Ägypten

Letzte Änderung: 18.07.2018
Die Meidum-Pyramide, von der nur mehr der Kern steht. Quelle: Jon Bodsworth
Die Djoser-Pyramide zeigt mit ihren Stufen, dass die Ägyptischen Pyramiden eine Evolution durchlaufen haben. Quelle: Olaf Tausch

Von den antiken Ägyptern kann man wohl eines sagen: Wenn sie Monumente geschaffen haben, dann waren sie vor allem eines: groß. Und es geht nicht im Dschungel unter, was die Archäologie erleichtert.

Und so kommt es auch, dass einzig in Ägypten der Beginn der Pyramidenkultur verfolgt werden kann:
Die ersten Pyramiden stürzten noch ein, weil das Material einen zu steilen Winkel nicht zuließ. Man kann regelrecht Versuch und Irrtum verfolgen.
Schließlich gelang es, standfeste Pyramiden zu errichten, zunächst noch als Stufenpyramiden.
Pharao Snofru begann dann, die Wände glatt errichten zu lassen. An der Meidumpyramide kann man erkennen, dass sie zunächst als Stufenpyramide konzipiert war. Ständige Bauänderungen sollten die Pyramide immer größer werden lassen und schließlich sollten die Wände glatt sein. Bei einem Böschungswinkel von 52° fanden die Steine aber irgendwann keinen Halt mehr: die Pyramide stürzte ein und hinterließ ein großartiges Lehrobjekt. Nur der Kern blieb stehen.
In der zeitgleich erbauten "Knickpyramide", ebenfalls von Pharao Snofru, sieht man dagegen, dass aus dem Fehler gelernt wurde und diese Pyramide weist einen Knick auf. Vermutlich ist der Knick zu der Zeit entstanden, als die Vorgängerpyramide eingestürzt ist.

Vielleicht weil König Snofru diese Pyramide nicht leiden mochte, vielleicht aus ganz anderen Gründen, ließ er dann die dritte Pyramide seiner Regierungszeit errichten: Die rote Pyramide, in der er vermutlich auch bestattet wurde. Diese weist von Anfang an den Böschungswinkel von 43° auf, der sich bei der Knickpyramide bewährt hatte.
Als man schließlich auf die Idee kam, die seitlich wirkenden Kräfte durch Stütz- und Strebemauern aufzufangen, konnte man wieder zum Winkel von 52° zurückkehren.
Diese Pyramiden wurden vor allem zu einem Zweck entworfen und gebaut: Um dem Pharao ein Leben nach dem Tod zu ermöglichen. Übrigens haben nicht nur Pharaonen Pyramiden erbaut. Aus späteren Perioden der ägyptischen Kultur sind auch sehr sehr viel kleinere Pyramiden bekannt, die sich ein hoher Beamter oder ein Architekt hat erbauen lassen.

Ein weiterer Zweck sollen astronomische Beobachtungen gewesen sein. So sollen die großen Pyramiden von Gizeh den Gürtel des Orion widerspiegeln. Diese These wird immer wieder gerne genannt, ist aber umstritten. Denn einerseits stellen die Pyramiden den Gürtel des Orion nicht genau dar. Andererseits gibt es noch eine andere, viel praktischere Erklärung für den charakteristischen Knick in der Linie der Pyramiden: Es war einfach nicht mehr genug Platz da, um sie in einer wirklich geraden Linie zu erbauen.