Christentum

Letzte Änderung: 15.06.2018

An dieser Stelle will ich nicht über die unüberschaubare Zahl von Verfehlungen der Kirche(n) sprechen wie die Inquisition, die Unterstützung des dritten Reichs, die Vertuschungen von Fällen des Kindesmißbrauchs, die Kriminalisierung homo-/bisexueller Neigungen, machtpolitische Anstiftung zum Krieg  und mehr. Denn ich trenne zwischen Kirche und Christentum. Und da bin ich nicht der einzige, viele Christen selbst tun das. 
Alleine diese Tatsache ist in meinen Augen ein Armutszeugnis für die "Vertreter Gottes auf Erden".
Aber ich will ja nicht über die Kirche herziehen sondern ich will mich mit der christlichen Mythologie auseinandersetzen.
Ich gehe hier mal so ran, als ob Du nie vom Christentum gehört hättest. In unserer Welt recht unwahrscheinlich, aber so weiß ich wenigstens, wo ich anfangen muss.
Ich will außerdem noch erwähnen, dass ich bei aller Bemühung um objektive Beschreibung nicht immer das Einfließen meiner eigenen Meinung verhindern kann.

Die Bibel

Was ist es also, an das ein Christ glaubt? Der Inhalt des christlichen Glaubens ist in der Bibel beschrieben. Viele Menschen verwechseln den christlichen Glauben mit dem Glauben an die Bibel, das ist meiner Meinung nach ein Fehler, den man nicht machen sollte.
Die Bibel besteht aus vielen einzelnen Büchern, aufgeteilt in zwei große Testamente, das alte und das neue. Das alte Testament beinhaltet grob den Inhalt des Tanach, der jüdischen heiligen Schrift. Das Neue Testament beschreibt das Leben und Wirken von Jesus von Nazareth sowie das spätere Wirken seiner Anhänger, den Aposteln. Ich will hier nicht beschreiben, was in der Bibel genau steht, sondern nur einen sehr sehr groben Abriß geben. Zum einen ist es in unserem Kulturkreis eh schwer, drum rum zu kommen, andererseits finde ich die Bibelgeschichte nicht sehr interessant.
Wenn es Dich tatsächlich interessiert solltest Du Dich vielleicht auf christlichen Seiten umschauen

So beginnt das erste Buch Mose mit den Worten "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde", damit wird der Schöpfungsprozess in Gang gesetzt, im Verlaufe dessen Gott innerhalb von sechs Tagen die Erde erschaffen hat mit allem was darauf kreucht und fleucht, einschließlich dem Menschen.
Der Mensch lebte in Form von einem Mann namens Adam und einer Frau namens Eva im Garten Eden, dem Paradies, wo niemand jemand anderem etwas zuleide tut. Kein Tier frisst ein anderes.
In diesem Garten steht der Baum der Erkenntnis, es heißt, wenn man von seinen Früchten isst kann man zwischen Gut und Böse unterscheiden.  Dummerweise hat Gott den beiden Menschen verboten, von diesem Baum zu essen (warum auch immer).
Aber in diesem Garten gibt es auch eine Schlange (sie wurde später als Satan interpretiert) und diese Schlange umgarnte Eva, daß sie von der Frucht essen möge und auch dem Mann etwas davon geben möge. Schließlich essen die beiden (natürlich) von der Frucht und können von da an zwischen gut und Böse unterscheiden.
Gott ist davon natürlich überhaupt nicht begeistert und setzt Adam und Eva vor die Tür, macht sie sterblich und noch einige Gemeinheiten mehr.

Nun sind Adam und Eva also aus dem Paradies verbannt worden und alles Jammern nützt nichts, sie werden nicht wieder eingelassen. Außerdem müssen sie von nun an für sich selber sorgen und so fangen sie an, den Bestand der Menschheit zu sichern.
Ihre ersten Kinder nennen sie Kain und Abel. Sie waren beide nett und brachten Opfer. Allerdings sah Gott das Opfer von Abel als besser an und Kain wurde sehr eifersüchtig. Schließlich nahm er seinen Bruder mit aufs Feld und erschlug ihn dort.
Daraufhin wurde Kain von Gott unsterblich gemacht, damit er auf ewig über die Erde wandelte und büßte. Damit war der Mord in die Welt gebracht, wovon künftig reichlich Gebrauch gemacht wurde.
So ging Kain dann in das Land Nod, fand dort seine künftige Frau, zeugte mit Ihr Henoch und gründete eine Stadt. Da drängt sich mir die Frage auf, wo die Menschen herkommen, seine Frau und die Einwohner der Stadt. Denn Adam und Eva hatten bis jetzt keine weiteren Kinder und schließlich sind Adam, Eva und Kain die ersten Menschen gewesen. Aber wir wollen mal nicht kleinlich sein.

So weit, so gut, da ich hier nicht die ganze Bibel nacherzählen will, nur kurz die wichtigsten Abschnitte.
Als die Menschheit so wuchs und gedieh wurden sie alle sündig und vergaßen Gott. Sie waren so richtig widerlich und gar nicht mehr gottesfürchtig. Da hatte Gott eine Idee und er nahm sich einen Mann, Noah, der sehr gottesfürchtig war und seine Familie. Denen gab er den Auftrag, nach seinen Angaben ein Schiff zu bauen. In dieses Schiff sollten sie dann von allen Tierarten der Welt je ein Paar einladen und abwarten, was denn so passiert (Warum hat er die Mücke nicht einfach totgeschlagen?).
Als dann also alles vorbereitet war ließ Gott einen Regen niederprasseln, der alsbald die ganze Welt überschwemmte und jeden Berg bis auf die Spitze untergehen ließ. Dieser Regen dauerte 40 Tage und 40 Nächte und es wurde alles Leben auf Erden ausgelöscht.
Irgendwann hörte der Regen wieder auf und als ganz sicher alles (außer Fische) ersoffen ist, floß das Wasser innerhalb von 150 Tagen wieder ab. Um zu sehen, ob es schon soweit sei, ließ Noah eines Tages eine Taube fliegen und nach einem erfolglosen Versuch kam die Taube schließlich mit einem Ölzweig im Schnabel zurück. Wo auch immer sie den gefunden hat, wo doch alles Leben auf Erden tot ist. Aber wir wollen auch hier nicht kleinlich sein, schließlich ist die Bibel genauso wenig Dokumentation wie die Edda.
Letztlich konnte Noah samt Familie damit beginnen, die Welt aufs neue zu besiedeln. Ach, hab keine Lust mehr, Zusammenfassungen der Bibel bekommst Du reichlich im Netz, ebenso auch das komplette Buch.

Abschließend will ich noch erklären, warum ich eingangs den Glauben an die Bibel und den christlichen Glauben unterschieden habe.
Nämlich gab es die Bibel bis ins vierte Jahrhundert überhaupt nicht. Vielmehr basierte der Glaube auf einer Sammlung von Schriften, die sich zu Teil widersprachen. So sind zum Beispiel mindestens 18 Evangelien bekannt.
Erst im 4. Jhdt wurden diese Schriften zusammengefasst (der sogenannte Kanon) zu einem großen Werk, der Bibel. Dort wurden im neuen Testament schließlich 4 Evangelien und einige Briefe der Apostel aufgenommen. Die anderen wurden als Apokryphen ("zu verbergende Bücher") bezeichnet und forthin mehr oder weniger verleugnet.
Nach welchen Kriterien die Auswahl stattfand ist nicht bekannt. Ich gehe allerdings davon aus, daß hauptsächlich fromme Gründe vorherrschten, aber politische und rechthaberische Gründe auch eine gewichtige Rolle spielten. Auch ist es kaum noch zu überprüfen, ob die Schriften tatsächlich genauso in den Kanon übernommen wurden.
Dieses Buch wurde also zur Grundlage eines Glaubens, dem heute etwa 2 Milliarden Menschen anhängen, die meisten in dem Glauben, daß sie das gleiche Buch in Händen halten, das vor fast 2000 Jahren geschrieben wurde.

Diese Annahme ist natürlich so weit an der Wahrheit vorbei wie es nur geht. Denn weder wurde das Buch vor 2000 Jahren (oder sonstwann) geschrieben noch ist es das gleiche wie damals. Wie bereits beschrieben ist es eine Sammlung aus Schriften älteren Datums, die im 4. Jhdt vollendet und kanonisiert wurde. Und vor allem wurde die Bibel seither vielfach übersetzt, umgeschrieben, an die Zeiten angepasst, etc. So geht man heute davon aus, daß es an die 10000 verschiedene Lesarten der Bibel gibt. Dazu gehören Ã?bersetzungen in 392 Sprachen und Anpassungen an verschiedene Glaubenssysteme (katholisch, evangelisch, orthodox, Zeugen Jehovas, Mormon, Freikirchen, ...).
Wer bei der Vielfalt und der langen Geschichte der Bibelübersetzungen immer noch glaubt, er hielte etwas wie das Original in der Hand, sollte vielleicht mal über den Begriff Naivität nachdenken.

Aber all das tut dem Glauben keinen Abbruch, und das ist auch gut so.
Man mag der Kirche und dem bibeltreuen Glauben nachsagen, was man will, der christliche Glaube an sich ist keine schlechte Sache.

Gott

Im Christentum ist nach aktueller katholischer Lehrmeinung (andere Konfessionen sind da anderer Meinung, aber das soll uns hier nicht stören) die Trinität eine der Grundlehren.
Das bedeutet, Gott sei gleichzeitig der Vater, der Sohn und der heilige Geist. Das heißt soviel wie er ist der Schöpfer und Bewahrer der Welt. Er ist zu den Menschen herabgestiegen, um für ihre Sünden zu büßen und eine neue Ära einzuleiten. Und er ist der heilige Geist, der in allem existent ist, der allem Lebendigen erst das Leben gibt.

Nach christlicher Auffassung hat Gott also ursprünglich die Welt geschaffen, so wie ich es weiter oben erzählt habe. Dann habe er nach einigen Fehlschlägen (Sintflut, Sodom und Gomorrha, ...) endlich einen Weg gefunden, dem Menschen die Möglichkeit zu geben, ohne Sünden zu leben. Nämlich indem er ihm einfach verzeiht (Da hätte er echt früher drauf kommen können), dazu war aber notwendig, daß jemand die Sünden der Menschen auf sich nimmt, als Opferlamm sozusagen. Und das konnte nur Gott selber sein, also ist er in Form eines Menschen auf die Erde gekommen (wobei sich noch gestritten wird, ob Jesus Gott war oder Gottes Sohn). Daher auch die häufige Darstellung Jesu als Lamm. Und schließlich ist Gott noch der heilige Geist. Das Bewusstsein, das sich manifestieren kann. Dieses ist allerdings in der Bibel etwas untergegangen.

Der größte Unterschied zwischen dem Christentum und den anderen monotheistischen Religionen ist dabei der Sohn, der Messias, Jesus Christus. So etwas gibt es bei den anderen nicht so richtig.
Nach christlicher Lehre hat Gott den Messias zu den Menschen geschickt, um die Menschen zu erlösen, soll heißen er soll alle Sünden der Menschheit auf sich nehmen und dadurch alle Menschen befreien, die es wollen und Jesus in ihrem Herzen aufnehmen. Wer also Jesus anbetet, den erwarte keine Höllenqual im Jenseits sondern der erwache nach dem Tode im Paradies. Leider wird dabei kein Wort darüber verloren, welche Sünden er aufnimmt. Dabei ist immer wieder mal von der Erbsünde die Rede, ein sehr umstrittener Begriff. Besonders fragwürdig ist die ganze Geschichte, weil Jesus im neuen Testament selber nie sagt, daß er auf die Erde gekommen ist, um die Sünden zu tilgen. Das haben später Menschen gesagt, die behaupteten, in seinem Namen zu sprechen. Aber das haben verschiedene Päpste auch behauptet, als es darum ging, die Kreuzzüge auszurufen. Wer Jesus tatsächlich war wird wohl niemand jemals herausfinden. In meinen Augen war er ein großartiger Mann, der für seine Ansichten eingestanden ist und schließlich leider dafür ermordet wurde.

Bittere Ironie der Geschichte: Jesus wurde (angeblich) von den jüdischen Glaubenshütern (den Tempelpriestern) umgebracht, weil er unter anderem deren Reichtum anprangerte und ein Leben in Armut forderte.
Die christlichen Glaubenshüter haben später vorzugsweise die christlichen "Irrlehren" ausgerottet und deren Anhänger ermordet, die ihren Reichtum anprangerten und die ein Leben in Armut forderten.
Nach seinem Tode wurde dann sein Leben mit allerhand Ã?berlieferungen und Geschichten aus anderen Glaubenssystemen vermengt und schon hatte man Gottes Sohn - etwas platt gesprochen.
Wäre es nicht Jesus gewesen, so wäre es jemand anderes.
Aber das ändert nichts an der Botschaft: Bitte um Vergebung und Dir wird vergeben werden. Seine Botschaft war die Liebe, die Achtung gegenüber einander und die Ehrlichkeit und dafür wurde er umgebracht. Wer auch immer er und seine vielen Wanderprediger-Kollegen, die dasselbe sagten waren.

Leider ist diese Botschaft während der Jahrhunderte verloren gegangen und wird erst langsam wiederentdeckt.

Der Teufel / Die Hölle

Gustave Dores Satan aus Paradise Lost von John Milton. Quelle: Wikipedia

Die jüdische Überzeugung vor der babylonischen Gefangenschaft war noch sehr Diesseitsbezogen.
Die Taten eines Jeden hatten eine direkte Auswirkung auf sein Leben. Ein guter Mensch wurde mit Gesundheit, Reichtum und einem langen, glücklichen Leben belohnt. Der Sünder dagegen wurde krank, verlor sein Eigentum und starb früh.
Seine Taten und sein Glauben hatten keinen Einfluss auf sein Leben nach dem Tode.
Der Mensch war in Ihrer Vorstellung in drei Teile aufgeteilt: Der Körper, der durch Gott sein Leben erhalten hatte und schließlich starb. Die Seele, die im Körper verblieb, bis dieser verrottet war und sich dann auflöste. Und schließlich den Schatten, der sich vom Körper löste und ziellos umherirrte.
Schon der Prediger Salomon sagte "Die Toten wissen nichts, sie haben auch keinen Lohn mehr, denn ihr Gedächtnis ist vergessen, so daß man sie nicht mehr liebt noch hasst noch von ihnen redet, und haben keinen Anteil mehr an allem, was auf der Erde geschieht." (AT, Sprüche 9,5,6)
So war man denn bedacht, seinen Lohn auf Erden zu genießen, denn man hatte ihn ja verdient.
Im Jenseits spielt es keine Rolle mehr, was man im Leben getan hat. Es wird nicht unterschieden, ob gottesfürchtig oder fromm, ob Sünder oder tugendhaft.
Bestrafung erfolgte durch die Nachkommen. Gott konnte dem Sünder die Nachkommen nehemn oder diese strafen, so daß niemand mehr die Toten verehrte. Das widerum war für den Sünder fatal. Erst in der babylonischen Gefangenschaft und der daraus sich ergebenden Beeinflussung entwickelte sich der spätere Jenseits- und damit auch der Höllenglaube.

Da Gott/Jesus in christlicher Sicht das Gute an sich verkörpert und per Definition frei von Sünde ist, steht die christliche Mythologie vor einer Misere. Im Vergleich zu was soll Gott denn gut sein, anders gesprochen: wenn Gott nur gut ist, woher kommt dann das viele Böse in der Welt?
Die Antwort lag auf der Hand, beziehungsweise (mal wieder) in anderen Mythologien. In der persichen Gedankenwelt nämlich gab es bereits den Guten Gott, Ahura Mazda, der die Welt geschaffen hat und für das Gute steht (Licht, Fruchtbarkeit, Schutz, ...). Sein Auge war Mithras, die Sonne. Und es gab Ahriman, den bösen Gott, der für alles üble in der Welt stand wie Hunger, Krankheit, Tod, ...
Ein solches System hat die Christenwelt auch übernommen.

So war dem Glauben zufolge, Gott im Anfang alleine mit seinen Engeln. Darunter auch die Erzengel, Luzifer als prächtigster von ihnen. Als Gott dann den Menschen geschaffen hatte verlangte er von allen Engeln, dem Menschen zu huldigen und ihm zu dienen.
Alle taten das, nur Luzifer dachte sich warum solle er dieses mickrige Gesocks anbeten. Dieser Ungehorsam und der Stolz brachten Gott dermaßen in Rage, daß er Luzifer aus dem Himmel verbannte. So stürzte Luzifer aus dem Himmel in die Erde und sorgt seitdem mit all seinem Neid und Hass dafür, daß der Mensch es auch ja schön schwer hat. Ein anderer Ansatz ist der, daß Luzifer gar nicht so Ungehorsam war sondern den Auftrag direkt von Gott bekam, den Menschen zu prüfen und in Versuchung zu führen.

Und so ist es natürlich immer wieder der Teufel, der für Sachen zuständig ist, die nicht klappen, wie sie sollen. Besonders im Mittelalter wares sehr beliebt, alle Schuld auf Satan zu schieben. Aber auch heute noch wird es getan, wenn auch nur insgeheim.
Die Entsprechung für Satan wäre in meinem Verständnis der Schatten, jenes undefinierbare Etwas, das jeder mit sich trägt. So wie der Teufel erinnert uns auch der Schatten ständig an unser Versagen und unsere Ängste. Aber Teufel ist nicht gleich Teufel.
Aus der Erfahrung der weltlichen Hierarchie und im Zuge der Verteufelung heidnischer Gottheiten erwuchs eine unübersehbare Anzahl verschiedener Teufel. Es wurde eine Hierarchie erdacht, in der Satan an oberer Stelle steht, ihm dienten verschiedene Oberdämonenn wie Baal, Baphomet, Lilith, Paymon, Abala, Azazel und viele viele andere mehr. Diese underschieden (unterscheiden) sich auch regional und zeitlich.
Außerdem befahlen diese Dämonen in der Vorstellung über große Heere kleinerer Teufel, die auch die Gläubigen zu quälen hatten.

Fundamentalismus

Der Satansglaube ist so tief im Glauben verankert, dass er kaum auszurotten ist. Während viele Dogmen wie jungfräuliche Empfängnis und körperliche Auferstehung inzwischen skeptisch betrachtet oder sogar belächelt werden ist der Glaube an den Teufel so fest wie eh und je.
Besonders unter den Fundamentalisten ist neben dem Satansglauben der feste Glaube an die wörtliche Richtigkeit der Bibel eine Grundannahme. Da wird zweifelsfrei angenommen, dass die Erde vor höchstens 8000 Jahren von Gott innerhalb von sechs Tagen geschaffen wurde. Es besteht kein Zweifel dran, dass Noah in seiner 137 Meter langen, 23 Meter breiten und 14 Meter hohen Arche von allen Tierarten mindestens ein Paar dabei hatte. Von den wichtigeren sogar mehrere. Immerhin gibt es heute rund 21000 Tierarten, und da sind nichtmal Insekten und Einzeller mitgezählt.
Alle Welt spricht über islamische Fundamentalisten, die christlichen werden häufig vergessen. Dabei geht auch von ihnen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die heutige aufgeklärte Welt aus. Der Begriff stammt daher, das sie sich für das Fundament des Glaubens halten.
Besonders erfolgreich sind sie in den USA, wo es in vielen Staaten tatsächlich verboten ist, zum Beispiel die Evolutionstheorie als momentanen Stand des Wissens in der Schule zu lehren. Meistens werden die Kinder drauf hingewiesen, dass es noch andere "Theorien" gibt, häufig wird neben der Evolutionstheorie auch die Genesis gelehrt - gleichberechtigt. Und in einigen wenigen Fällen ist es gar bei Strafe verboten, die Evolutionstheorie zu lehren.
Ebenso ist es auf einigen Schulen verboten, Aufklärungsunterricht zu betreiben. Oft werden private Aufklärer behindert, statt dessen werden Gruppierungen massiv gefördert, die Enthaltsamkeit proklamieren. Das mag auf den ersten Blick okay sein, aber mal im Ernst, welcher Jugendliche will "es" denn nicht mal ausprobieren? Und wenn dann keine Aufklärung vorher stattgefunden hat wird es bedenklich. So ist es kein Wunder, dass in den Vereinigten Staaten von allen Industriestaaten bei weitem die meisten Jugendschwangerschaften gezählt werden.

Die christlichen Fundamentalisten würden gerne, ebenso wie die islamischen, einen Gottesstaat ausrufen, in dem die Menschen gestreng nach den Worten der Bibel leben.
Und sie versuchen, die Bibel zu beweisen. So sind Gruppen "christlicher Archäologen" im Zweistromland unterwegs und suchen nach den Überresten von Noahs Arche. Und behaupten selbstverständlich immer mal wieder, sie gefunden zu haben, ohne es wirklich zu beweisen.
Andere versuchen, mit haarsträubenden Thesen die Schöpfung, die Sintflut oder sonstwas zu beweisen. Was so nach harmlosem Wahnsinn klingt ist in Wirklichkeit nicht ungefährlich. Denn der Erfolg in den USA hat bereits spürbare Auswirkungen im Bereich der Wissenschaft, der Bildung und in der Politik genommen (George W. Bush ist bekennender Fundamentalist - auch wenn er es anders nennt). So wirkt die gesamte aktuelle Politik wie eine konsequente Verfolgung des Auftrags "Macht Euch die Erde Untertan".

In meinen Augen ist der christliche Fundamentalismus eine mindestens ebenso große Bedrohung für den Fortschritt und die Sicherheit wie der islamische. Nicht zuletzt, weil das oberste Credo des Fundamentalisten heißt "Nur mein Glaube ist der richtige, alle anderen irren sich und werden in der Hölle brennen". Denn nicht umsonst lautet das erste Gebot "Ich bin dein Gott, Du sollst keine anderen Götter haben neben mir".
Und die Inquisition sollte sowieso wieder eingeführt werden.

Geschichte

Zur Geschichte des Christentums, wie es in der Schule gelehrt wird, kann man zusammenfassend soviel sagen: Die Geschichte schreiben die Sieger. Ich will das Thema nicht versäumen, also hier eine (sehr) kurze Zusammenfassung einer langen Geschichte.

Als nun also Jesus tot war hat eigentlich jeder erwartet, daß sich diese kleine Sekte auflöste. Allerdings war die Botschaft wohl vor allem für die Unterschicht so attraktiv, daß sie einfach nicht ausstarb und von Mund zu Mund weitergegeben wurde.
Damals war es allerdings noch eine jüdische Sekte, die aber viele Elemente des jüdischen Glaubenslebens ablehnte. Im Jahre 90 u.Z., 20 Jahre nach der jüdischenRevolution (66 - 73 u.Z.) mit der die Juden die römische Vorherrschaft abschaffen wollten und zu deren Niederschlagung die Römer den großen Tempel in Jerusalem niederbrannten, organisierte sich die jüdische Gesellschaft neu. Bei dieser Neuordnung wurde unter anderem die Tempelpriesterschaft abgeschafft, durch das Rabbinertum abgelöst und die christliche Sekte exkommuniziert.
Daraufhin war das Christentum frei und konnte sich als eigenständige Religion etablieren, sie brauchten sich nicht mehr um den jüdischen Teil ihres Glaubens zu kümmern. Zwar blieb das Tanach weiterhin wichtig, aber die Geschichten um Jesus waren klar der Mittelpunkt.
Im Laufe der Jahre kamen dann zwei unterschiedliche Meinungen auf. Die eine besagte, daß die Christen weiterhin Juden wären und nur Juden auch Christen werden könnten. Dementsprechend wurden Nichtjuden zunächst zu Juden und dann zu Christen.
Die andere Meinung besagt, daß Christen von nun an von den Juden unabhängig wären und eine eigene (natürlich viel bessere) Religion sei. Ein begeisterter Anhänger dieser Idee war Paulus, der das Christentum so nach Griechenland brachte.
Hier wurde es mit neoplatonistischem Gedankengut vermengt und war so endlich bereit, auch von den gebildeteren Gesellschaftsschichten akzeptiert zu werden.

Und von da an begann langsam die Eroberung Europas.
Als das Christentum nun nach Rom einsickerte wurde es dort zunächst gleichberechtigt als eine Religion neben vielen anderen angesehen. Zwar wurden die Anhänger etwas kritisch beäugt aber im großen und ganzen wurden sie in Ruhe gelassen. Erst als Nero sie für das große Feuer von 64 u.Z. verantwortlich machte (also noch vor der Exkommunikation aus dem Judentum) wurden sie verfolgt und häufig getötet.
Bizarrerweise waren einige Christen anscheinend von der Idee angetan, den Märthyrertod zu sterben, schließlich sichere das doch den Platz im Paradies.

Als diese Verfolgung durchgestanden war gab es einiges hin und her zwischen dem Verbot (wobei Verbot mehr eine nicht-Unterstützung meinte) der Christen und Unterstützung. Es gab christliche Armeen und heidnische, Sympatisanten für die christliche Religion, Christen im Senat, es war alles in allem sehr verworren und durcheinander. Aber es gab noch keinen christlichen Kaiser und keine christliche Staatsreligion. Das sollte noch dauern bis Konstantin 312 die Macht ergriff. Entgegen häufiger Behauptung erklärte er aber keineswegs das Christentum zur Staatsreligion sondern er erklärte nur die Religionsfreiheit und schaffte damit de facto die Staatsreligion ab. Er selber war auch kein Christ sondern ließ sich erst an seinem Totenbett am Pfingstsonntag im Jahre 337 von einem arianischen Bischof taufen.
Konstantin hatte auch nie die Heiden verboten oder gar verfolgt. Zu damaliger Zeit hatte sich die Kirche bereits einen beträchtlichen hierarchischen Organisationsgrad auf Basis römischer Staatsorganisation erarbeitet mit dem Bischof von Rom an der Spitze. Das war ein großer Vorteil gegenüber dem zersplitterten und dezentral organisierten Heiden. Aus dem Grund hatte Konstantin sich auf das christliche Organisationstalent verlassen, wenn es um die Sicherung seines Reiches ging, was dem christlichen Glauben beträchtlichen Vorschub gab.
Als er dann schließlich starb übernahmen seine Söhne die Macht und verfolgten von nun an die Heiden, verboten heidnische Opfer und heidnisches Gedankengut.

Münze mit dem Bildnis Magnentius'. Quelle: Wikipedia

Im Jahre 349 gab es dagegen einen heidnischen Aufstand unter Führung eines gewissen Magnentius, der den gesamten Westen Roms einnahm. Die Bevölkerung begrüßte die Möglichkeit, ihren alten Glauben wieder auszuleben. Magnentius wurde allerdings 351 vom Christen Constatius geschlagen, der das Heidentum wieder verbot. Einer seiner Nachfolger, sein Cousin Julian führte allerdings erneut eine heidnische Wiedereinsetzung an.
So gab es einiges hin und her um die römische Staatsreligion (die ja eigentlich keine war) und keineswegs die so oft beschriebene freudige und friedliche Übernahme der neuen Religion. Bis sich irgendwann endgültig das Christentum durchgesetzt hatte. Nicht zuletzt wegen des aggressiven Vorgehens und der unnachsichtigen Verfolgung Andersgläubiger. Schließlich wird genau das ja in der Bibel gefordert. Die Heiden wollten überleben, die Christen wollten alles christlich machen.

Aber dennoch gab es auch keinen Siegeszug des Christentum in Europa sondern einen langen hartnäckigen Kampf um die Vorherrschaft. Immerhin wurde erst im zwölften Jahrhundert Island offiziell christlich und die Völker im heutigen Estland und einiger Nachbarstaaten wurden nie christianisiert, trotz einiger Versuche.

Aber was heißt Christianisierung schon, schließlich hat sich das Christentum selber sehr stark gewandelt und das heutige Christentum hat nichts mehr mit den Ursprüngen zu tun. Es wurden viele Gedanken aus dem Heidentum übernommen, teils aus strategischen Gründen, weil jemand viel leichter zu bekehren ist, wenn er seine Feiertage zum Beispiel nicht andern muß oder weil man die Riten weiter durchführen kann. Häufig wurde auch das Christentum nur oberflächlich angenommen, im Volke allerdings heidnische Feste weiter gefeiert und heidnische Götter angebetet.
Oftmals wird ein Schriftstück gefunden, auf dem ein Bischof klagt, wie sein Volk weiterhin den heidnischen Göttern opfert. 
So gab und gibt es zum Beispiel in vielen norwegischen Kirchen die Statue des christlichen Axt-tragenden Königs Olaf "dem Heiligen", der1030 getötet wurde. Diese Statue wurde von vielen Heiden als Bildnis Thors angebetet. Solche Beispiele gab es viele, oft wurde einfach der örtliche Gott zum Heiligen erklärt und so kam es zu bizarren Kombinationen wie den heiligen Thor der heiligen Quelle in Thorsas in Schweden.

Zur Geschichte des Christentums will ich jetzt so viel nicht mehr schreiben, denn damit kann man Bücher füllen und hat es auch getan.
Wenn Dich das Thema interessiert, dann schaue Dir mal die Literaturtipps unten an.

Literatur zum Thema

Heidnisches Europa: Geschichte, Kult & Wiederbelebung.

Nigel Pennick
3935581238

Das Buch handelt eigentlich vom heidnischen Europa, ein gehöriger Teil behandelt aber auch die Christianisierung. Allerdings ist das Buch im Aufbau etwas unübersichtlich.

Der gefälschte Glaube: Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe

Karlheinz Deschner
3896602284

Ein hervorragendes Buch aus kirchenkritischer Feder.