Magie

Letzte Änderung: 13.07.2018

Funktioniert Magie?

Diese Frage kann ich nur mit einem klaren und deutlichen "Jein" beantworten.
Die eigentliche Frage ist nämlich: "Was verstehst Du unter Magie"?
Wenn Du darunter verstehst, Blitze aus den Händen zu schleudern und kraft Deines Willens Dinge zu Staub zerfallen zu lassen, vielleicht selber durch die Luft zu schweben und dergleichen, dann muss man sagen, dass es die letzten Jahrzehnte keine überzeugenden Be- oder auch nur Hinweise dafür gegeben hat. Das muss nicht heißen, dass es nicht geht. Aber es gibt keine (mich) überzeugenden Hinweise drauf.
Die Fotos aus dem Anfang des 20sten Jhdts sind mir auch bekannt. Da schweben Menschen durch die Luft, sog. Ektoplasma tritt aus Körperöffnungen und formt sich, Telekineseversuche werden angeblich erfolgreich durchgeführt.

Die letzten mir bekannten Versuche stammen aber aus den 50er Jahren. Das ist schade, denn das Thema ist eigentlich zu spannend, um es fünfzig Jahre nicht zu beachten. Ich muss sagen: Ich weiß nicht, ob die Versuche, die damals angeblich unter kontrollierten Bedingungen durchgeführt wurden, wirklich erfolgreich waren oder nur (teils sehr aufwendige) Taschenspielertricks. Falls jemand da aktuellere Berichte hat, dann bin ich für einen Hinweis dankbar.

Magie aber fasse ich anders auf. Wenn man mit Magie die willentliche oder unbewusste Beeinflussung von Wahrscheinlichkeiten meint, dann kann ich nur mit einem klaren "Ja" antworten: Magie funktioniert. 
Die Erklärung, was Magie ist und wie sie funktioniert wandelt sich ständig. Sie ist ebenso dem Zeitgeist wie persönlicher Erfahrung unterworfen. Ich vergleiche die Magie gern mit Quantenphysik.

An dieser Stelle stecke ich regelmäßig Schelte ein, weil ich Wissenschaft und persönliche Erfahrung auf eigentlich unzulässige Weise verknüpfe. Aber Du kannst ja mal versuchen, meinen Gedanken zu folgen.
In der Physik des Allerkleinsten ist ein seltsames Verhalten bekannt: Bei vielen Versuchen scheint der Experimentator das Ergebnis durch seinen Willen zu beeinflussen, es treten vermehrt die gewünschten Ergebnisse auf. Es wird viel Aufwand betrieben, um das zu unterbinden, aber das Phänomen ist schon seltsam.

Quantenschaum

Ich will nicht den Fehler begehen und Magie und Spiritalität mit Wissenschaft zu vergleichen. Denn beide haben grundsätzlich andere Herangehensweisen. Aber es gibt dennoch interessante Parallelen.

In der Quantenphysik besteht alles aus Wahrscheinlichkeiten.
Ein Teilchen ist nicht hier und ein anderes dort. Die Heisenberg'sche Unschärfegleichung besagt, dass sich niemals gleichzeitig die exakte Position und die exakte Energie eines Teilchens gleichzeitig erfassen lassen. Und das liegt nicht an der Ungenauigkeit der Geräte, sondern an einem grundlegenden Gesetz:
Sobald man eine Eigenschaft festzustellen versucht, verändert man das Beobachtungsobjekt.
Man kann also nur von Wahrscheinlichkeiten reden. Es ist recht wahrscheinlich, dass sich ein Elektron innerhalb eines bestimmten Umfangs befindet. Theoretisch könnte sich dieses Elektron aber auch ganz woanders befinden, dies ist aber unwahrscheinlich.
Das Elektron eines Atoms in meiner Hand ist sehr sehr wahrscheinlich ebenfalls in meiner Hand. Es könnte sich aber auch auf dem Mond befinden - wenn dies auch ausgesprochen unwahrscheinlich ist - aber eben nicht unmöglich. Man spricht von einer Wahrscheinlichkeitswelle. Ein Teilchen könnte sich mit sinkender Wahrscheinlichkeit irgendwo um den wahrscheinlichsten Aufenthaltsort herum aufhalten. Und diese Wolke hat keine Grenze. Die Wahrscheinlichkeit erreicht nie Null, also theoretisch könnte sich dieses Elektron irgendwo im gesamten Universum aufhalten. Nur ist die Wahrscheinlichkeit so gering, dass es im Alltag keine Auswirkung hat.

Was jetzt nach einem theoretischen Gedankenspiel aus einer Erklärungsnot heraus klingt hat sehr reale Auswirkungen. 
Aus dieser Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Objekt ganz woanders befindet als am wahrscheinlichsten Ort kann sich ein tatsächlicher Positionswechsel manifestieren. Ohne also den Weg zwischen zwei Orten zurückzulegen kann ein Teilchen (oder besser der Mittelpunkt dessen Wahrscheinlichkeitswelle) plötzlich ganz woanders sein. Solch ein spontaner Positionswechsel wird in der Physik Tunneleffekt genannt. Und diese Effekte werden tatsächlich beobachtet. Wie weit man dieses Phänomen nutzen kann? Es wird ständig genutzt: In der Sonne. Eigentlich ist die Sonne nämlich gar nicht heiß genug, um eine Kernfusion anzutreiben. Anders ausgedrückt: Die Wassersoff-Kerne bewegen sich überhaupt nicht schnell genug, um miteinander kollidieren zu können. Nach klassischer Physik müssten sie sich aufgrund der gleichen elektrischen Ladung gegenseitig abstoßen. Die Teilchen haben nicht genügend Bewegungsenergie (Hitze), um diese Abstoßung zu überwinden.
Aber jetzt kommt der Tunneleffekt ins Spiel: Dadurch, dass die Kerne manchmal spontan Ihre Position wechseln, befinden sich zwei Kerne hin und wieder dicht genug beieinander, um miteinander zu verschmelzen. Wohlgemerkt: Der Kern bewegt sich nicht im klassischen Sinne von einem Ort zum anderen, er ist einfach schlagartig da. Dieser Tunneleffekt tritt nur bei einem von vielen Milliarden Kernen auf, aber die schiere Menge an vorhandenen Kernen steigert die Gesamtwahrscheinlichkeit so enorm, dass wir auf der Erde prima von der freigesetzten Energie leben können.

Schön, aber was hat das alles mit Magie zu tun?

Diese Wahrscheinlichkeiten spielen auch in unserem Leben eine Rolle. 
Dass eine bestimmte Situation eintritt hat immer eine gewisse Wahrscheinlichkeit, diese ist (fast) nie Null. Auch wenn die absurdesten Ideen zusammenkommen müssen, um es wahr werden zu lassen. Etwas Zeit (oder sehr viel oder sehr sehr sehr viel) dazu, und es wird passieren. Die Wahrscheinlichkeit ist nie Null. Oft genug ist sie ausreichend dicht an Null, dass sie in der alltäglichen Welt keine Bedeutung hat. Genauso gibt es nichts mit einer Wahrscheinlichkeit von 1. Es kann immer etwas dazwischenkommen.
Es gibt nur Situationen, deren Wahrscheinlichkeit in einem Bereich zwischen 0 und 1 liegen. Und auf die können wir Einfluss nehmen - ganz ähnlich, wie es in der Teilchenphysik aus Versehen geschieht.

Du willst mit Magie etwas Bestimmtes erreichen? Dann überleg Dir, ob diese Richtung schon eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat. Und dann kannst Du durch Magie diese Wahrscheinlichkeit zu Deinen Gunsten beeinflussen.

Das ist Magie: Das "Hinbiegen von Wahrscheinlichkeiten und sogenannten Zu-Fällen durch einen Willensakt". Das ist zwar nicht so spektakulär wie handgemachte Blitze aber ich finde es immer noch aufregend genug.

Was bedeutet das praktisch?

Um die Magie greifbarer zu machen wurden im Laufe der Zeit Formeln erfunden, die ein wenig wissenschaftlich daherkommen, aber den Kern der Sache vielleicht gerade dadurch gut treffen - und außerdem unser momentanes wissenschaftliches Weltbild streicheln. Diese Formeln sollen die Ausführung der Magie verdeutlichen und es erleichtern, ein gewisses Verständnis für die Zusammenhänge zu entwickeln. 
Die erste Formel lautete:
Imagination + Wille = Magie

Die Imagination ist die Vorstellung der Wirkung. Sei es eine Visualisierung, Sigille oder Sympathie. Der Wille ist der feste Wille, die Wirkung zu erreichen.
Alsbald wurde erkannt, dass Magie nur in einer Trance gewirkt werden kann. Also wurde die Formel durch die Trance erweitert, nämlich zu:
Imagination + Trance + Wille = Magie

Ich sehe es noch etwas differenzierter. Weil nämlich der Wille und die Imagination erst in der Trance ihren Bestimmungsort erreichen kann sehe ich die Trance als Faktor an, durch den die beiden anderen Faktoren hindurch gehen müssen. Man könnte die Trance als Multiplikator sehen, der die Imagination und den Willen zur Wirkung bringt. Daraus ergibt sich:
(Imagination + Wille) * Trance = Magie

Das ist ein Modell, an dem ich mich orientieren kann.
Ob Du es auch für Dich übernehmen kannst musst Du selber herausfinden.
Viel Spass bei der Lektüre ;)