Verhör

Letzte Änderung: 16.06.2018

Die Untersuchung

Wenn die Verdächtigten erstmal angeklagt waren begann der Inquisitor auf Basis der Unterlagen, Zeugen vorzuladen welche die Anklage bestätigen konnten. Andere Zeugen wurden nach der Tätigkeit und den Aussagen des Opfers ausgefragt. Es wurden relativ große Anstrengungen unternommen, um viele Beweise zu sammeln. Das gesammelte Material wurde den Qualifikatoren übergeben, daß diese entscheiden mögen, ob der Verdächtigte der Häresie zu beschuldigen sei.
Fast immer war die Antwort positiv und so wurde der Verdächtigte dann verhaftet und in ein geheimes Gefängnis der Inquisition gesperrt.
Dort wurde er in absoluter Isolation von der Außenwelt gehalten, in der Regel in einer feuchten und finsteren Kasematte, häufig an Fesseln geschmiedet oder wie ein Hund angebunden.

Sein Tod brachte die Untersuchung ebenso wenig zum Stillstand wie wenn er den Verstand verlor. Der Zweck der Untersuchung war weniger, die Richtigkeit der Anzeige zu überprüfen als vielmehr, das Geständnis des Angeklagten zu erzwingen, ihn bereuen und sich wieder mit der Kirche versöhnen zu lassen.

Da der Teufel in den Augen der Inquisitoren jeden Gläubigen vom Weg abbringen wollte, wurde jeder Beschuldigte von vorn herein als schuldig angesehen. Nun war die Kirche gezwungen, diese Schuld auch zu beweisen. Auch diese "Beweise" meist in Form von Zeugenaussagen waren weniger zur objektiven Wahrheitsfindung als vielmehr, um den Beschuldigten von seiner Schuld zu überzeugen, seinen Widerstand zu brechen, daß er sich voll und ganz der Gnade seiner Peiniger unterwarf.
Die Namen der Denunzianten wurden dabei stets geheim gehalten. Mussten diese doch sonst ständig mit der Rache der Angehörigen des Opfers rechnen.
Der einzige Grund für die Ablehnung eines Zeugen bestand in einer persönlichen Feindschaft. Dazu wurde dem Angeklagten vorgeschlagen, eine Liste mit Personen aufzustellen, die gegen ihn aus persönlichem Groll aussagen konnten. Wenn auf dieser Liste der Denunziant oder einer der Zeugen stand, dann verloren seine Aussagen ihre Kraft.

Aber die Inquisitoren teilten ihren Opfern nicht mit, welche Angaben als nichtig erklärt wurden. In der Regel wurde weiterhin auf den Beschuldigungen bestanden, auch wenn sie sich eindeutig als Lüge herausgestellt hatten. Zudem wurde dieses Recht mit der Zeit mit so vielen Hindernissen ausgestattet, daß der Beschuldigte davon praktisch keinen Gebrauch mehr machen konnte.
Er mußte nämlich nachweisen,daß der Denunziant (den er ja nicht kannte) tatsächlich in einer Totfeindschaft zu ihm stand. Aber darüber entschieden die Inquisitoren, die darüber hinaus alle Versuche seitens des Angeklagten, sich zu  verteidigen, als heimtückische Ausrede oder schlaue Tricks ausgelegt haben zu dem Zwecke, die Untersuchung in die Irre zu leiten und die "Wahrheit" zu verdecken. Gerne wurde dem Angeklagten auch vorgeworfen, er höre auf die Eingebungen des Teufels, um ihm zu zeigen, daß er sich gar nicht zu verteidigen versuchen müsse.

Alle Zeugen waren Zeugen der Anklage, da der Angeklagte schon deshalb keine Zeugen zu seiner Verteidigung aufrufen konnte, weil sich diese dann ihrerseits dem Verdacht der Ketzerei aussetzten.
Die Zeugen befanden sich ganz und gar in den Händen der Inquisition. Sie mußten einen Eid darauf ableisten, die Beziehungen zur Inquisition streng geheim zu halten. Wenn ein Zeuge seine Aussagen änderte wurden diese wie zurückgezogene Anzeigen behandelt - sie wurden nicht beachtet.
Wenn der Zeuge den Interessen der Inquisition zuwider handelte konnte er selbst der Häresie beschuldt werden. Er konnte nirgendwo Hilfe oder Schutz suchen, die Inquisition konnte ihn sogar unter dem Vorwand, er habe die Untersuchung absichtlich in die Irre geführt oder er habe das Schweigegelübte gebrochen, selber der Folter unterziehen, um "wahrhaftige", d.h. ihnen genehme Aussagen zu erzwingen. Den widerspenstigen Zeugen konnten sie ohne weiteres des falschen Zeugnisses beschuldigen, ihn ins Gefängnis werfen, zu lebenslänglicher Haft verurteilen oder zum Tragen von diskriminierenden Abzeichen auf seiner Kleidung zwingen, die wie lange rote Zungen aussahen und auf die Brust sowie auf den Rücken genäht wurden.

Es gab keine einschränkenden Fristen für die Untersuchung. Die Inquisitoren konnten den Beschuldigten bis zur Urteilsverkündigung ein, zwei oder auch zehn Jahre, ja sein ganzes Leben lang im Gefängnis halten. Das wurde noch dadurch erleichtert, daß der Inhaftierte seinen Unterhalt im Gefängnis selber bezahlen mußte. Es versteht sich, daß sich das Schicksal der Angeklagten relativ schnell entschied, wenn sie für die Inquisition nicht von Interesse waren oder ihr Vermögen eine längere Haft nicht erlaubte. Und es ist nicht wahr, wenn die heutigen Verteidiger der Inquisition behaupten, so etwas wäre damals gängige Praxis gewesen.
In weltlichen Gefängnissen waren normalerweise die Gefängnishalter (meist die Stadt) für den Unterhalt des Gefangenen zuständig.

Das Verhör

Das Hauptziel des Verhöres war es, ein Geständnis vom Beschuldigten zu erzwingen. Der Inquisitor bereitete sich meist sehr sorgfältig darauf vor. Er machte sich mit dem Lebenslauf des Beschuldigten vertraut und suchte darin Stellen, mit denen er sein Opfer in die Hand bekommen könne.
Es ist jedoch falsch zu glauben, die Inquisitoren sahen ihre Hauptaufgabe darin, die Ketzer auf den Scheiterhaufen zu bringen. In erster Linie wollten sie die Ketzer zur Reue führen und zur Versöhnung mit der Kirche. Dazu selbstverständlich ihr Vermögen sich aneignen und oftmals politische Ziele erreichen. Damit eine solche Reue aber auch als ehrlich galt und nicht als Trick mußte der Angeklagte auch die Namen seiner Gesinnungsgenossen, Freunde und Anhänger preisgeben.

Das Verhör begann für gewöhnlich mit dem Eid, sich der Kirche zu unterwerfen und der Wahrheit gemäß auf die Fragen des Inquisitors zu antworten, alles was er wüßte preis zu geben und jede ihm auferlegte Strafe auf sich zu nehmen. Nach einem solchen Eid konnte jede Antwort, die dem Inquisitor nicht gefiel zum Anlaß genommen werden, das Opfer der falschen Aussage, der Abtrünnigkeit und der Häresie zu beschuldigen und ihm mit dem Scheiterhaufen zu drohen.
Beim Verhör vermied der Inquisitor, konkrete Beschuldigungen hervorzubringen. Denn dann könnte sich der Beschuldigte ja nur allzu schnell die Beschuldigungen zu eigen machen und alles gestehen, nur um schneller von seinem Peiniger loszukommen. Er stellte daher viele verschiedene zusammenhanglose Fragen nur zu dem Zweck, den Beschuldigten zu verwirren, unsicher zu machen, in Widersprüche zu verwickeln und ihm kleine Sünden und Fehler zu entlocken. Es genügte ihm meist, diese kleinen Sünden wie eine Gotteslästerung oder eine Nichtbefolgung eines Kirchengebotes, von dem er möglicherweise gar nichts wußte, zu erfahren. Diese wurden dann aufgebauscht und das Opfer damit gezwungen, auch weit gefährlichere und mit ernsteren Folgen verbundene Sünden zu gestehen.

Aber auch die geschicktesten Verhöre brachten nicht immer den gewünschten Erfolg. Oft wurden in die Gefängniszelle Agenten der Inquisition eingeschleust, die aus dem Angeklagten den einen oder anderen Hinweis entlocken sollten oder der auf ihn einwirken sollte, endlich zu gestehen und zu bereuen. Wenn auch das nicht zum Erfolg führte, benutzte man zu diesem Zweck auch Frauen und Kinder, deren Tränen ihn gefügig machen sollten.
Abwechselnd versuchte man es mit Drohung und Schmeichelei. Man brachte ihn aus seinem übelriechenden und abscheulichen Quartier in ein anderes sauberes, wo er freundlich behandelt wurde und wenig später wieder zurück. Man versuchte, seine Entschlossenheit durch den Wechsel von Hoffnung und Verzweiflung zu brechen.
Ebenso konnten sie den Gefangenen jahrelang ohne Gerichtsurteil im Gefängnis halten und ihm den Eindruck vermitteln, er sei lebendig begraben. Die Inquisitoren konnten warten, sie hatten Zeit.
Von Zeit zu Zeit wurde auch ein falsches Gerichtsurteil vorgetäuscht in der Hoffnung, in seiner Verzweiflung würde der Angeklagte etwas ausplaudern.
In Venedig wurde ein Gefängnis mit beweglichen Wänden gebaut. Diese wurden jeden Tag um einige Zentimeter bewegt und vermittelten dem Unglücklichen das Gefühl, von ihnen zerquetscht zu werden. Oder sie benutzten Zellen, die sich allmählich mit Wasser füllten.

Sie konnten das Opfer überdies auch mit Hunger und Durst quälen und ihn in feuchte übelriechende Zellen sperren wo Ratten und Ungeziefer sein Leben zur Hölle machten. Die Gefängnisse der Inquisition, schreibt H. Ch. Lea waren "im besten Falle Wohnstätten furchtbaren Elendes; falls indessen Grund vorlag, ihre Schrecken noch zu vermehren, machte auch eine Steigerung keine Schwierigkeit. Der "durus carcer et arcta vita" - Ketten und Hungerqual in einem finsteren engen Loche - war ein beliebtes - und kostengünstiges - Mittel, um Geständnisse von widerwilligen Lippen zu pressen."

Die Folter

In den meisten Fällen brachten diese Methoden das gewünschte Resultat - das Geständnis all dessen, was die Inquisitoren gegen den Angeklagten vorgebracht haben - meist noch mehr - nur um von den Peinigern loszukommen. Aber bei jenen, die sich von einer Anklage nicht so beeindrucken ließen und die auf ihren Ansichten beharrten oder weiterhin der Meinung waren, das Tribunal von ihrer Unschuld und ihren lauteren Absichten zu überzeugen, musste zu harten Mitteln gegriffen werden - zu extrem harten.
Und auch wenn die meisten relativ schnell das Geständnis ausspien, so waren es immer noch sehr viele Menschen, die in den Folterkellern zu einem Geständnis gezwungen wurden.

In der Regel war es so: Je schwerer die Anklage, um so schwerer war es für den Inquisitor, ein Geständnis zu erzwingen. Und Bündnis mit dem Teufelzu dem Zwecke, Menschen ins Unglück zu stürzen war wohl so ziemlich das Schwerste, was man einem Menschen zu damaligen Zeiten vorwerfen konnte. Und wenn es um Hexerei und Zauberei ging, dann war schliesslich neben vielen anderen genau das die Hauptanklage. Außer dem Geständnis brauchte der Inquisitor aber auch noch die Namen der Gesinnungsgenossen und der Komplizen.

So war es an der Tagesordnung, daß jene, die der Hexerei angeklagt waren, schneller in die Folterräume gebracht wurden und besonders hart gepeinigt wurden. Man darf dabei nicht davon ausgehen, daß der Inquisitor nicht zunächst versucht hat, die  Gewaltanwendung zu vermeiden, aber dennoch dürfen wir von einer kräftigen Portion Sadismus oder bestenfalls Gleichgültigkeit dem Menschen gegenüber ausgehen, denn besonders gestört hat es sie offenbar auch nicht, wenn der Angeklagte den Folterungen unterzogen wurde. Viele haben diese Methode sicherlich richtiggehend genossen.
Bei der Peinigung wurde davon ausgegangen, daß der körperliche Schmerz den Verstand bedeutend schneller erhellte als die moralischen Appelle. Vielen, wenn nicht gar den meisten, war allerdings durchaus klar, daß viele Geständnisse gegeben wurden, nur um die Pein schnell beenden zu können. Nicht umsonst haben sich viele Inquisitoren gerühmt, daß sie aus jeder beliebigen Person, selbst dem Papst persönlich, mit ihrer Folter das benötigte Geständnis und beliebig viele Namen herauspressen könnten.
Oftmals wird von den heutigen Verteidigern der Inquisition hervorgebracht, die Folter sei damals gängiges Mittel zur "Wahrheits"-findung. Sie vergessen dabei aber, daß im 18Jhdt, als alle fortschrittlichen Menschen Europas die Folter verurteilten, es die Kirche war, die weiterhin für sie eintrat.

Als die Folter von Innozenz IV. gesetzlich verankert war, haben alle Päpste nach ihm die entsprechende Bulle bestätigt.
Die Kirche selber aber durfte nicht foltern, daher wurde diese Aufgabe von den weltlichen Behörden erledigt, ebenso wie die Hinrichtung. Dem Inquisitor aber war es gestattet, bei der Folter anwesend zu sein und den Angeklagten "peinlich zu verhören".
Wenn die Anwendung von Folter in vielen Prozessakten auch fehlte, so ist dies kein Hinweis darauf, dass die Folter nur in Ausnahmefällen angewendet wurde. In der Tat war es so, daß eine Aussage unter Folter dann ihre Gültigkeit verlor, wenn der Gepeinigte nicht am nächsten Tag seine Aussage wiederholte. Erst dann nämlich wurde seine Aussage zu Protokoll gegeben mit dem Zusatz, die Aussage sei freiwillig und ohne Gewaltandrohung erfolgt. Häufig wurden Aussagen, die unter Foltereinwirkung gemacht wurden, nach der Wiederholung einfach vernichtet.
Die Folterungen riefen überall Entsetzen und Abscheu hervor. Daher sah sich der päpstliche Stuhl gezwungen, dieser Empörung Rechnung zu tragen. Allerdings wurden die Foltern keineswegs eingestellt oder auch nur eingeschränkt, die römischen Päpste verlangten von nun an nur Folterungen mit der "Garantie für Gerechtigkeit". Folterungen wurden aber von jeher als gerecht angesehen und daher ist die Wirkung einer solchen Forderung eher fraglich.
Andere Bestimmungen besagten, daß die Folter nur einmal an einem Opfer begangen werden dürfe, "maßvoll" sein solle und der Genehmigung des örtlichen Bischofs bedürfe.

Nun,eine Folter wurde von da an also nicht beendet sondern nur unterbrochen, was "maßvoll" bedeutete, bestimmten die Inquisitoren selbst und die Bischöfe gaben nur allzu gerne ihr Einverständnis für Folterungen. Verfolgten doch die Inquisitoren die gleichen Ziele und nicht zuletzt auch aus Angst vor dem Tribunal.
Außerdem bezogen sich die Bestimmungen nur auf den Angeklagten und nicht auf die Zeugen und so wurden diese fleißig weiter gefoltert. Eine beliebte Auslegung war dabei, daß der Angeklagte selber auch ein Zeuge war gegen die Personen, deren Namen er verraten sollte und daher nach Belieben weitergefoltert werden dürfe.
Besonders unbeliebt bei den Inquisitoren waren jene Gefangene, die später ihre Aussagen widerriefen oder sich weigerten, ihre Aussagen "freiwillig" zu wiederholen. Bei jenen wurde die Folter dann "fortgesetzt", da sie offensichtlich nicht "genügend" gefoltert worden seien.

Jene, die sich mit der Kirche "wiederversöhnten", also ihre "Sünden" gestanden, bereuten und von jeder Häresie oder was auch immer ihnen vorgeworfen wurde, absagten, wurden zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ebenso wie die Mitarbeiter. Wenn ein ehemaliger Angeklagter gegen diesen Eid verstieß, so wurde ihm eindringlich klar gemacht, so wurde er zum rückfälligen Ketzer erklärt, exkommuniziert und lebendig verbrannt.

Die Folter war ein wohldurchdachtes Schauspiel

Zunächst wurden dem Angeklagten zwecks Einschüchterung die Werkzeuge gezeigt und man bereitete ihn psychologisch auf die bevorstehende Folter vor.
Das Instrumentarium eines Folterkellers war zu Beginn der Inquisition meist beschränkt und ziemlich eintönig: die Folterbank, das "Pferd" und die Geißel sowie diverses Gerät wie Klingen, Zangen, Schürhaken und dergleichen mehr.

Andere Folterwerkzeuge, diverse Quetschen oder spezielle Stühle und Bänke, gab es anfangs nur in relativ wenigen Folterkellern, was sich aber im Laufe der Zeit schnell änderte.
Komplizierte Foltergeräte wie die berüchtigte eiserne Jungfrau oder dergleichen gab es nur in reichen Städten, die sich das leisten konnten.

Das erleichterte allerdings das Los der Gefangenen keineswegs.
Die Opfer, welche schnell ihre Schuld zugaben, konnten mit relativ milden Strafen rechnen. Aber jene, die erst lange bearbeitet werden mussten, um ihre Sünden zu gestehen, Gesinnungsgenossen preiszugeben und sich mit der Kirche wieder zu "versöhnen", hatten ein harte Strafe vor sich. Jene, die gar überhaupt nicht dazu zu bewegen waren wurden lebend verbrannt.
Das heißt freilich nicht, dass die anderen nicht lebend verbrannt wurden sondern nur, dass die "hartnäckigen Ketzer" auf jeden Fall lebend verbrannt wurden, die anderen nur vielleicht.