I-Ging

Letzte Änderung: 13.07.2018

Das älteste bekannte Buch der Welt stammt nicht aus unseren Breiten. Es ist das I-Ging des chinesischen Königs Fu-Hsi und stammt mindestens aus dem Jahre 2700 v.u.Z.
Der Legende nach gab ein Drache dem König die acht Urzeichen, die Pa-kwa, als er zu seinen Füßen landete.
Diese Zeichen sind wie folgt:

Diese Grundzeichen verwendete Fu-Hsi, um das I-Ging zu entwerfen.
Der Zweck war damals und ist bis heute die Befragung des Schicksals. I-Ging als Orakel ist auf den ersten Blick recht kompliziert und auf den zweiten Blick auch. Aber es eröffnet ungeahnte Orakelmöglichkeiten, die wesentlich detaillierter sind als alle anderen Techniken. Ich werde versuchen, es möglichst verständlich wiederzugeben. Allerdings muss ich gestehen, dass ich es auch das letzte Mal vor Jahren angewendet habe. Hier nehme ich es eigentlich nur der Vollständigkeit halber auf.

Das I-Ging besteht aus 64 Zeichen, die aus 6 Stäben mit der Bedeutung "Yin"und "Yang" bestehen. Yin wird durch eine unterbrochene Linie dargestellt, Yang durch eine durchgezogene.
Darüber hinaus gibt es ein "altes Yin", das sich wandelt und ein "junges Yin", was sich nicht wandelt. Ebenso gibt es ein "altes", sich wandelndes, Yang und ein "junges", sich nicht wandelndes, Yang.
Jede der 6 Reihen des Zeichens wird aus einem dieser 4 Möglichkeiten gebildet. Zu der Bedeutung kommen wir später. Um nun herauszufinden, welches Symbol an welcher Stelle kommt, benutzen die Chinesen das Schafgarbenorakel. Für uns ist allerdings ein Münzorakel praktischer und deshalb wollen wir es auch verwenden. Du brauchst drei Münzen, die es zu werfen gilt. Welche Münzen Du verwendest ist egal, Du kannst 2000 Jahre alte chinesische Münzen verwenden, was natürlich sehr stylish wäre. Du kannst aber auch ganz profane Cent-Münzen nehmen. Im Grunde kannst Du alles nehmen, was nur zwei Möglichkeiten des Wurfs zulässt. Am praktischsten sind natürlich Münzen.
Die sollten alle möglichst gleich sein und Du solltest diese Münzen tatsächlich ausschließlich für das Orakel verwenden. Du kannst sie weihen und immer bei Dir tragen, so wie Du es auch mit den Runen machst.

Nun geht es ans Eingemachte: Du bestimmst endgültig und eindeutig, welche Seite für Yin steht und welche für Yang. Diese Entscheidung triffst Du einmal und am besten, während Du die Münzen weihst. Welche Seite für was steht ist dabei egal, wichtig ist nur, dass sich das nicht im Laufe der Zeit ändert, denn dann wären alle folgenden Orakel unsinnig. Du kannst es auch auf die Münzen schreiben oder ritzen.

Du wirfst die Münzen aus der hohlen Hand oder einem Becher auf eine ebene Oberfläche und betrachtest sie. Dann schaust Du, wie viele Yin und wie viele Yang-Zeichen oben liegen. Nun geht es ans Rechnen.
Yin steht für "2", Yang für "3". Wenn Du also dreimal Yin liegen hast, dann entspricht das einer 6, dreimal Yang entspricht einer 9. Zwei Yin und ein Yang ist eine 7, ein Yin und zwei Yang ist eine 8. Anhand einer Tabelle werden diese Zahlen den vorher erwähnten Symbolen zugeordnet.

6 altes Yin
7 junges Yang
8 junges Yin
9 altes Yan

Du fängst also an und schreibst die 6 Symbole von unten nach oben auf, wobei Du die wandelnden Symbole durch ein Kreuz kennzeichnest.
Beispiel:
 

Das Orakel vor der Wandlung
Nachdem die alten Zeichen gewandelt wurden

Hier war der erste Wurf eine 9, also ein altes Yang, dargestellt durch eine markierte durchgezogene Linie.
Der zweite Wurf war eine 8, ein junges Yin, dargestellt durch eine unterbrochene Linie ohne Markierung.
Dann kam noch eine 8. Dann eine 6, altes Yin, also eine markierte unterbrochene Linie, eine 7 und schließlich noch eine 8.
Daraus ergibt sich ein interessantes Bild, denn jedes Symbol ist aus zwei Pa-kwas aufgebaut. Du erkennst hier in der oberen Hälfte "Wasser" und unten "Donner". Daraus ergibt sich das Zeichen für Dschun, die Anfangsschwierigkeit.
Die Bedeutung entnimm bitte aus entsprechender Litratur.
Das war einfach, jetzt wird es interessant.
Du hast Dich sicherlich schon gefragt, warum Du da einige Symbole markieren sollst. Damit hat es etwas ganz besonders auf sich, denn wenn in Deinem I-Ging-Zeichen ein oder mehrere alte Symbole auftauchen, dann heißt das, dass das Symbol gewandelt wird. Nämlich jedes alte Symbol wird in sein Gegenteil gewandelt. Ein altes Yin wird zu einem jungen Yang, ein altes Yang würde zu einem jungen Yin. Bei dem oben stehenden Symbol ergäbe sich also das rechts dargestellte Bild.

Hier gilt es nun, beide Zeichen anhand des Buches I-Ging auszuwerten, denn beide sind von Bedeutung.
Und wenn Du jetzt meinst, das wäre schon alles, dann muss ich Dich enttäuschen.
Für gewöhnliche Zwecke ist dieses System vollkommen ausreichend, aber die alten Linien haben noch weitere Bedeutungen als nur die Wandlung.
Denn die Positionen der alten Symbole erzählen noch mehr. Diese Bedeutungen habe ich hier aber nicht mehr betrachtet (ist schlicht zu viel Arbeit und ich habe diese Bedeutungen nie verwendet).

Ich hoffe, diese Ausführungen helfen Dir, das I-Ging anzuwenden oder zumindest einen Überblick darüber zu bekommen. Wie immer gilt natürlich auch hier: Wenn Du nur zum Spaß spielst und keine genauen Fragen stellst kannst Du keine ernstzunehmenden Antworten erwarten. Dennoch ist es empfehlenswert, zunächst herumzuspielen, um den Umgang mit der Technik zu erlernen.
Manchmal ergibt sich auch hier eine Antwort, die nicht sofort zu verstehen ist, besonders für unsere westlichen Köpfe nicht. Aber nach genauerem Nachdenken ergibt sich immer eine Erklärung - manchmal freilich erst nach Eintreten eines Ereignisses.

Literatur zum Thema

I Ging für Zauber-Hexen

Rena Terhef
3898755169

Das Buch hat bis auf den Titel nichts mit Hexen zu tun, und das ist auch gut so.

I Ging

Richard Wilhelm
3404701860

Gilt als die Referenz

Yijing. Das Buch der Wandlungen

Frank Fiedeler
3424013366