Japan

Letzte Änderung: 11.07.2018

Die japanische Mythologie ist hoch politisch und nationalistisch gefärbt, da sie sehr eng mit dem Kaiserhof und der ehemaligen Staatsreligion Shintôismus verknüpft ist. Bis 1945 galten Zweifel an der Mythologie als Hochverrat und wurden dementsprechend bestraft, in den Schulen wurde sie als wissenschaftlich fundierte Geschichte gelehrt. Die Mythologie der Entstehung Japans fällt mit dem Beginn des Shintô zusammen, die Mythologie der Reichsgründung wird heute in der Yamato - Zeit (ca. 300-700 n. Chr.) angesiedelt. Ein Teil der japanischen Mythen ist schriftlich niedergelegt im "Kojiki" (Chronik alter Begebenheiten) von 712 n. Chr. sowie im "Nihon Shoki" (Chronik von Japan) von 720 n. Chr.
Seit dem 7. Jahrhundert gilt in Japan der Kaiser als Gott, vor allem die mythische Geschichtsschreibung im Kojiki zielte darauf ab, die göttliche Herkunft der Tennô-Sippe (Tennô ist der japanischer Ausdruck für den Kaiser) nachzuweisen und so deren Herrschaft zu legitimieren.
Es gibt keine einheitlichen Überlieferungen der japanischen Mythen, da sie (auch aufgrund ihrer politischen Funktion) oft "berichtigt" und/oder ergänzt wurden. In den Mythen werden vorwiegend religiöse Motive verarbeitet, unter anderem zu den Themen Geburt, Leben, Tod. Kennzeichnend für die japanische Mythologie ist eine Ausrichtung auf friedliche Kompromisse als Lösung für Differenzen, eine Tatsache, die sich mit dem Streben der Japaner nach einer ungestörten Harmonie in Verbindung bringen lässt.

Die Takamagahara-Mythen (Schöpfungsmythos)

Sie behandeln das Leben und das Wirken der Götter Izanami, Izanagi, Amaterasu ("Sonnengöttin") und Susanô ("Sturmgott"). Ihr Inhalt läßt sich wie folgt zusammenfassen:
Zu den ersten Göttern auf der gerade erst (ohne Schöpfer) entstandenen Erde gehören Izanami und Izanagi, diese beiden bringen die japanischen Inseln und die ersten Menschen hervor. Izanami stirbt und muss in die Unterwelt, Izanagi trennt daraufhin Ober- und Unterwelt durch einen Felsblock. Izanami verflucht die Menschen, und diese werden sterblich. Bei einem Reinigungsritual (Verbindung zum Shintôismus) gebiert Izanagi die Götter Amaterasu und Susanô (und einige weitere). Die beiden letzteren werden nun Träger der Handlung. Susanô zeichnet sich durch extrem schlechtes Verhalten aus, wirkt zerstörerisch und verärgert schließlich seine Schwester Amaterasu so sehr, dass diese sich in eine Höhle zurückzieht und damit droht, diese nie wieder zu verlassen. Auf der Welt wird es dadurch vollkommen dunkel. Die anderen Götter bemühen sich, Amaterasu herauszulocken, es gelingt schließlich mit Hilfe eines Spiegels und einiger glitzernder Juwelen. Susanô wird aus dem Himmel auf die Erde verbannt. Damit enden die Takamagahara - Mythen.
Der Spiegel und die Juwelen, mit denen Amaterasu aus der Höhle gelockt wurde, gehören zu den großen Insignien kaiserlicher Macht in Japan.

Die Izumo-Mythen

Der erste Teil der Izumo - Mythen erzählt vom Leben des Susanô auf der Erde, man erfährt, wie er einen achtköpfigen Drachen durch eine List tötet und im Leib dieses Drachen das "kusanagi no tsurugi", ein juwelenbesetztes Schwert, findet. Susanô schenkt dieses Schwert seiner Schwester Amaterasu zur Versöhnung, heiratet die vor dem Drachen errettete Jungfrau und beendet sein Leben als äußerst ehrbarer Gott. Unter seinen Nachfahren findet man Götter der Flüsse, des Getreides, der Bäume, des Donners und den Gott "Okuni-nushi", von dessen Leben der zweite Teil der Izumo - Mythen berichtet. Okuni-nushi , verheiratet mit Suseribime, einer Tochter Amaterasus, wird von Susanô zum "Okuni-nushi-no-mikoto" (Herr der großen Erde) ernannt und herrscht daraufhin lange Zeit über Japan.
Die Izumo - Mythen spiegeln die Ackerbaukultur Japans und die Verehrung der Erdgottheiten sehr deutlich wider.