Die Inquisition

Letzte Änderung: 15.06.2018

Was kommt dabei raus, wenn große Verantwortung auf fehlende Moral trifft?
Möglicherweise denkst Du, das nicht zu wissen. Aber die Menschheit hat dieses Experiment bereits gemacht, nämlich im Mittelalter.
Manch einer mag das Mittelalter romantisieren, warum auch nicht? Glücklicherweise sind Missgunst, Gier und Raffsucht heute im Rahmen oder wird zumindest verfolgt, wenn sie an die Öffentlichkeit kommt. Nicht, dass wir in besonders moralischen Zeiten leben. Aber immerhin leben wir in einer Demokratie und sind nicht mehr so arg der Willkür ausgeliefert. Das war vor knapp 1000 Jahren noch anders.
Allerorten wurde gestöhnt unter dem Joch, in das vor allem die Geistlichkeit das Volk sperrte.
Diese Problematik scheint auch ein wichtiger Grund für die Entstehung der Inquisition zu sein, mancher geht gar so weit zu sagen, die Inquisition sei ein logischer Schritt in der Entwicklung der Gewissenlosigkeit.
Aus diesem Grunde will ich meinen Aufsatz zum Thema Inquisition mit einer Abhandlung über die allgemeinen Zustände um die erste Jahrtausendwende beginnen.

Inquisition heute

Um die Inquisition heute verstehen zu können, muss man nochmal zurück in deren dunkle Geschichte gehen.

Am 21.Juli 1542 gründete Papst Paul III. mit der Bulle "Licet ab initio" die "heilige Kongregation der römischen und katholischen Inquisition, ihr heiliges Gericht". Später nur noch "oberste Kongregation" genannt.
Diese Institution war die langlebigste von allen, denn sie wirkt bis heute unter anderem Namen.
Sie wurde gegründet, als sich der päpstliche Stuhl mit der Situation konfrontiert sah, dass nicht mehr nur einfache oder einzelne Leute gegen die Kirchengesetze und Glaubensregeln zu verstoßen schienen, sondern mittlerweile ganze Reiche sich gegen den römischen Papst wendeten. So wirkten in Europa Reformer wie Luther und England wendete sich im jahre 1534 ganz von der römischen "Mutter" ab. Darauf musste die Kirche reagieren und das tat sie. Der Spanier Ignatius von Loyola bot dem päpstlichen Stuhl seine "Compania de jesús", die Jesuiten, an und dieser nahm sie freudig an. Es handelte sich dabei um die  schlagfertigste Truppe des Vatikans gegen jene Irrläufer, die sich gegen die Kirche auflehnte. Die Jesuiten wollten die Häretiker mit ihren eigenen Waffen schlagen.

Wenn die Reformer eine Revolution anzettelten, gab es durch Loyolas Truppe eine Gegenreformation. Wollten die Häretiker die Wissenschaft dem Glauben entgegenstellen, so ließ man seine eigenen Leute die Spitzenpositionen der Universitäten erringen, um mit ihren Mitteln die Gegner zu schlagen. Wissenschaft als Magd des Glaubens.
Wenn die Volksschichten mehr Bildung forderten, so gründeten die Jesuiten Schulen und Universitäten, welche der Kirche dienten. Die Bevölkerung verlangte nach Büchern. Sie bekam sie, aber das waren Bücher, in denen die Häresie und der ganze Aufruhr gebrandmarkt wurden.

Aber das allein genügte nicht, eine weitere Inquisition mit erweiterten Rechten und Möglichkeiten wurde benötigt. Diese wirkte zusätzlich zur schon bestehenden Inquisition als letzte Instanz und meist auch als erste.
Sie erhielt das Recht, über Theologen und einfache Leute zu richten, die Beschlüsse zu strittigen Glaubensfragen waren für die restliche katholische Welt bindend und sie erhielt die oberste Zensur der gesamten Druckerzeugnisse der christlichen Welt.
Damit wurde der Index der verbotenen Bücher geboren, auf dem auch die Werke von Giordano Bruno, Galileo Galilei und vielen anderen großen Denkern, Wissenschaftlern und Philosophen landeten. Und auf der viele Urteile gründeten, sei es, dass man das Buch selber verfasst hatte, den Verfasser unterstützt oder das Buch gedruckt hatte. Dieser Index wurde bis ins 20te Jahrhundert gepflegt. Erst am 14.Juni 1966 wurde der Index offiziell abgeschafft.

Am 7.Dezember 1965 wurde das päpstliche Dekret "Integrae Servendae" veröffentlicht, welches die Inquisition in den Augen der Menschen entschärfen sollte.

Die Institution der Inquisition wurde fortan als "Oberste Kongregation des heiligen Offiziums" genannt. Es gab intern auch einige Änderungen, die aber in der Praxis keine Wirkung hatten. Glücklicherweise wurden schon seit langem keine Menschen mehr gefoltert und getötet, aber die Kirche behielt es sich vor, weiterhin ihnen unangenehme Schriften zu verurteilen und zu zensieren. Erst später wurde die Zensur und damit der Index abgeschafft. Allerdings gab es keine Vernichtungen mehr sondern den Autoren wurde nahegelegt, das Werk zu ändern. Die Gläubigen wurden aufgerufen, ein verurteiltes Werk nicht zu lesen. Das interessierte allerdings kaum jemanden mehr, die Krallen der Inquisition sind stumpf geworden - glücklicherweise.

Heute stellt es sich so dar, dass die Kongregation tatsächlich nur noch innerhalb der Kirche eine gewisse Macht hat. Sie kann immer noch ihren Bediensteten, Priestern, Bischöfen und Kardinälen das Leben schwermachen, sie versetzen, oder anderweitig peinigen. Ausserhalb der Kirche allerdings ist die Inquisition praktisch abgeschafft.

Einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt allerdings die Tatsache, dass es diese Institution überhaupt noch gibt.

Kleines Detail am Rande: Bis 2005 war der Vorsitzende dieser Organisation niemand anderes als Kardinal Ratzinger, heute besser bekannt als Papst Benedikt XVI. Was übrigens nichts besonderes ist, denn es war/ist durchaus üblich, den Generalinquisitor zum Papst zu wählen.
Aktuell ist William Joseph Kardinal Levada der Vorsitzende. Wer weiß, vielleicht ist der nächste Papst Kalifornier.

Literatur zum Thema

Ketzer - Hexen - Inquisitoren

Josif R. Grigulevic
3894845007

Die beleidigte Kirche

Karlheinz Deschner
3922774059

Geschichte der Inquisition im Mittelalter (3 Bände)

H.C. Lea
3828903754

Kriminalgeschichte des Christentums

Karlheinz Deschner