Buddhismus

Letzte Änderung: 11.07.2018

Nach jahrelanger Askese sitzt Siddharta zum Skelett abgemagert im Lotussitz, als ihm ein kleines Mädchen eine Schale Milchreis zu essen gibt. Der Wahrheitssuchende erkennt sofort, dass er an Unterernährung gestorben wäre, ohne sein Ziel erreicht zu haben. Auf seinem weiteren Weg beobachtet er einen Musiker beim Stimmen seiner Sitar. Ist die Saite zu lose oder zu fest gespannt, erzeugt sie nicht den gewünschten Ton. In Siddharta steigt die Erkenntnis auf, dass es mit dem Leben ähnlich funktioniert.

Mehr als 400 Millionen Buddhisten hängen einer Weltreligion an, die keine Aussagen über Gott oder Götter macht, sondern einen für jedermann gangbaren Weg zu Glück und Freiheit weist.
Die Lehre von der Überwindung des Leidens und dem inneren Frieden, die iGeist verborgen liegen, geht auf Buddha Shakyamuni zurück. Im 5. Jahrhundert v.u.Z. kommt der historische Buddha als Prinz Siddharta in einer Vollmondnacht im Mai in Lumbini, im heutigen Nepal, auf die Welt.

Ein Seher sagt dem König bei der Geburt des Kindes voraus, dass der Prinz ein großer Herrscher oder ein Erleuchteter werden würde. König Shudhodana will seinen Sohn zu einem großen Herrscher erziehen.
Er schottet ihn in seiner riesigen Palastanlage ab. Mit 16 Jahren heiratet der Thronfolger Prinzessin Yasodhara. Sie genießen ein Leben in allem erdenklichen Luxus.
Aber Siddharta drängt es, die Welt draußen kennen zu lernen.
Mit 29 Jahren, bald nach der Geburt seines einzigen Sohnes, unternimmt Siddharta vier Wanderungen in die nähere Umgebung, die sein Leben verändern sollten.
Zum ersten Mal steht er Angesicht zu Angesicht der Realität des Altwerdens gegenüber. Auch sieht er Krankheit und Schmerz und die unvermeidliche Tatsache des Todes sowie die friedvolle Ausstrahlung eines Bettelmönchs.
Die Erfahrungen wühlen ihn auf. Er verlässt seine Familie. Als Bettelmönch zieht Siddhartha fortan durch die Lande, um Antwort auf die brennenden Fragen zu finden. Warum müssen Lebewesen leiden?
Nach Jahren strenger Selbstkasteiung auf einem harmonischen Weg der Mitte angelangt, setzt sich Siddharta in der Nähe des heutigen Bodh-Gaya unter eine Pappelfeige. Mit dem festen Entschluss, zur Einsicht zu gelangen, versinkt er in tiefe Meditation.
Nachdem er den Dämonen des eigenen Geistes widersteht, erwacht Siddhartha zu vollständigem Bewusstsein und erkennt das Wesen des allumfassenden Geistes. Unwissenheit und damit auch Hass und Begierde fallen von ihm ab und weichen grenzenloser Liebe und wahrem Wissen.
Er ist fortan ein "vollkommen Erwachter" - ein Buddha.

Die restlichen 40 Jahre seines Lebens widmet er der Verbreitung seiner Lehre, um möglichst vielen Menschen zur Freiheit aus dem immerwährenden Kreislauf von Geburt und Tod zu verhelfen.
Dabei hielt er in Isipatana (heute Sarnath) seine erste öffentliche religiöse Rede. Daraus entstand die buddhistische Lehre, das Dharma.
Als er im Alter von 80 Jahren starb wurde seine Lehre fortgesetzt und er ging in das Parinirvana ein, das endgültige Nirvana.

Die Grundlagen

Buddha war in seinen Anschauungen sehr frei und empfahl, ja verlangte es von seinen Nachfolgern geradezu.
Er sagt, er sei weder ein Gott, noch von irgendeinem Gott geschickt worden noch habe er die Botschaft eines Gottes. Eher hat er die Gottesbegriffe überhaupt nicht verwendet. Er hat gesagt, daß jeder in der Lage sei, wie er, die Wahrheit hinterd em eigenen Sein und der Welt zu erkennen, wenn er auf das Wort und die Begriffe verzichte und sich statt dessen der Meditation bediene.

Er warnte davor, seinen Lehren dogmatisch zu folgen und ermutigte die Menschen, ihren eigenen Weg zu finden. Er riet eine gesunde Skepsis dem geschriebenen Wort gegenüber.

Die Lehren

Die vier edlen Wahrheiten

Dukkha - Das Leben im Kreislauf ist leidvoll.
Samudaya - Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung.
Nirodha - Erlöschen die Ursachen, dann erlischt auch das Leiden.
Magga - Zum Erlöschen des Leidens für der "edle achtfache Pfad".

Mit diesen vier Wahrheiten wird klargestellt, was das Problem ist, wo es herkommt und wie es behoben werden kann.
Einem Arzt gleich stellt Siddharta die Analyse und zeigt einen Weg.

Der edle achtfache Weg

Der edle Achtfache Weg ist in drei Gruppen eingeteilt: Weisheit, Sittlichkeit und Vertiefung.
Jeder einzelne Weg beginnt mit "Samma", was soviel wie recht oder besser "ganzheitlich" bedeutet. "Ganzheitlich" im Sinne von "nicht nur auf sich sondern auf alles bezogen". Damit sollen Extreme vermieden werden,
Die erste Gruppe bezieht sich auf die innere Einstellung, die Weisheit. Denn eine Tat beginnt mit dem Plan und damit, an die Tat zu denken. Daher ist es wichtig, seine Einstellung zu bearbeiten, wenn man seine Taten nachhaltig beeinflussen will.
Die mittleren drei Glieder beziehen sich auf das sittliche Verhalten.
Die letzten drei Glieder beschäftigen sich mit dem Weg zu spiritueller Erkenntnis.
Die Darstellung ist keine Hierarchie, denn alle Teile sind gleich wichtig und müssen mit gleichem Elan und gleichzeitig verfolgt werden. Auch, wenn das nicht bei allen gleich gut gelingt.

Ganzheitliche Anschauung bzw. rechte Erkenntnis

Ganzheitliche Anschauung bzw. ganzheitliche Erkenntnis ist die Einsicht und Anerkennung der vier edlen Wahrheiten und umfasst das Durchschauen, wie Leiden entsteht. Denn Unwissen, falsches Wissen, führt zum Leiden: Leiden entsteht durch das Hängen der Sinne, die ihrerseits kurzlebig und vergänglich sind, an Dingen, die auch selbst substanzlos und vergänglich sind. Es ist also das Haften unbeständiger Sinne an unbeständigen Geistesobjekten. Dadurch entsteht ein Durst, eine Gier, und die entsprechenden Gefühle, wie Ablehnung, Hass und Zorn, die alle leidvoll sind. Hierzu gehört auch die Einsicht, dass unser Ich (Selbst) keine für sich stehende, unsterbliche Substanz ist und dass man sich an nichts Schönem und Gutem in diesem Leben festhält, weil es kein dauerhaftes Glück im Leben gibt.

Ganzheitliche Gesinnung bzw. ganzheitlicher Entschluss

Ganzheitliche Gesinnung bzw. ganzheitlicher Entschluss, das ganzheitliche Denken bedeutet, gemäß der Einsicht zu handeln, indem man nicht hasst und allen Lebewesen gegenüber Wohlwollen praktiziert. Aus Mitgefühl mit den Lebewesen wird man seinen Fleischgenuss mindern oder einstellen, also mehr oder weniger vegetarisch leben. Aber einen strengen Vegetarismus gibt es im Buddhismus nicht.
Es geht darum, die Gedankenwelt ständig zu prüfen. Handelt es sich um einen heilsamen Gedanken, also einen Gedanken, der mir und den anderen Wohl beschert, oder um einen unheilsamen Gedanken, der mir und anderen Ungemach oder Leiden beschert.

Ganzheitliche Rede

Ganzheitliche Rede meidet Lüge, Verleumdung, Schimpfen, unnützes Gerede und Klatsch.
Damit sollen andere zu heilsamem Tun angeregt werden. Wie die Gedanken ist die Rede heilsam oder unheilsam, nützlich oder unnützlich, wahr oder falsch. Ein Wort des guten Wandels ist, "wenn es zur rechten Zeit gesprochen wird, wenn es wahr, höflich, zweckmäßig ist und aus "liebevoller Gesinnung kommt".

Ganzheitliches Handeln

Ganzheitliches Handeln meint ein Leben gemäß den Fünf Silas, den Tugendregeln des Buddhismus. Eine Tat, die mich oder andere beschwert, ist zu meiden.
Die Tat, die Wohl züchtet, für mich oder andere, ist zu tun.

Ganzheitlicher Lebenserwerb

Ganzheitlicher Lebenserwerb bedeutet, einen Beruf auszuüben, der anderen Lebewesen nicht schadet. Berufe, die gegen die buddhistischen Gebote verstoßen, sind zu meiden: Das sind in erster Linie Berufe, in denen das Erhaltene nicht gegeben wurde, oder in denen (fühlende) Lebewesen getötet werden. Mit rechter Lebensführung unvereinbare Berufe sind Metzger, Jäger, Fischer, Soldat, Waffenhändler, Drogenhändler und Tierhändler.

Ganzheitliches Streben bzw. rechte Anstrengung

Ganzheitliche Streben bzw. ganzheitliche Anstrengung meint den Willen, Affekte wie Begierde, Hass, Zorn, Ablehnung usw. bei Wahrnehmungen und Widerfahrnissen zu kontrollieren und zu zügeln. Wie beim "rechten Denken" geht es hier um das Prüfen seiner Gedanken, und das Austauschen unheilsamer Gedanken durch heilsame Gedanken: "... wenn böse, unwürdige Erwägungen aufsteigen, Bilder der Gier, des Hasses und der Verblendung, aus dieser Vorstellung eine andere gewinnen, ein würdiges Bild ..."

Ganzheitliche Achtsamkeit

Ganzheitliche Achtsamkeit betrifft zunächst den Körper: Bewusstwerdung aller körperlichen Funktionen wie Atmen, Gehen, Stehen usw.; Bewusstwerdung gegenüber allen Sinnesreizen, Affekten und allen Denkinhalten. Sie sollen umfassend bewusst gemacht sein, um sie kontrollieren zu können.
Die Achtsamkeit auf das "Innere" prüft die Geistesregungen und benennt sie. Es geht um ein Bewusstwerden des ständigen Flusses der Gefühle und der Bewusstheitszustände. Die Achtsamkeit auf das „Äußere“ bewirkt, ganz im Hier-und-Jetzt zu sein, nicht der Vergangenheit nachzugrübeln und nicht in der Zukunft zu schwelgen. Das heißt auch, ganz bei der Sache zu sein, oder bei der Person, oder beim Gespräch, die einem gerade gegenüber sind.

Ganzheitliches Sichversenken bzw. ganzheitliche Sammlung

Ganzheitliches Sichversenken bzw. ganzheitliche Sammlung bezeichnet die Fertigkeit, den unruhigen und abschweifenden Geist zu kontrollieren. Häufig auch als einspitziger Geist oder als höchste Konzentration bezeichnet, ist sie ein zentraler Teil der buddhistischen Spiritualität. Um zur rechten Sammlung zu kommen, haben die buddhistischen Schulen viele Methoden und Techniken entwickelt. Es geht hier im wesentlichen um eine buddhistische Meditation, die vor allem die Konzentration auf ein einziges Phänomen (häufig der Atem) verwendet, wodurch der Geist von Gedanken befreit wird und zur Ruhe kommt.

Zwei weitere Glieder

Im Pali-Kanon werden zwei weitere Glieder erwähnt, die sich nach der Erleuchtung entwickeln.
Dies sind ganzheitliches Wissen und ganzheitliche Befreiung. Beide sind nicht klar definiert, jedoch wird spekuliert, dass damit ein unerschütterliches Erreichen von ganzheitlicher Erkenntnis und ganzheitlichem Sichversenken bezeichnet wird. Dadurch ist ein Verlust der Erleuchtung nicht möglich.

Karma

Ein bekannter Begriff, aber was bedeutet er eigentlich.
Das Karma ist das Geflecht von Ursache und Wirkung. Es  beinhaltet die Taten, welche durch ein Anhaften an die materielle Welt entstehen. Abenso auch die Gedanken, Handlungen und Wirkungen, die wiederum aus den Taten entstehen.
Auch und vor allem die Wirkungen, die wieder auf die Person zurückwirken.
Es entspricht in etwa der Kausalität, bezogen auf die geistige Welt.
Es ist also kein oberer Wächter, der einem Gericht gleich, entscheidet, was gut und was schlecht ist sondern es bezeichnet die Wirkungen des Tuns auf die Umgebung und sich selbst.
Dadurch kann durchaus gutes uns schlechtes Karma entsehen.

Wiedergeburt

Reinkarnation und Karma waren Begriffe, die in der indischen Philosophie bereits vor Erscheinen des Buddha bekannt waren. Wie der westlichen Welt meist entgeht, widersprach der Buddha diesen vedischen Konzepten grundlegend und ersetzte sie entsprechend seiner Erfahrung.

Die indische Philosophie kannte Atman, das „Selbst“, vergleichbar mit der persönlichen Seele der westlichen Gedankenwelt. Buddha verneinte deren Existenz als individuelle und konstante Einheit, die auch wiedergeboren werden könnte.
Im Gegensatz dazu sprach er von Anatman, dem „Nicht-Selbst“. Die Vorstellung von Atman ist demnach Teil der Täuschung über die Beschaffenheit der Welt. Gemäß der Lehre Buddhas entsteht die Persönlichkeit mit all ihren Erfahrungen und Wahrnehmungen in der Welt erst aus den Fünf Aneignungsgruppen: Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und Bewusstsein.
Was in der vedischen Tradition Atman genannt wurde, ist demnach aus buddhistischer Sicht keine konstante Einheit, sondern in beständigem Werden, Wandel und Vergehen begriffen. Es kann somit auch nicht als solches wiedergeboren werden.

Reinkarnation wird im Buddhismus also nicht als „Seelenwanderung“ verstanden, sondern als eine Kontinuität der Geistesprozesse. Sie ist Folge der beim Ableben eines Individuums noch nicht erloschenen mentalen Kräfte, die sich in einer oder mehreren neu in Erscheinung tretenden Existenzen erneut manifestieren.
Eine bekannte Allegorie vergleicht diesen Prozess mit der Flamme einer Kerze, die weitere Kerzen anzündet. Weder die Kerze selbst noch die Flamme bleiben dieselben, aber ohne die ursprüngliche Kerzenflamme gäbe es auch die folgenden nicht.
Die Ursache der Wiedergeburt liegt im Begehren nach Sinnesbefriedigung, im Trieb nach Sein und Verwirklichung, dem Karma.
Das erklärt auch, warum ein Erleuchteter nicht mehr an den Kreislauf der Reinkarnation gebunden ist: Er hat kein Begehren nach Sinnesbefriedigung.

Erleuchtung

Die Erleuchtung (Bodhi) gilt im Buddhismus als das angestrebte Ziel. Es wird erreicht, wenn die vier edlen Wahrheiten vollständig in sich aufgenommen wurden.Im erleuchteten Zustand kann man nicht mehr getäuscht werden und man ist nicht mehr vom Karma abhängig.Es bedeutet ebenso den Bruch des ewigen Kreisen von Geburt, Tod und Wiedergeburt, das Nirvana wird erreicht.

Die buddhistische Tradition kennt drei Arten von Bodhi:
Pacceka-Bodhi wird durch eigene Bemühungen, ohne die Hilfe von Lehrern, erreicht. Ein derart Erleuchteter wird als Pratyeka-Buddha bezeichnet.
Savaka-Bodhi bezeichnet die Erleuchtung jener, die mit Hilfe von Lehrern Bodhi erlangen. Ein so Erwachter wird als Arhat bezeichnet.
Samma-Sambodhi wird von einem Samma-Sambuddha („Vollkommen Erwachter“) erlangt. Ein solcher „Vollkommen Erwachter“gilt als die perfekte, mitfühlendste und allwissende Form eines Buddha.Der historische Buddha Shakyamuni aus dem Geschlecht von Shakya war einsolcher Samma-Sambuddha.

Literatur zum Thema

Die vier edlen Wahrheiten. Texte des ursprünglichen Buddhismus

Klaus Mylius
382894843X

Die Vier Edlen Wahrheiten: Die Grundlage buddhistischer Praxis

Dalai Lama
3596149738