Cargo-Kult

Letzte Änderung: 11.07.2018

Im Südpazifik ist es die meiste Zeit des Jahres sehr schön. Hier leben viele verschiedene Völker auf weit verstreuten Inseln und auf diesen Inseln haben sich die Religionen unterschiedlich entwickelt. Unter diesen Religionen gibt es auch einige seltsam anmutende, besonders der Cargo-Kult. Der Begriff "Kult" ist hier nicht abwertend sondern bezeichnet einfach, dass die Gesamtheit religiösen Handelns den Glauben umschreibt.
In Anderen Worten: Die Rituale und das Handeln der Gläubigen sind im Zentrum des Glaubens. Nicht so sehr Lebenseinstellung und stille Kontemplation. Eines dieser Rituale läuft wie folgt ab:
Die Anhänger des Glaubens treffen sich zu festen Zeiten auf einer freien Fläche in Kleidung, die häufig an Uniformen erinnert. Hier haben sie manchmal ein Flugzeug oder ein kleines Schiff aufgebaut (meist aus Stroh oder Blättern)und fangen an, zu exerzieren.
Sie ahmen die Exercitien westlicher Armeen (meist der US Streitkräfte) nach, indem sie in Reih und Glied auf und ab marschieren, auf einer improvisierten "Start- und Landebahn" imaginäre Flugzeuge einweisen oder improvisierte "Kisten" und "Container" transportieren.
Davon erhoffen Sie sich, je nach Glaubensinterpretation, Lieferungen aus der Luft, bessere Ernten, was auch immer man sich von einer Himmelsmacht wünschen kann. Der Ursprung dieses Kultes, Du hast es schon vermutet, liegt im zweiten Weltkrieg. Die US Streitkräfte hatten auf zahlreichen Pazifik-Inseln Stationen und Flugpläte eingerichtet. Und auf diesen Flugplätzen haben die Armee-Angehörigen genau diese Tätigkeiten ausgeführt: Sie haben exerziert, sind angetreten, haben Flugzeuge eingewiesen, Kisten und Paletten transportiert, etc.
Die Eingeborenen dieser Inseln haben diese Tätigkeiten beobachtet und hin und wieder kamen Flugzeuge und haben Güter gebracht. Daraus schloss sich glasklar ein Zusammenhang: Wenn man exerziert, antritt und Kisten schleppt, dann kommt irgendwann ein Flugzeug oder ein Schiff und bringt Nahrung und andere Güter.
Häufig wird auch ein amerikanisch klingender Name genannt wie John Smith, der dafür sorgen soll, dass die Amerikaner wiederkommen.

Was man hier sieht ist die Entstehung eines Kultes aus einer Handlung, deren wirklichen Zusammenhänge man nicht versteht und sie einfach nachahmt.
Wenn Du jetzt milde lächelst ("diese Eingeborenen, machen einfach Dinge nach und erhoffen sich einen Effekt"), dann solltest Du vorher an die eigene Nase fassen.
So anders sind wir auch nicht, denn auch wir ahmen Dinge nach, deren Zusammenhang wir nicht verstehen: Das Abendmahl, verschiedene Jahresfeste, verschiedene Aberglauben (schwarze Katze, Spiegel zerbrechen, etc).
Auf die Frage, warum sie das denn immer noch machen und ob schon mal ein Flugzeug gekommen sei antwortete ein Stammesältester sinngemäß "Nein, bisher noch nicht. Aber ihr betet ja auch seit 2000 Jahren zu Jesus und hört nicht auf, nur weil er noch nicht da war. Da hat John noch etwas Zeit."