Glaubensrichtungen

Letzte Änderung: 13.06.2018
Glaubensrichtungen sind echt ein umfangreiches Thema

Stell Dir eine Welt vor, in der jeder das gleiche anzieht. In der jeder gleich aussieht und das gleiche isst und trinkt, in der jeder die gleiche Arbeit hat, das gleiche Auto fährt, im gleichen Laden die gleichen Sachen kauft.
Eine Welt, in der alle dasselbe glauben.
Unvorstellbar? Denke ich auch.

Aber dennoch gibt es tatsächlich Menschen, die sich genau so eine Welt wünschen. Was dabei aber immer vergessen wird: Was ist es denn, was sie glauben, was sie denken, was sie tragen sollen? Wir kümmern uns jetzt mal nur um den Glauben. Woran soll man glauben? An ein Buch? Aber welches? Und wenn man das weiß: welche Ausgabe und welche Übersetzung, aus welcher Tradition und welcher Zeit? Nein, das funktioniert nicht, das haben schon viele Religionen bewiesen, allen voran die Christen und die Muslime. Es ist offensichtlich, dass die Menschen viele verschiedene Religionen brauchen. Da gibt es ganze Volksgruppen, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen über die Frage, ob Jesus Geschwister hatte oder ob ein Sultan ein Blutsverwandter Mohammeds sein muss. 
Gleichschaltung funktioniert nicht, das hatten die Römer schon begriffen, es wurde eine Zeit lang vergessen und langsam setzt sich das Bewusstsein auch wieder durch. 
Eigentlich sind diese Versuche der sog. "großen" Religionen eindrucksvolle Beweise für den menschlichen Drang nach Individualismus. Jeder Versuch der Gleichschaltung wird relativiert oder komplett zerschlagen. Wann immer eine Schrift als alleinseligmachend bezeichnet wurde, wurde diese Schrift unterschiedlich interpretiert. In der christlichen Welt gibt es die Bibel als (fast) alleinige Schrift. Aufgrund unterschiedlicher Interpretationen aber gibt es die römisch-katholische, die griechisch-katholische, die evangelische, die anglikalische, verschiedene orthodoxe, die miaphystische Kirche, dazu verschiedene andere Gruppen: Zeugen Jehovas, Neuapostoliker, Mormonen, Quäker, Presbyterianer, freie Christengemeinde und viele viele andere.
Selbst im Islam, in dem die Übersetzung des Koran eigentlich verboten ist, gibt es unterschiedliche Strömungen: Sunniten, Schiiten, Charidschiten, Sufisten, Ahmadiyyasten, Aleviten, Drusen und einige mehr.
Daran kann man deutlich sehen, dass sich die Menschen nicht gleichschalten lassen wollen. Trotz aller guten Vorsätze. Jeder Mensch hat Meinungen, Vorlieben, einen kulturellen Hintergrund und diese bringt er in seinen Glauben ein, auch wenn sie vom offiziellen Glauben abweichen. Sie finden Menschen, die es genauso sehen wie sie und *schwupps* ist eine neue Splittergruppe geboren. Da ich auch nichts von Gleichschaltung halte und der Meinung bin, dass man sich nur dann frei entscheiden kann, wenn man alle Seiten kennt, will ich an dieser Stelle versuchen, Portraits möglichst vieler unterschiedlicher Religionen zu zeichnen. Alle können dabei niemals berücksichtigt werden und so manche seltsame Weltsicht wird auch auftauchen. Aber wenn Dir etwas merkwürdig vorkommt, dann überleg' mal, wie merkwürdig Deine Sicht für andere sein kann.
Bitte hab' etwas Nachsicht, wenn hier und da doch noch mal meine persönliche Sicht durchscheint. Das lässt sich einfach nicht immer verhindern ;)

Glaube oder Religion

Bevor Du die folgenden Artikel liest möchte ich noch ein paar Zeilen zum Unterschied zwischen Glauben und Religion fallen lassen. Ich unterscheide klar zwischen diesen beiden.
Ein Glauben ist das, woran ein Mensch eben glaubt. Er entsteht dadurch, dass nicht alles erklärt werden kann, was geschieht. Wir Menschen sind so gestrickt, dass wir Lücken auffüllen wollen. Und wo Wissen fehlt, da kommt der Glaube hinzu. Zuerst glaubt also jemand an einen Zusammenhang. Dieser Glaube ist veränderlich, je nachdem, was dieser Mensch erlebt und lernt. 
Nun kann es passieren, dass es erforderlich scheint, diesen Glauben aufzuschreiben, damit man sich mit anderen darüber austauschen kann und damit Schüler diesen Glauben für sich prüfen können. 
Wenn die Glaubensinhalte aufgeschrieben wurden sind sie nicht mehr so leicht veränderlich. Eine Religion ist entstanden. Der Glaube ist damit die Basis einer Religion. Man kann durchaus gläubig sein, ohne einer Religion anzugehören. Ich sehe Religion als festgeschriebenen Glauben, der Menschen anhand von Dogmen (festgeschriebenen, unveränderlichen Sichtweisen) verbindet. Eine Religion zeichnet aus, dass sie nicht einfach so geändert werden kann, dafür sterben Menschen.
Zugegeben, meine Unterscheidung ist recht einfach, aber sie spiegelt das Entscheidende wieder.