mal drauf einzulassen und schloss die Augen.
Sehr schnell bemerkte ich dann eine Kraft wie eine "stehende elektrische Welle" (weiß nicht, wie ichs besser beschreiben soll) über den Arm von rechts kommen und meinen gesamten Körper ausfüllen. Das war eine unbeschreibliches Gefühl und nur zögerlich erinnerte ich mich, die Energie weiter zu schicken.
So presste ich also die Energie durch den linken Arm zu meiner Nachbarin, was auch gut klappte. Von da an kam die Energie immer stärker und schneller, bis schließlich jemand den Kreis unterbrach und wir die gesamte Kraft in die Heilung schickten.
Dieses Erlebnis hat mir endgültig bestätigt, daß es wohl doch wahr ist und wir durch unser Bewustsein und den puren Willen die Welt verändern können.
Und so war ich dann für fünf Jahre Mitglied im Hexengesindel und habe mich da meist sehr wohl gefühlt. Leider gab es in den letzten anderthalb Jahren unangenehme persönliche Spannungen, wegen denen ich und andere im September 2004 die Gruppe verließen. Wie gesagt, wir entwickeln uns alle weiter, die einen in die eine, andere in die andere Richtung. Und wenn einem die Richtung des anderen nicht gefällt, dann kann man versuchen, ihm/ihr zu helfen, was ich getan hab. Manchmal wird diese Hilfe nicht als solche empfunden oder nicht gewünscht, dann muß man sich gegenseitig ziehen lassen.
Aber ich war nicht der einzige und so verließen sechs bis zehn Personen im Laufe mehrerer Wochen das Gesindel.
Im September hatten wir ein Sommertreffen auf der Hallig Hooge, zu dem eigentlich 15 Mitglieder und Nicht-Mitglieder des Gesindels geladen waren.
Gekommen sind allerdings nur sechs plus zwei Kinder. Zwar war ich zuerst enttäuscht, weil ich das Treffen organisiert habe, was mit einigem Aufwand verbunden war. Aber dieses Treffen wurde zum harmonischsten, das ich je erlebt habe.
Alle Beteiligten sind immer noch am Schwärmen und wir sind uns einig, daß es so ein Treffen nicht noch einmal geben wird.
Auf der Hallig entschlossen wir uns, eine neue Gruppe mit neuen Regeln zu machen. Regeln, die mir persönlich sehr gut gefallen.
So gibt es zum Beispiel keine zentrale Person mehr, um die sich alles dreht. Vielmehr gibt es nur eine Gruppe von Admins, die das Forum technisch am Laufen halten. Die Meinung jedes Einzelnen zählt und keine Meinung wird untergebuttert.
Die Gruppe sollte als kleine Trotzreaktion einen etwas provokanten Namen erhalten, den man nicht sofort versteht. Und so kamen wir auf den Begriff Liekedeler Pesel.
Direkt nach dem Halligtreffen wurde das dann auch gleich in Angriff genommen und seit Oktober 2004 gibt es nun den Liekedeler Pesel.
Jedes Jahr treffen wir uns drei bis viermal und feiern gemeinsem Beltane, Samhein oder sind einfach zusammen.
Nun ist es schon ein bisschen her, daß ich zuletzt hier etwas herein geschrieben habe. Da sich aber gerade und seit einiger Zeit sehr viel verändert und im Zuge des Seitenumbaus will ich mal einen aktuellen Stand (Anfang 2009) abgeben.
Vieles hat sich getan: Ich bin gesetzter geworden und sehr viel bodenständiger. Es scheint so etwas wie der normale Lauf der Dinge zu sein, daß man sich im Alter - immerhin bin ich schon 37 - mehr auf das Materielle konzentriert.
Momentan ist mein Geschäft und meine Beziehung mein Lebensmittelpunkt. Aber dabei vergesse ich keineswegs die Spiritualität. Ich glaube, daß es ein Auf und Ab ist und sich die Interessen immer wieder verschieben.
Momentan ist die Spiritualität wieder im Kommen. Aber auf eine andere Weise und mit einer ganz anderen Qualität als noch vor zwei Jahren. Besser, wie ich finde, reifer.
Ich habe das Gefühl, mein Unbewusstes hat den Glauben und das Spirituelle eine zeitlang eingesogen, so daß ich es nicht mehr verwendet habe. Und nun ist das Unbewusste dabei, dieses Geistige wieder auszugeben. Tiefer verwurzelt und den Alltag mehr durchdringend. Dadurch zwar weniger auffällig, aber allgegenwärtig.
Ich will es so ausdrücken: Anfangs habe ich geglaubt, daß alles von Seele (oder wie auch immer man es nennen will) durchdrungen ist. Vor wenigen Jahren habe ich es gewusst. Heute habe ich es begriffen.
Allerdings bringen sollche Änderungen auch Trennungen mit sich. Der Liekedeler Pesel war immer ein schöner Treffpunkt, hat aber im Laufer letzten Monate immer mehr an Bedeutung für mich verloren. Und das geht nicht nur mir so. Es scheint fast, als sei auch das der normale Lauf der Dinge. Treffpunkte entstehen und vergehen. Die Liekedeler haben sich alle weiterentwickelt und zum Teil in unterschiedliche Richtungen.
Es scheint wieder Zeit zu sein für einen neuen großen Aufbruch.
Im Laufe meines Werdens habe ich denn nun auch einiges an Überzeugungen über Bord geworfen und Neues angenommen. Ob die nun endgültig sind sei mal dahingestellt aber meine bisherigen Erfahrungen haben in mir mein momentanes Weltbild entstehen lassen.
Ich sehe die Welt als etwas gesamtes, alles hängt zusammen und alles wird durch alles andere beeinflußt.
Deshalb sehe ich die Erde, alle Menschen und Wesen, und darüber hinaus alles Sein, das gesamte Universum mit allen Sternen, Sonnensystemen, schwarzen Löchern, Superclustern und Dingen, für die wir nichtmal Namen haben, als eins an.
Ich glaube daran, daß das gesamte Universum ein Gesamtbewußtsein ist.
Alles was wir hier erblicken ist nichts als eine Spiegelung des Gesamtbewußtseins. Nur eine winzige Facette des Ganzen, aber dennoch alles.
Und dieses "Gesamtbewußtsein" nenne ich "Göttin". So sind wir also alle ein Teil der Göttin, so wie alles um uns herum Teil der Göttin ist.
Immer, wenn ich mich einsam und nichtig fühle stelle ich mit folgendes vor:
Vor Milliarden Jahren brannte irgendwo ein Stern, der irgendwann in einer Supernova explodierte. In diesem Stern bzw dieser Supernova entstanden viele schwere Elemente, die dann durchs All schwebten und irgendwann auf eine Staubwolke trafen, wo sie mit den anderen Elementen zu großen Materieansammlungen wurden.
Aus diesen Materieansammlungen wurden schließlich Planeten und darauf entstanden Lebewesen. Zunächst nichtmal Einzeller, dann entwickelten sich daraus Einzeller und Algen. Diese entwickelten sich nach Milliarden Jahren zu Mehrzellern, in der Kambrischen Explosion entstanden plötzlich komplexere Wesen, Quallen, Krebsartige. Diese entwickelten sich weiter zu Landinsekten, Fischen, Landpflanzen, etc. Und im Laufe der Jahrmillionen entstanden über den Umweg Reptilien, Dinosaurier, Säugetiere, etc etc, die ersten Menschen.
Viele Jahrtausende wandelte der Mensch umher und entwickelte sich und seine intellektuellen Fähihkeiten weiter, bis heute und das wird auch hoffentlich noch weitergehen.
Einer dieser Menschen nennt sich heute Chricken, und ich weiß, daß jedes Atom, aus denen mein Körper besteht, vorher bereits am Bestehen von Abermillionen Tieren und Pflanzen beteiligt war. Der Sauerstoff, den ich atme wurde vorher bereits von Millionen anderen Lebewesen geatmet. Die Erde, über die ich gehe, wurde schon von Milliarden anderen Lebewesen betreten.
Mein Körper wird in sieben Jahren komplett ausgetauscht - inklusive der Knochen.
Das heißt, daß nach sieben Jahren kein einziges Atom mehr das ist, welches es vorher war.
Das ganze Leben ist ein einziger Austausch mit allem.
Und eben jene Atome, die wir uns teilen sind vor Milliarden Jahren in irgendeinem Stern dieses Universums entstanden.
Wenn man sich mal wieder für den Nabel und Mittelpunkt der Welt hält sollte man sich eines vor Augen führen:
Wir alle sind Sternenstaub, wir alle sind Teile in einem gigantischen und unvorstellbaren Kreislauf.