Jahreskreis

Letzte Änderung: 15.06.2018

Die Aufteilung der heutigen Monate ist erst verhältnismässig neu.
Ursprünglich waren die Monate tatsächlich nach dem Mond ausgerichtet was zur Folge hatte, dass sich das Jahr nicht genau in eine bestimmte Zahl Monde aufteilen liess. Das hat die Planung von Aussaat, Ernte und anderen jahreszeitlich bedingten Aktivitäten erschwert, weil der Mond sich nicht an die Jahreszeiten hielt und hält.
Um eine solche Planung zu ermöglichen, wurde das Jahr in die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter aufgeteilt. Wobei das Jahr aber keineswegs, wie heute, mit dem Frühling anfing sondern mit dem Winter.
Die Jahreszeiten wurde mit Festen begangen, in jeder Jahreszeit deren zwei, immer zu der jeweils anliegenden Gelegenheit. Diese Feste wurden zwar von Dorf zu Dorf unterschiedlich begangen aber Ähnlichkeiten sind unbestreitbar.
Jedes Fest hat bestimmte Rituale und Aktivitäten, bestimmte Farben und bestimmten Schmuck.
Diese Merkmale sind mit dem Sinn der Feste verknüpft und strahlen ein Gefühl aus, worum es bei den Festen geht.
Viele der alten Feste wurde im Laufe der Christianisierung übernommen, mit einem neuen Namen bedacht und der Ursprung neu erfunden, am Fest selber änderte sich aber kaum etwas. Im Grunde genommen feiern auch die frommsten Christen immer noch heidnische Feste. Alle Daten der Feste sind übrigens nur Näherungsdaten. So wird Mabon eigentlich mit dem Einbringen der letzten Feldfrüchte gefeiert und Samein eigentlich am achten Schwarzmond. Aber als Tribut an unser modernes Leben (wer fährt schon noch Korn ein) habe ich die Daten auf die allgemein bekannten fixen Daten gesetzt. Diese ergeben auch ein schön aufgeteiltes Jahr.

Samhein (Die Nacht vom 31.Oktober - 1.November)

Dies ist das berühmte Halloween (All hallows eve) oder Allerheiligen.
Die beginnende Finsternis symbolisiert die Finsternis zu Beginn allerZeiten, daher ist Samhein im alten Kalender der Jahresanfang.
In dieser Zeit wird alles leise und kalt. Flüsse, Bäche und Seen gefrieren, Tiere verschwinden, Zugvögel sind meist schon abgereist. Die Natur scheint zusterben. Die Tage sind schon deulich kürzer als noch vor wenigen Wochen, die Sonne fängt an, sich zurückzuziehen. Am Tag von Samhein stirbt in der Mythologie der Sonnengott, die Göttin übernimmt die Herrschaft, drum heißt das Fest auch in einigen Gegenden Mondfest.
In dieser Zeit ist die Grenze zwischen unserer Welt und der Welt der Verstorbenen besonders dünn, der Kontakt kann relativ leicht hergestellt werden. Man kann sogar beobachten, das vor Samhein viele Menschen, deren Zeit gekommen ist, diese Grenze überschreiten und sterben.
Dementsprechend werden an diesem Tage unsere Ahnen geehrt, unsere Verstorbenen werden zum Feste eingeladen - meistens kommen sie dann auch tatsächlich - und für sie wird angedeckt. Ihnen wird gedankt für das, was wir ihnen verdanken, auch sollen sie durch die zuvorkommende Behandlung milde gestimmt werden, daß sie uns auch weiterhin beschützen und helfen mögen. Von den Katholiken wurde der Brauch übernommen, an diesem Tage die Gräber der Verstorbenen neu zu schmücken, damit sich die Toten in ihrer Ruhestätte wohl fühlen mögen. Man nimmt Abschied von frisch Verschiedenen und gibt ihnen die besten Wünsche mit auf den Weg in die andere Welt und begrüßt Neugeborene in dieser Welt.

Dies ist auch die rechte Zeit, um alten Schmerz und schlechte Gewohnheiten loszulassen, um über den ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen nachzusinnen und zu akzeptieren, dass wir alle irgendwann einmal die Welt der Lebenden verlassen müssen, um später wieder neu geboren zuwerden.
Zu Samhein werden auch Blicke in die Zukunft gemacht, wie das kommende Jahr werden wird. Wie legt man seine Möglichkeiten am besten an, worauf hat man sich vorzubereiten, worauf zu freuen? Daraus hat sich auch der Brauch des Bleigießens zu Sylvester, dem heutigen Neujahrsfest,entwickelt. Denn das ist ja nichts anderes als ein Blick in die Zukunft.

Jul (21. Dezember, 12 Nächte lang)

Schön, aber auch schön kalt

Dieses Fest ist die Wintersonnenwende, die meisten kennen es wohl am ehesten als "Weihnachten".
Die Dunkelheit hat ihren Höhepunkt erreicht, es ist klirrend kalt und das Licht wird bitterlich vermisst. Rauhreif und Schnee formen die Welt, alles ist unter einer Schneeschicht verdeckt wie unter einem Leichentuch. Schon sehr früh wird es dunkel und erst spät wieder hell, wenn überhaupt. Die Menschen suchen nach dem Licht. Die Dunkelheit scheint gesiegt zu haben. Zu dieser Zeit, am 21. Dezember, beginnt das Julfest. Dies ist der dunkelste, kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres. Das bedeutet auch, daß die Sonne jetzt wieder zurück kommt und Tag für Tag an Kraft gewinnt, die Sonne wird wiedergeboren. Der Gehörnte, dessen Symbol die Sonne ist, betritt wieder als Neugeborener die Welt.
Um der noch schwachen Sonne zu helfen werden Feuer entzündet, kraftspendende Wärme und Düfte fluten durch die Räume, die Menschen schöpfen wieder Kraft und Hoffnung, Wärme und Licht. In Zeiten elektrischer Beleuchtung ist die Bedeutung dieses Festes geschwunden aber nichts desto trotz kann man noch immer beobachten, wie ab dieser Zeit die Laune vieler Menschen bessert.

Zu früheren Zeiten war jetzt klar, dass die entbehrungsreiche, nahrungsarme Zeit des Winters ein absehbares Ende hat. Die Vorräte werden hervorgeholt und das Beste daraus aufgetischt, die Vorfreude auf die kommende Wärme lässt die Menschen feiern, Lieder werden gesungen, es wird getanzt und Geschichten erzählt. Die folgenden 12 Nächte nach Jul sind die Rauhnächte, danach kann man beobachten, wie die Kraft der Sonne Tag für Tag zunimmt. Am 6. Januar sind die Zeiten des Feierns vorbei, der Schmuck wird abgenommen, die Zeit der Arbeit beginnt wieder. Zu dieser Zeit bekamen bei den Kelten die Mädchen und Jungen zwischen 12 und 14 ihren Erwachsenenstatus, die Sonne bekam ihren magischen Namen.

Brigid (1. Neumond nach den Rauhnächten, 31. Januar bis 2. Februar)

Auch bekannt als Imbolc, Mariä Lichtmess oder am ehesten wohl als Karneval oder Fasnacht. Das kommt übrigens keineswegs von Fasten sondern von fasen - fruchtbar sein
Die Stille der Natur schwindet, die Sonne vertreibt die Kälte langsam, der Winter geht mit grossen Schritten seinem Ende zu, ist aber noch nicht ganz besiegt.
Die Bäche plätschern und rauschen wieder dem Tal entgegen, die Eisschichten auf Seen schwinden, lösen sich auf. Der Klammergriff des Winters wird lockerer. Im Wald und auf dem Feld sind wieder die Tiere unterwegs, die Natur scheint aus dem vermeintlichen Tode wiedererweckt worden zu sein. Die ersten Schneeglöckchen stossen durch die Schneedecke und schreien geradezu die Lebensfreude heraus, kündigen den nahenden Frühling an.
Der Gehörnte ist jetzt ein Kind, die Göttin erneuert sich vom alten Weib, das sie in den Wintermonaten war, zu einem jungen Mädchen, das mit wilder Freude die Natur belebt. Die Göttin Brigit wird gebeten, sich darum zu kümmern, dass alles Früchte trägt.
Dies ist die Zeit, sich Vorsätze für das Jahr zu setzen. Alte Ideen werden geplant, neue Ideen geschmiedet, die geistige Saat wird ausgebracht,damit das Jahr so verläuft, wie es soll und die Saat keimt. Pläne für das Jahr werden gemacht, alte Projekte überdacht.
Es werden viele Lichter, vor allem weisse Kerzen entzündet, um den Frühling zu beschleunigen, das Licht ist ein Symbol für das Wachstum des Sonnengottes, des Gehörnten. Mit Lörm und Getöse wird versucht, den Winter zu vertreiben und den Frühling zu rufen. Die Lebensfreude wird herausgeschrien, Trommeln gewirbelt, die Kälte des Winters wird vertrieben.

Am Nachmittag, solange es noch hell ist, wird ein Festmahl gerichtet, die besten Vorräte und neue Nahrungmittel werden aufgedeckt. Neben den lebenden Gästen sind auch die Geister und Ahnen eingeladen und für sie wird mit angedeckt.

Ostara (um den 21. März)

Frühlings Tag- und Nachtgleiche, Ostern.

Das Licht ist nun erstarkt, es ist so mächtig wie die Dunkelheit, die Tage sind nun genauso lang wie die Nächte, es beginnt endlich der Frühling. Der Sonnengott, der Gehörnte, ist zum Krieger herangewachsen und drängt die Dunkelheit zurück. Die Göttin, Mutter Erde, wird vom Gott, der Sonne befruchtet. Es sind noch neun Monate bis Jul, der Gott zeugt seine nächste Reinkarnation, er sorgt dafür, dass er am nächsten Jul wiedergeboren wird.
Die Natur erwacht aus ihrem langen Schlaf, Füchse tollen auf den wieder grünen Wiesen, Enten quaken auf den Flüssen und Seen. Waren die letzten Wochen die Zeit des Erwachens, so ist es nun die Zeit des Erlebens. Und waren die letzten Wochen die Zeit der Planungen, so ist es jetzt an der Zeit, die Pläne in die Tat umzusetzen.
Am Fest Ostara wird die Morgenröte und das frische, saftige Antlitz der Erde gefeiert.
Als Symbole für die Fruchtbarkeit des nun folgenden Jahres werden Eier hartgekocht, bunt bemalt und versteckt, die Tafel wird in grün, gelb und gold angedeckt. Aufgetischt werden frische Speisen, Salate, junges Gemüse (soweit vorhanden), es ist allerdings verpönt, Fruchtbarkeitssymbole wie Hasen, Kaninchen, Füchse oder Hühner zu verspeisen.

Beltane (Die Nacht vom 30. April - 1. Mai)

Auch bekannt als Walpurgisnacht, Hohemaien, grosse Hochzeit und noch unter vielen andere Namen.

Entgegen landläufiger Meinung muss man an diesem Tage keineswegs auf den Brocken und es wird auch kein rauschendes Fest mit irgendeinem Teufel gefeiert, das rauschende Fest feiert man unter sich ;-)
In dieser Zeit erlebt die Fruchtbarkeit ihren Höhepunkt, die Wiesen strotzen nur so von bunter Blumenpracht, die ganze Natur spriest und gedeiht, wächst und vermehrt sich. Das merkt man auch an sich selbst, wer kennt nicht die Frühlingsgefühle, die in dieser Zeit ihren Höhepunkt erreichen. Der Gehörnte ist nun erwachsen, es wird die grosse Hochzeit, die Vereinigung von Gott und Göttin gefeiert, es werden Maibäume aufgestellt und geschmückt, Phallussymbole allerorts, Menschen tanzen drumherum. Die männliche Kraft der Sonne soll mit der weiblichen Erde verbunden werden. Die Göttin wandelt sich von der Jungfrau zur Mutter.

Grosse Feuer werden entfacht, Pärchen und Paare springen über das Feuer, oder laufen über glühende Kohlen, um sich für das kommende Jahr zu reinigen und sich enger zu verbinden. Kinder, welche an diesem Abend oder der Nacht geboren werden, gelten als besondere Glücksboten.
Die Felder werden gesegnet, auf daß sie reichhaltige Frucht tragen mögen, die Ställe werden ebenfalls gesegnet und geschützt. Die Tiere sollen reiche Nachkommenschaft haben und Krankheit ferngehalten werden.
Mann und Frau vereinigen sich, ebenso geistig wie auch körperlich. Meist inniger und bewusster als sonst irgendwann im Jahr.
Unsere Pläne, die wir in Angriff genommen haben, fangen an, Gestalt anzunehmen. Neue Perspektiven eröffnen sich, neue Verbündete aber auch neue Gegner erscheinen auf der Bildfläche, das Rad der Zeit dreht sich, die Entwicklung geht voran.

Litha (um den 21. Juni)

Dies ist Mittsommer, die Sommersonnenwende.

Die Zeit der Fülle. Nüsse wachsen und gedeihen, Bäume tragen Früchte, das Korn wächst, ebenso die Beeren. Aber auch der Nachwuchs im Tierreich tummelt sich und wächst. Jetzt, wo dem Wachsen quasi zugesehen werden kann, ist auch die Ernte nicht mehr weit.
Durch die Bäume und Blätter strahlt die Sonne in ihrer Pracht, so warm wie schon lange nicht mehr und so lange wie nur einmal im Jahr - eben am längsten Tag des Jahres. In nördlichen Gefilden kann man gar beobachten, dass die Sonne an diesem Tag und den Tagen herum überhaupt nicht untergeht. Der Sonnengott hat den Höhepunkt seiner Macht erreicht. Dieser Höhepunkt bedeutet aber auch seinen jetzt folgenden Niedergang. Dessen werden wir uns auch bewusst. Alles was aufstrebt, wird auch wieder sinken, sei es die Sonne, die Laune, die Kraft oder unser Leben. Aber nicht, ohne nochmal richtig aufzuflammen - im Hochsommer. Dies ist denn auch die Zeit, sich dessen bewusst zu werden.

Lodernde Sonnenwendfeuer werden entzündet, auch als ein Versprechen, die Sonne in der folgenden Zeit nicht zu vergessen und sie damit zu unterstützen, die folgende Zeit zu überstehen.

Lammas (31. Juli / 1. August)

Auch bekannt als Lugnasadh, Schnitterinnenfest

Die Ernte ist in vollem Gang, das Korn wird eingefahren. Die Speicher füllen sich wieder und die Menschen sind gewappnet, Herbst und Winter zu überstehen. In dieser Zeit werden die Tage zwar wieder kürzer, aber dennoch scheint die Sonne heisser als sonst im Jahr. Die Früchte bekommen noch einmal von der Sonne richtig Kraft, Drum ist dieses Fest auch dem Sonnengott Lug geweiht, daher die Bezeichnung Lugnasadh.

Es ist die Zeit, noch einmal eine Pause einzulegen und durchzuatmen, bevor die letzten Arbeiten des Jahres in Angriff genommen werden.
Der Gott hat sich als Kornkönig für die Ernte geopfert, die schwangere Göttin trauert um ihren Geliebten und Sohn, ist sich dabei aber gewiss, daß er schon bald wiedergeboren wird, um in den ewigen Kreis von Werden und Vergehen wieder einzutreten, schließlich trägt sie ihn ja schon in sich. Die Kraft des Sonnengottes ist jetzt im Korn gespeichert und sie gibt ihm später die Kraft, wieder ins Leben zu treten.
In früheren Tagen wurde an diesem Tag möglicherweise bei einigen Stämmen auch tatsächlich Menschen geopfert, die sind aber in heutiger Zeit durch Kornpuppen ersetzt, die verbrannt werden.
An diesem Tage werden der Göttin die ersten Kornähren dargebracht und geopfert.

Alle bringen ihre schönste Frucht dieses Jahres mit und es wird ein grosser Salat bereitet. Dieser wird mit Honig als Symbol für die Süße des Lebens gesüßt.

Mabon (um den 23. September)

Andere Namen hierfür sind Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche oder auch Erntedankfest.

Die Kräfte der Sonne und der Dunkelheit haben einen Gleichstand erreicht, die Dunkelheit übernimmt wieder langsam aber stetig die Oberhand.
Die Ernte ist vollbracht, das Korn wurde eingefahren und die Speicher sind wieder gefüllt. Als letztes werden die Herbstfrüchte geerntet, Pilze und Nüsse, viele Früchte. Die Bäume prahlen geradezu mit ihrer Pracht von roten und gelben Blättern.
Es werden Dankopfer dargebracht an den Gott und die Göttin, die zu Ostara diese Frucht ermöglicht haben.
Es ist die Zeit der Ruhe und der Freude. Man weiss, bald kommt wieder der Winter, die Dunkelheit und die Kälte. Aber ebenso weiss man auch, daß die Speicher gefüllt sind und man die Zeit gut überstehen kann.
Es ist die Zeit des Abschieds, Abschied vom Sonnenlicht, Abschied von der Pracht.
Bald beginnt ein neuer Kreis.