Nächtebuch

Letzte Änderung: 12.07.2018

"Träume sind Schäume" sagt man oder "ich hab heute nacht nichts geträumt".
Das stimmt aber beides nicht. Zum einen sind Träume keine Schäume, denn sie müssen nicht unbedingt verfliegen; es gibt Techniken, sich Träume besser merken zu können. Und wenn Du das kannst, dann kannst Du auch bald beurteilen, ob der Inhalt nicht doch eine tiefere Bedeutung für Dich hat. Und glaub mir, das hat er.

Außerdem ist es tatsächlich so, dass jeder Mensch jede Nacht träumt - so er/sie denn normal eingeschlafen ist und nicht unter irgendwelchen Drogen steht. Der Grund, dass man meint, nicht geträumt zu haben ist, dass der Traum wieder vergessen wird, bevor er ins Bewusstsein kommt.
Manchmal erinnert man sich noch, wenn man gerade aufgewacht ist. Aber dann verfliegt der Traum doch, weil das Gehirn nicht in der Lage ist, ihn im Langzeitgedächtnis zu speichern. Ob das an der frühen Uhrzeit liegt oder daran, dass eine andere Art des Erlebens ist, weiß ich nicht.
Aber gegen diese beiden Effekte gibt es eine Technik, die glücklichweise die gleiche ist wie vorher. Diese Technik ist das Führen eines Nächtebuchs.

Wie Du Dir wohl schon gedacht hat ist ein Nächtebuch etwas ähnliches wie ein Tagebuch. Hierin schreibst Du die Ereignisse der Nacht, die Träume, nieder. Daher wird es auch Traum-Tagebuch genannt.
Das ist zu Anfang etwas mühsam, denn Du musst das Buch direkt am Bett haben und Du musst es wirklich wollen. Am Abend vorher nimmst Du Dir also vor "morgen früh werde ich als erstes meinen Traum niederschreiben", legst einen Notizblock (vorzugsweise A5 oder kleiner) und einen Stift dorthin, wo Du es am nächsten morgen leicht findest.
Achte darauf, dass die Schreibutensilien gegriffen werden können, ohne nachdenken oder vorsichtig sein zu müssen. Also nicht in einer Schublade und auch nicht unter irgendwelchen Klamotten verstecken.

Nun legst Du Dich ganz normal schlafen und träumst. Wenn Du morgens erwachst ist das erste was Du tust, Deinen Notizblock zu nehmen und das niederzuschreiben, woran Du Dich erinnerst.
Du reibst nicht zuerst die Augen.
Du streckst Dich nicht zuerst.
Nicht "erstmal wach werden" sondern sofort schreiben.
Im Optimalfall sind Deine Augen sogar während des Schreibens noch geschlossen (das geht).
Auch solltest Du es vermeiden, den Traum Revue passieren zu lassen, denn dann ist schon ein Logikwächter da, der die Erinnerung verfälscht.

Beim Aufschreiben ist es vollkommen gleichgültig, wie Deine Schrift aussieht und es ist egal, wie Du schreibst. Es spricht auch nichts gegen eine schnelle Skizze. Deine Wortwahl tut nichts zur Sache und eine Auflistung ist genauso okay wie eine Erzählung. Das sind nur Notizen.

Während Du das niederschreibst werden Dir immer mehr Details einfallen.
Wichtig: korrigiere nichts!
Wenn Dir später einfällt, dass etwas doch nicht so war, wie Du Dich erinnert hast, dann täuscht Du Dich. Die erste Erinnerung ist die richtige, die zweite ist vom Logikbewerter in Deinem Kopf verfälscht worden. Auch wenn es Dir richtig vorkommt, es ist falsch. Träume sind nicht logisch!
Denk nicht angestrengt nach; was Dir nicht mit Leichtigkeit einfällt, das ist verloren. Das Notieren sollte nicht länger als ein paar Minuten dauern. Nun hast Du also Deinen Traum oder Deine Träume notiert. Dann geht es später ans rein schreiben. Hier kannst Du Deine Sätze mit einem anständigen Schriftbild und in ganzen Sätzen in Dein Nächtebuch schreiben, aber achte darauf, dass Du den Inhalt Deiner Notizen nicht verfälscht, das passiert schnell. Auch ausmalen solltest Du nichts und füg' auch nichts hinzu, woran Du Dich nun zu erinnern glaubst.
Schreib nur den Text so nieder, dass Du ihn gut lesen kannst.

Wenn Du das getan hast kannst Du auch daran gehen, den Traum zu analysieren. Vorher solltest Du es nicht tun, denn das könnte Deine Einstellung und Deine Erinnerungen verfälschen.

Du bist am Anfang vielleicht enttäuscht, dass Du Dich nicht an so viel erinnern kannst aber das wird sich relativ schnell ändern. Mit der Erfahrung werden die Erinnerungen immer genauer und sicherer.
Ein weiterer Effekt ist, dass Du mehr und mehr luzide Träume erleben wirst.

Nun wünsche ich Dir viel Spaß und/oder Erkenntnis mit Deinen Träumen.