Liebe Eltern

Letzte Änderung: 17.07.2018

Beim Thema Junghexen handelt es sich häufig um Menschen in der Pubertät. Und da man normalerweise in dieser Zeit noch bei den Eltern lebt gibt es häufig die Frage "wie erzähle ich meinen Eltern, was ich mache".
Die einen fürchten, ausgelacht zu werden, andere fürchten, dass sie nicht für voll genommen werden. Und wieder andere, weil sie unangenehme Fragen fürchten, die vierten wieder, weil sie selber nicht wissen, was sie da tun.
Wenn Du zu den vierten gehörst, dann solltest Du Dir erstmal selber klar werden.
Wenn Du aber zu den anderen drei Gruppen gehörst oder zu einer Mischung (so wie vermutlich alle ;) ), dann will ich versuchen, Dir mit diesem Text eine Hilfe zu geben.
Ich werde mich mit diesem Text direkt an Deine Eltern wenden, irgendwie scheint es mir das richtige zu sein. Du kannst Dir also die Argumente zu Eigen machen oder Deine Eltern einfach diesen Text lesen lassen. Mir wäre es aber am liebsten, wenn Du verstehst, was ich schreibe und es Deinen Eltern selber näher bringst.

Liebe Eltern,
ich will hier nicht Werbung für den Weg Ihres Kindes machen, ich weiß ja nicht einmal, ob es tatsächlich ein Weg ist oder nur eine Laune. Wie auch, meistens fängt es mit einer Laune an und bei einigen wenigen wird es wirklich zu einem Lebensweg.
Dieser Weg, so wie ich ihn verstehe, ist gewiss kein Weg um, möglichst cool zu sein oder an irgendwelchen obskuren Ritualen teilzunehmen. Es ist ein Weg zur Spiritualität, zur echten geistigen Stärke und zum eigenen Leben. Möglicherweise ist es nicht das, was Sie sich von dem Leben Ihres Sprösslings wünschen aber dennoch könnte es der Weg sein, der Ihr Kind zu mehr Zufriedenheit führt.
Versuchen Sie, in Ihre eigene Vergangenheit zu schauen. Was war Ihnen das Wichtigste? Den meisten ist es Selbstverwirklichung. Wenn Ihr Kind sich offensichtlich für das Hexentum, das Magische oder einfach für andere Religionen interessiert dann bedeutet dies nichts anderes, als dass er/sie versucht, einen Weg zur eigenen Selbstverwirklichung zu finden. Und auch, wenn die ganz anders aussieht als Ihre Vorstellung davon, dann vergessen wir doch eines nicht: Wir reden hier nicht über Sie selbst, sondern über Ihr Kind.
Ich will versuchen, an dieser Stelle auf möglichst viele Einwände einzugehen. Viele davon sind tatsächlich berechtigt, bei einigen rate auch ich aus Erfahrung zur Vorsicht. Bei den meisten aber versuche ich, Aufklärung zu leisten. Bitte vergessen Sie bei alle dem nicht, dass es immer schwarze Schafe gibt und Ihr Kind immer ein waches Auge behalten muss.
Oftmals versucht jemand anderes, Kontrolle zu erlangen. Um so wichtiger ist ein gesundes Selbstbewusstsein Ihres Kindes. Denn nur damit wird er/sie in der Lage sein, ernstzunehmende Angebote von Scharlatanerei zu trennen.
Deshalb kommen jetzt einige Themen, die vielen Eltern Sorge bereiten, dass ihr Kind sich in den Fängen irgendwelcher obskuren Organisationen wiederfindet.

Das Geld

Als ich meiner Mutter vor einigen Jahren (ich war da 29) erzählte, dass ich eine Hexe sei - es kam im Laufe eines Gesprächs - da machte sie sich Sorgen, wie wohl so ziemlich jede Mutter es tut. Da kann man so alt werden, wie man will. Eine ihrer Sorgen war, dass ich mich in den Fängen einer Sekte befände. Das kam daher, dass sie mit dem Begriff "Hexe" einfach nichts anfangen konnte - und kann.

So wie auch meiner Mutter kann ich Ihnen versichern, dass Geld keine Rolle spielt. So etwas wie eine "Kirchensteuer" existiert nicht, es gibt keine Einzahlungen in irgendeine Vereinskasse und es gibt auch keine Beiträge für Aufwendungen irgendwelcher Art.
Ihr Kind muss keine Geräte oder Broschüren kaufen, es muss keine Lehrgänge besuchen und es muss auch keine Abgaben irgendwohin abführen.
Was allerdings sein kann ist, dass die Onlinerechnung ansteigt, denn das Internet ist das Medium für das moderne Hexentum. Alles was die Hexe von heute wissen muss ist irgendwo im Netz versteckt. Das ist allerdings in Zeiten von DSL-Flatrates auch kein Thema mehr. Und es könnten Ausgaben für Bücher und verschiedene Materialien wie Karten oder Räucherei dazukommen. Diese Materialien sind frei erwerblich und müssen nicht bei einem bestimmten Anbieter erworben werden. Hier ist also keine Abhängigkeit vorhanden.

Und was diese Ausgaben angehen, da bitte ich Sie, liebe Eltern, Ihrem Kind zu helfen.
Es ist absolut nicht notwendig, immer das tollste und teuerste zu kaufen, wenn es das Gleiche wesentlich günstiger gibt oder gar umsonst.
Bitte ziehen Sie mit mir an einem Strang und klären Sie ihr Kind darüber auf, dass das Beste meistens kostenlos ist. Vieles von dem, was auf dem Markt ist, versucht sich die momentane Okkultismuswelle zu Nutze zu machen. Daher muss man leider vorsichtig sein. Generell gilt:
Um seinen Glauben zu finden geht man/frau/junge/mädchen am Besten in den Wald und sucht ihn, so wie es die Altvorderen getan haben. Wenn man ein (spirituelles) Werkzeug braucht baut man es sich und wenn man Führung braucht dann lernt man, seine eigene zu sein.

Falls Sie aber Geldabgänge beobachten für eine Art Teilnahmegebühr oder "Aufwandsentschädigung", vielleicht auch 0190er-Nummern, dann bitte ich Sie: Schreiten Sie ein. Denn vermutlich ist Ihr Kind auf irgendeine Scharlatanerei hereingefallen. Es gibt unzählige Telefonservices, die allesamt nichts taugen. Denn meiner Erfahrung und Meinung nach muss man der Person gegenüber sitzen, der man raten will. Und so etwas tut am besten eh ein Freund/eine Freundin. Und die nimmt kein Geld dafür.

Sekte?

Das leidige Thema.
Ich könnte jetzt natürlich einfach sagen: "Hexentum ist keine Sekte". Aber das ist ohne Erklärung nicht das, was ich erreichen will - wenn es auch stimmt ;).

Fangen wir doch mal da an: Wer bestimmt denn, was eine Sekte ist und was nicht: Die Kirche (evangelisch oder katholisch spielt keine nennenswerte Rolle). Das ist ja schön und gut und ein guter Dienst für den Menschen, aber man darf dabei nicht vergessen, dass sie selber mal als Sekten galten und sich gegenseitig bis aufs Blut (besser gesagt bis auf ihrer Anhänger Blut) bekämpft haben. Aber ich will hier nicht über die Kirchen wettern, das können andere besser.

Der Begriff Sekte wurde einst eindeutig definiert.
Es geht dabei grob gesagt um einen Glauben, der sich um eine Person dreht und letztlich der Bereicherung dieser Person dient. Beides trifft auf das Hexentum nicht zu.
Zum einen ist der Glaube etwas sehr Individuelles und dreht sich ganz gewiss nicht um einen anderen Menschen/Guru. Jede Hexe hat ihren eigenen Glauben. Bei vielen überschneidet sich zwar vieles, aber es gibt so etwas wie einen niedergeschriebenen Glaubensgrundsatz nicht. Ich persönlich denke, dass es keinen anderen Glauben gibt, der so weit davon entfernt ist, eine Sekte zu sein. Ausserdem, wie ich oben schon gesagt habe, gibt es kein finanzielles Interesse.

Dennoch ist auch hier - wie immer im Leben - Vorsicht angesagt. Ich weiß zwar von keiner, kann mir aber durchaus vorstellen, dass sich eine Sekte den Wicca-Trend auf die Fahnen schreibt. Hier ist Feingefühl angesagt - und Vertrauen in das Urteilsvermögen Ihres Kindes.

Satanismus

Die wohl häufigsten Verwechslungen sind die mit Satanisten.
Der Hexenglauben im Allgemeinen basiert entweder im polytheistischen Glauben oder im Glauben an ein Götterpaar, die Göttin und den gehörnten Gott. Der Gehörnte ist dabei keine Anspielung auf den Teufel sondern stellt die Natur in Form eines stilisierten Tieres dar.
Tatsächlich ist es so, dass sich das Christentum den jeweils örtlichen Naturgott genommen hat (z.B. den keltischen Cernunnos oder den griechischen Pan), um durch sein Bild den gesamten heidnischen Glauben zu verunglimpfen, indem man ihn als Teufel darstellt. Damit hatten sie leider Erfolg.
Im heidnischen Glauben - der ja meist Basis des Glaubens einer Hexe ist - existiert so etwas wie ein Satan nicht, weil die Götter immer beide Seiten in sich vereinen. Oder wie eine gute Freundin einst schrieb:
"Die Göttin ist die jungfräuliche Jägerin, sie ist die heißblütige Geliebte, sie ist die Sau, die ihre Jungen frisst, sie ist das Leben und der Tod, voller Liebe, grausam und gewaltig".
Eine Idee wie das absolute Gute (Gott) und das absolute Böse (Satan) ist dem heidnischen Glauben fremd. Daher macht eine Anbetung Satans schlicht keinen Sinn.
Sollte es etwas wie Satan geben, dann wird ihm eher noch durch die Angst der Teufelsfürchtigen Kraft gegeben. Eine Hexe hat keine Angst vor einem "Fürst der Finsternis" (weil es den einfach nicht gibt), behandelt aber alle Energien und Wesen aus der Anderswelt mit Respekt und voller Selbstsicherheit.

"Böse" Symbole

Häufig kommt es vor, dass sich Hexen mit sogenannten satanistischen Symbolen schmücken. Meistens liegt die Interpretation als böse in einem Missverständnis, genauso häufig auch in der puren Lust am Provozieren.
Daher will ich hier mal den Ursprung der häufigsten Symbole aufzeigen, denn der aufgeklärte Geist ist weit weniger schreckhaft.

Pentagram: Auch bekannt als Drudenfuß, Pentakel oder Nornenstapfe. Es ist sicherlich das bekannteste magische Symbol.
Wie lange es schon verwendet wird ist nicht bekannt, aber es gehört mit Sicherheit zu den ältesten magischen Symbolen. Den Pythagoräern (Pythagoras und seine Anhänger) war es gut bekannt und galt bei ihnen als Symbol von Gesundheit und Vitalität. Und man findet das Pentagram überall in der Natur: Das Kerngehäuse eines Apfels quer durchgeschnitten, ebenso sieht man das formgebende Fünfeck in allen fünfblättrigen Pflanzen wie der Lilie und auch an den fünf Fingern und Zehen von uns und allen Säugetieren. Man kann auch den menschlichen Körper als Pentagram betrachten, Arme und Beine sowie der Kopf bilden dabei die Strahlen. Von mir aus auch etwas unfassbarer die fünf Sinne, Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten.
Bekannt ist das aufrechte und das kopfstehende Pentagram, das um 180° (oder 360°) gedreht dargestellt wird. Die allgemeine Erklärung dafür lautet, dass das aufrechte (mit einer Spitze senkrecht nach oben) für das Bewusste, das Helle, Männliche, das Klare steht. Für das Luftige und das Geordnete.
Das kopfstehende Pentagram dagegen steht für das Gegenteil, das Unbewusste, Dunkle, Weibliche, das Verborgene. Es steht für das Erdige und das Chaos.
Seinen schlechten Ruf bekam das Pentagram vor allem durch schlechte Filme, in denen der Böse gerne mal ein Pentagram trug.

Umgedrehtes Kreuz: Das umgedrehte Kreuz ist kein Symbol des Satanismus. Seine Bedeutung ist viel allgemeiner und auch mit ein bisschen Ironie gesalzen. Das umgedehte Kreuz stellt ganz einfach die Ablehnung des Christentums dar. Das bedeutet nichts anderes als, dass sich Ihr Kind Gedanken um das macht, was es tut. Die Ablehnung des Christentums führt eine Seele nicht automatisch in die Arme des Teufels. Es gibt auch sehr viele andere Religionen, in denen die Menschen zufrieden leben.
Die Ironie ist eine andere Bedeutung des umgedrehten Kreuzes: Nach christlicher Überlieferung bat der Apostel Petrus, kopfüber gekreuzigt zu werden, da er sich nicht würdig sah, wie Christus zu sterben. So gesehen ist das umgedrehte Kreuz gleichzeitig ein Symbol der höchten Anbetung Christi und tiefster Demut.
Oder war Petrus der erste Satanist? Wohl kaum ;)

Schwarze Farbe: "Musst Du denn immer diese schwarzen Sachen tragen?"
Nein, niemand muss das - aber wenn es doch so gut aussieht? ;)