Tunguska

Letzte Änderung: 12.07.2018

Am 30. Juni 1908 passierte etwas Großes.

Die Erde wurde von einer Explosion erschüttert, die in der Region Tunguska im sibirischen Bergland ihren Anfang hatte. Diese Erschütterung war dermaßen stark, dass die Druckwelle um den ganzen Planeten lief. In London konnte es als entferntes Grollen gehört werden (in einem stillen Teil von London), in 500km Entfernung hat man das Ereignis als hellen Schein am Horizont wahrnehmen und die Druckwelle sowie Erschütterungen spüren können.
Im Umkreis von ca. 30km wurden Bäume entwurzelt, im 65km entfernten Örtchen Wanawara wurden Türen und Fenster eingedrückt. Die Stärke der Explosion lässt sich nicht so einfach mit Atombomben vergleichen, weil die Wirkung eine andere ist. Daher lass ich das mal besser.
Aber die Auswirkungen sind auch so eindrucksvoll genug. So groß die Explosion auch war, so mysteriös ist sie bis heute.

Es ist nicht zweifelsfrei geklärt, was seinerzeit in Tunguska geschah. Das liegt zum einen, dass es keinen offensichtlichen Krater gibt, keine Überreste und auch sonst kaum etwas, das ausgewertet werden kann. Nichts, außer 60Mio umgeknickter Bäume und all der Auswirkungen der Druckwelle. Selbstverständlich stellt sich die Frage, was da geschehen ist. Wenn es ein Meteoriteneinschag war, dann muss ein Krater zu finden sein. Wenn es ein Vulkan war, muss der zu finden sein. Leider startete die erste Expedition in das Gebiet erst 12 Jahre später und kam auch nicht bis zum Ort des Geschehens. Erst 1927 gelangte eine Expedition bis in das Explosionsgebiet. Und erst 1938 gab es die ersten Luftbildaufnahmen.
Es gibt also keine zeitnahen Bodenproben, keine exakten Erfahrungsberichte, keine zeitnahen Fotografien, nicht das bei der Aufklärung helfen könnte. Nur zu verständlich, dass es bei einer solchen Datenlage viele Ideen und Theorien zum Ursprung dieser Druckwelle gibt.

Ein Meteorit explodierte in großer Höhe

Die gängige Theorie heute ist die, dass in 5 bis 14km Höhe ein Asteroid oder ein Komet explodierte. So etwas kann durchaus passieren und geschieht auch immer wieder. Man muss sich das so vorstellen: ein Himmelskörper dringt mit einer immensen Geschwindigkeit von 20 - 70 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre ein. Nochmal ganz deutlich: Bis zu 70 Kilometer in einer Sekunde, das ist von Hamburg nach München in zehn Sekunden.
Durch die Reibung erhitzt der Meteorit sehr schnell und sehr stark und es treten große Temperaturunterschiede auf. Teile des Meteoriten verdampfen und reißen Stücke heraus, das macht den Himmelskörper noch weniger aerodynamisch, die Hitze steigt schneller und es reißen größere Teile heraus, bis das ganze Objekt birst.

Durch die hohe Reibungshitze und die Masse treten dabei bemerkenswerte Kräfte auf, die durchaus zu einer solche Zerstörung wie über Tunguska führen kann. Anhand der wenigen zur Verfügung stehenden Daten wurde errechnet, dass das Objekt 30 bis 80 Meter groß war und in 5 bis 14km Höhe explodierte.
Durch die große Höhe war einfach der Druck direkt am Boden nicht hoch genug, um einen Krater zu hinterlassen. Die Bruchstücke verteilten sich über eine so große Fläche, dass eine Suche aussichtslos ist. Dazu kommt, dass die Gegend nicht gerade ideale Voraussetzungen bietet, um irgendetwas zu finden und ganz bestimmt nicht viele Jahre nach dem Ereignis. Diese Theorie ist die heute am weitesten verbreitete, einfach weil sie mit wissenschaftlichen Daten untermauert ist und solche Ereignisse schon woanders beobachtet wurden. Es handelt sich hier um einen gut verstandenen, alltäglichen Vorgang, nur die Energien waren bemerkenswert. Alltäglich deswegen, weil auch Sternschnuppen nichts sind als kitzekleine Meteorite, die in der Athmosphäre verglühen. Und die kennt schließlich jeder. Untermauert wird diese Theorie durch mikroskopisch kleine Partikel in Form von Glasperlen. Diese haben einen für die Erde ungewöhnlich hohen Nickel- und Iridium-Anteil. Diese wurden in den 50ern und 60ern in Bodenproben gefunden und weisen für gewöhnlich auf Überreste eines Asteroiden oder Meteoriten hin.

Etwas exotischer

Die Tatsache, dass keine Überreste eines Meteoriten gefunden wurden ließ Spielraum für etwas exotischere Spekulationen über den Hergang bei Tunguska.
Einige der bekannteren Theorien sind:

Ein kleines Schwarzes Loch

Laut so manchem selbsternannten Forscher können die Auswirkungen in Tunguska nur von einem schwarzen Loch stammen. Dieses könnte der Erde zu nahe gekommen und dann verdampft sein. Ich denke, diese Idee können wir getrost beiseite legen. Hätte ein schwarzes Loch die Erde gestreift, dann wäre sie nicht mehr da. Warum soll etwas dermaßen exotisches die Ursache sein, nur weil man keine Hinweise hat?

Ein abgestürztes UFO

Natürlich wurden auch UFOs als Ursache für die Explosion vorgeschlagen. Entweder es ist eines abgestürzt oder aber Außerirdische haben uns mit gigantischer Feuerkraft vor einer weit schlimmeren Katastrophe bewahrt. Als Indiz dafür wird angeführt, dass die Explosion über weitestgehend unbewohntem Gebiet stattfand. Ein paar Stunden später und halb Mitteleuropa wäre eingeäschert worden. Das kann kein Zufall sein. Ich denke, doch. Das kann durchaus ein glücklicher Zufall sein.
Und auch von einem abgestürzten UFO wurden keine Überreste gefunden, auch kein Einschlagkrater.
Interessant ist hierbei aber die Geschichte des Volkes der Dzopa. Sie sind ein kleinwüchsiges Volk, das im Gebirge Baya Kara Ula lebt. Sie beahupten cvon sich, Nachfahren einer außerirdischen Rasse zu sein, die auf der Erde gestrandet ist. Sie sollten im Jahre 1908 abgeholt werden, was allerdings gründlich misslang, da das Raumschiff abstürzte.
Spannend ist in diesem Zusammenhang auch der Bericht über zwei Tungusen, die unterhalb einer der angenommenen Flugbahnen ein metallisches Objekt bargen, welche Funken sprühte. Die schickten das Objekt nach Moskau, wo es in drei verschiedenen Einrichtungen untersucht wurde. Hier wurde festgestellt, dass es zu 67% aus Cerium, zu 10% aus Lanthan (das auf der Erde nur in gebundener Form existiert) sowie aus 8% Neodymium, 0,4% hochreinem Eisen ohne Oxydationsspuren und 14,6% anderer sehr seltener Metalle bestand. Das Objekt wies seltsame magnetische Eigenschaften auf, verschwand aber leider.

Mückenexplosion

Eine eher originelle Idee ist die, dass Mückenschwärme explodieren könnten, ähnlich einer Staub- oder Mehlexplosion. So etwas ist noch nie beobachtet worden und ich halte es auch für unwahrscheinlich. Denn schließlich bestehen auch Mücken zum großen teil aus Wasser, was eine Entzündung erschwert. Es wird angeführt, dass in Sibirien unvorstellbare Zahlen von Mücken leben. Ja, und? In Finnland auch, und trotzdem explodiert da nichts.

Erdgasexplosion

Es sollen die im Boden gelagerten Erdgas-Vorkommen in die Atmosphäre gelangt sein und sich hier entzündet haben. Das ist vorstellbar, deckt sich aber nicht mir den Zeugenaussagen, dass etwas vom Himmel fiel.

Vulkanischer Auswurf

Hierbei soll es sich um den Auswurf eines anderen Vulkans handeln, der hier einschlug. Mangels Vulkan sieht es etwas mau aus. Im Ganzen gibt es an die 120 Theorien und Ideen zum Tunguska-Ereignis. Da die Ursache bis heute als nicht bewiesen gilt, ist keine dieser Theorien komplett von der Hand zu weisen - naja, bis auf die Mückenexplosion vielleicht ;)