Es begann

Letzte Änderung: 16.06.2018

Der Anfang

Die Inquisition hatte keine Gründung im eigentlichen Sinne. Sie entwickelte sich langsam dadurch, daß den Bettelorden immer mehr Macht und mehr Pflichten zuerkannt wurde und sie zum eigentlichen Arm des Papstes wurden.
Ihr Hauptanliegen war die Ausrottung des Ketzertums und da die ansässigen Kleriker dieses Ansinnen nur als Lippenbekenntnisse verfolgten hatten die Bettelorden bald die volle Verfügungsgewalt.
Die Aufgabe der Ketzerbekämpfung war aber keine flächendeckende Sache sondern wurde nur dort mit Macht vorangetrieben, wo sich gerade Brüder der Orden befanden. Und die hatten auch keine Richtlinien sondern nur einen äußerst komplizierten Apparat der Zeugenaussagen, Denunziationen, Gegenaussagen, Anrufungen des Papstes, und vielem mehr. Durch diesen aufgeblasenen Apparat war es einem gut betuchten Verdächtigten ohne weiteres möglich, ein Verfahren auf mehrere Jahre oder Jahrzehnte auszudehnen. Nicht selten über seine eigene Lebensdauer hinaus. Auf der anderen Seite gab es grausame Gottesurteile, die schnell eine Entscheidung herbeiführten aber deren Ergebnisse denkbar zufällig waren.
Diese Rechtsunsicherheit wurde im Laufe der Jahre immer größer und man erhielt von verschiedenen Ratgebern verschiedene Antworten auf dieselben Fragen: Wie soll ich Recht sprechen und welche Strafe ist gerechtfertigt?
Eine Entwicklung einer Richtschnur war notwendig, was letztlich zum "Malleus Maleficarum", dem Hexenhammer führte. Dieser kam aber erst 1487 und bis dahin herrschte große Unsicherheit über Verfahren und Strafen. Auch der Hexenhammer war kein Gesetzestext in heutigem Verständnis, wurde aber gerne als Richtschnur hergenommen. So gesehen kann man einen Beginn der Inquisition kaum nennen, denn der kontinuierliche Prozess begann bereits früh im ersten Jahrtausend, als es erste Aktionen gegen das Ketzertum gab und endete bis heute nicht. Urteile über Ketzer und Häretiker gab es auch schon früher, auch Todesurteile (siehe Fallbeispiele). Allerdings kam die organisierte Verfolgung Andersdenkender erst im Laufe der Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte so richtig in Schwung.
Als Beginn wird gerne das Ende der Albigenserkreuzzüge genannt, an anderer Stelle die Übertragung der Aufgaben an die Dominikaner. Es scheint eine Frage der persönlichen Präferenzen zu sein, was man nennt. Ich sage gerne "Anfang des 13. Jhdts".
Im Laufe der Jahrhunderte wechselten sich Form, Methode und Opfer - der Zweck aber blieb immer der Gleiche: Stärkung von Papst und Krone, Einschüchterung des Volkes, Verhindern und Vernichten von neuen Ideen. Möglicherweise waren viele Inquisitoren anfangs von der guten Sache überzeugt und wollten ihr Amt tatsächlich zum Wohle des Volkes ausüben. Es gibt sogar glaubwürdig bezeugte Berichte, vor allem aus der Anfangszeit des Tribunals, daß in vielen Fällen das Volk selber einen härteren Umgang forderte. Manchmal wurde ein Verdächtiger wegen des lange dauernden Prozesses vom wütenden Volk aus dem Gefängnis entführt und im Lynchgericht verbrannt.
Es sind tatsächlich Fälle von außergewöhnlicher Milde seitens der Inquisitoren bekannt. Aber diese wurden immer seltener und ein Narr ist wer denkt, daß solche Idealisten lange ihre Überzeugungen behielten, oftmals wurden sie gar von ihren eigenen Kollegen angeschwärzt, weil sie durch ihren milden Umgang mit den Hexen und anderen Opfern selber den Verdacht auf sich zogen.