Glühlampen in Ägypten

Letzte Änderung: 13.07.2018
Eine der umstrittenen Darstellungen

Im Hathor-Tempel in Dendera/Oberägypten (ca 55km nördlich von Luxor) gibt es sehr viele schöne Reliefs und Kunstwerke zu bestaunen. Dendera war die Hauptstadt eines ägyptischen "Landkreises" und dort wurde als Hauptgöttin Hathor angebetet. Besonders berühmt geworden ist der nach der Hauptgöttin benannte Hathor-Tempel. Dieser ist sehr reich mit Reliefs verziert und bietet eine außergewöhnliche Architektur. Reichlich Skulpturen sind zu finden sowie ausgezeichnet ausgeführte Hieroglyphen.

Aber all das erklärt nicht das ungemein große Interesse der Öffentlichkeit an dieser Tempelanlage.
In der östlichen Seitenkammer (Raum G) sowie in einem Kellerraum (Krypta Süd 1 C) sind Reliefs aus ~60 v.u.Z. zu finden, die die Fantasie seiner Betrachter anregt. Es handelt sich um Darstellungen von Objekten, die der Betrachter ohne Weiteres als primitive, riesige Glühbirnen identifizieren kann.

Nunja, dass man etwas als Glühbirne erkennt heisst nicht, dass es auch eine ist. Woher sollten auch die alten Ägypter die Technologie der Glühbirne kennen. Es gab doch keine Steckdose, um sie mit Strom zu speisen.
Elektrizität gab es schon. In Bagdad sind bekanntermaßen Gefäße gefunden worden, die als primitive Batterien gedient haben könnten. Mehrere davon in Reihe geschaltet könnten eine genügende Spannung für diese Glühbirnen erzeugt haben.
Aber ich schreibe immer "könnte". Weiß man denn nichts Genaueres? Nein, leider weiß man es nicht.
Weder wurden Reste dieser Glühbirnen gefunden noch andere Aufzeichnungen zu dem Thema.
Nach Auffassung der Archäologen stellen diese Reliefs die "Nachtbarke des Sonnengottes", "Tagesbarke des Sonnengottes" und "Gott auf der Blüte" dar. Die Motive sind der Ägytologie durchaus bekannt. So steht die Schlange, die sich aus der Lotos-Blüte windet für den allmorgendlichen Sonnenaufgang.

Ja, vermutlich ist diese Interpretation auch richtig. Aber was spricht denn dagegen, dass es sich bei den dargestellten Objekten doch um elektrische Lampen handelt?
Ich stelle mit dabei gerne eine Prozession vor, in der die tägliche Auferstehung des Sonnegottes mit Hilfe der elektrischen Glühbirnen dargestellt wird. Zwei Interpretationen, die einander ergänzen.
Gegen die Annahme der elektrischen These spricht, dass keine Fundstücke dieser Glühbirnen existieren und dass man sich einfach nicht vorstellen kann, wie die Ägypter so etwas hätten entwickeln können.

Für die elektrische These spricht erstmal die Darstellung selber: Von einer Fassung geht in einem Glaskolben eine Schlange in die Länge. Der Kolben wird von einem Objekt gehalten, der einem Hochspannungsisolator sehr ähnlich ist. Am Ende des Kolbens windet sich ein Kabel nach vorne. Dieses Objekt wurde bereits erfolgreich nachgebaut und erwieß sich als als elektrische Lampe. Nicht sonderlich effektiv, aber immerhin. Außerdem sollte erwähnt werden, dass der Nachbau mit modernen Materialien und modernen Erkenntnissen der Elektrik erfolgte, aber immerhin funktionierte er.
Auch sind in den Begleittexten Maßangaben zu finden (als Höhe der Barke etwa 4 Handbreit/30 cm) und die Materialien wurden mit Gold und Metall benannt. Wozu soll eine Maßangabe bei einer göttlichen Barke dienen? Das klingt schon eher nach einer technischen Angabe.
Als weiteres Argument wird gerne das Fehlen von Ruß ins Feld geführt. Dieses Argument ist einfach falsch. In den Tempelanlagen ist jede Menge Ruß zu finden, auch in den Kammern mit den Darstellungen der "Glühlampen". Und wenn dieser Ruß nicht bei der Entstehung entstand, dann später, als die Tempel von Arabern oder auch von Touristen mit Fackeln, Kerzen und Öllampen besucht wurden. Und diese Besucher haben reichlich Ruß hinterlassen.
Und selbst, wenn kein Ruß zu finden gewesen wäre: die Öllampen der Ägypter hinterließen ohnehin nur sehr wenig Ruß und dieser ließ sich leicht verhindern, indem man ihn einfach durch eine Platte über der Flamme abfängt. Man bedenke, dass zwischen dem Hathor-Tempel und den Gebäuden, die zum Vergleich herangezogen werden, Jahrhunderte oder gar Jahrtausende liegen. Einen gewissen technischen Fortschritt kann man den Ägyptern ruhig eingestehen.

Aber kommen wir zurück zur Ausgangsfrage, ob die Ägypter elektrisches Licht verwendeten. Man weiß es einfach nicht sicher. Es gibt wenige Indizien dafür, und es gibt viele Argumente dagegen.
Ich sage "Vermutlich gab es sie nicht, aber mir gefällt die Vorstellung."