Runen ziehen

Letzte Änderung: 12.07.2018

Das Ziehen der Runen ist deutlich weniger komplex als das Werfen, aber es ist das Orakel, das in alten Quellen gemeint ist, wenn vom Runenorakel die Rede ist. Bis ins Mittelalter wurde das Ziehen der Runen zumindest in Nordeuropa intensiv betrieben und verfolgt.
Verschiedene Schmähschriften christlicher Missionare verurteilten das Befragen der Hölzer, ganz vergessen wurde es aber nie. In der Neuzeit wurde das Befragen der Hölzer dann wiederentdeckt und nach bestem Wissen nach den alten Quellen wieder gelebt.
Eine sehr aufschlußreiche Quelle dabei ist der römische Schreiber Tacitus im 10. Kapitel seiner Germania (um 98 u.Z). Hier heißt es:

"Auf Vorzeichen und Losorakel achtet niemand soviel wie sie. Das Verfahren beim Losen ist einfach. Sie schneiden von einem fruchttragenden Baum einen Zweig ab und zerteilen ihn in kleine Stücke; diese machen sie durch Zeichen kenntlich und streuen sie planlos und wie es der Zufall will auf ein weißes Laken. Dann betet bei einer öffentlichen Befragung der Stammespriester, bei einer privaten der Hausvater zu den Göttern, hebt, gen Himmel blickend, nacheinander drei Zweigstücke auf und deutet sie nach den vorher eingeritzten Zeichen.
Lautet das Ergebnis ungünstig, so findet am gleichen Tag keine Befragung mehr über den gleichen Gegenstand statt; lautet es jedoch günstig, so muß es noch durch Vorzeichen bestätigt werden."

50 Jahre vorher wird von Julius Cäsar in de bello gallico ebenfalls das dreifache Ziehen erwähnt, es scheint also eine Grundlage des Ziehens zu sein.

An dieses System wollen wir uns anlehnen. Allerdings würde ich die Runen nicht jedesmal frisch schneiden sondern vorgefertigte verwenden.
Zwar hat das frische Schneiden Vorteile, so ist der Ast zum Beispiel noch nicht lange vom Baum und den Göttern getrennt und verspricht daher eine starke Verbindung.
Andererseits ist meiner Meinung nach nichts von den Göttern getrennt, daher kann man genauso gut vorgefertigte (aber selbst hergestellte) Stäbe verwenden.
Solltest Du dennoch frische Stäbe machen wollen, dann sei auch so konsequent, sie nachher wieder der Göttin zurückzugeben.
Sei es durch Verbrennen oder Werfen in einen Bach.
Ich glaube, viel muß ich zur Technik nicht mehr sagen, das meiste ist oben beschrieben worden. Statt der Stäbe kannst Du natürlich auch normale Runenscheiben oder -steine verwenden.
Alternativen sind natürlich wie immer willkommen und wenn Du die Technik mit Deiner eigenen Erfahrung erweiterst, um so besser.