Atlantis

Letzte Änderung: 18.07.2018

Atlantis! Ein Begriff, der viele Gefühle hervorruft.
Von Faszination und Hoffnung über mitleidiges Lächeln bis hin zu purer Abscheu.
Aber warum diese vielen Gefühle? Liegt es daran, dass der Begriff Atlantis immer wieder mit der Wiege der Menschheit in Verbindung gebracht wird? Vielleicht hängt es damit zusammen, dass viele Menschen Atlantis für die perfekte Kultur halten? Reich, hochzivilisiert, die Weltmeere befahrend.
Oder liegt es daran, dass Atlantis vom Großteil der westlichen Zivilisation für ausgegorenen Quatschkram hält.
Nun, ich will mal so sagen: Ich habe keine Ahnung, ob es Atlantis wirklich gab oder, wenn es existierte, wo es lag. Aber das eine weiß ich sicher: Sollte es dieses sagenhafte Land gegeben haben, dann haben auch dort Menschen gelebt. Und wo Menschen leben, da gibt es all das, was es heute auch gibt: Liebe und Streit, Hilfe und Neid. Herrscher haben sicherlich Steuern genommen, das Volk hat darüber gestöhnt. Gesetze wurden erlassen, Menschen hatten Unfälle, Nachbarschaftsstreit, das volle Programm. Wie so manche Menschen drauf kommen, dass Atlantis ein vollkommenes Leben in Harmonie bot, weiß ich nicht. Für mich klingt es nach Eskapismus.
An dieser Stelle will ich versuchen, gängige und weniger gängige Theorien über Anlantis wiederzugeben.
Die Liste erhebt selbstverständlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und die Reihenfolge ist keine Wertung sondern ergibt sich zufällig nach der Reihenfolge, in der ich schreibe.
Sollte ich hier eine These übersehen bin ich für eine Mail dankbar und werde den Bereich entsprechend erweitern.

Die Erzählung

Die erste bekannte Erwähnung fand Atlantis bei Platon.
Der griechische Philosoph schrieb von einem Reich von großer Macht und Reichtum jenseits der Säulen des Herakles. Diese Macht soll große Teile Europas und Afrikas unter seiner Kontrolle gehabt haben und einen erfolglosen Angriff auf Athen begonnen haben und sei infolgedessen innerhalb "eines einzigen Tages und einer unglückseligen Nacht" versunken, so heißt es.
Diese Geschichte diente offensichtlich der Veranschaulichung einiger Thesen Platons über eine perfekte Gesellschaft (Atlantis hielt er für das Gegenteil dessen) und basierte auf Erzählungen, die Platon scheinbar aus Ägypten mitbrachte. In seinem Dialog heißt es, sein Protagonist habe die Geschichte von seinem Großvater, der sie wiederum von seinem Vater habe. Dieser hatte die Geschichte von einem Weggefährten, der sie wiederum in Ägypten von einem Neith-Priester in Sais erfuhr.
Auf mich wirkt diese Reihe an Weitererzählungen schwierig, aber es wird ebenso angenommen, dass Platon die Geschichte selber in Ägypten erfuhr und die Geschichte des Weitererzählens lediglich erfand, um dem ganzen einen glaubwürdigen Anstrich zu geben.
Schließlich galt Ägypten seinerzeit als Wiege der Weisheit - so wie Griechenland heute als Wiege der Philosophie und Wissenschaft gilt.

Nach Platon wurde die Geschichte von vielen Autoren wieder aufgegriffen, häufig zur Gesellschaftskritik. So etwa der Mönch Tommaso Campanella, der die Atlantisgeschichte zum Vorbild für seine Cittá del sole nahm. Bei ihm soll Atlantis auf Sri Lanka gelegen haben.
Sir Francis Bacon schrieb seine Utopie Nova Atlantis, in der er Amerika als den Rest des untergegangenen Kontinents benannte und das neue Atlantis auf die Südseeinsel Bensalem verlegte. Diese Insel wurde nach der damals vorherrschenden Idealvorstellung eines sittenstrengen, gottgewählten, christlichen und patriarchalischen Bildes entworfen. Sein Werk wurde erst nach dem Tode Bacons in seinem Nachlass entdeckt.

Solcher Nachahmungen und Bezugnahmen sind viele entstanden. Unter anderem jene von Olof Rudbeck, der Schweden als Atlantis und Uppsala als seine Hauptstadt identifiziert.
Oder die von den Nazis favorisierte These, Atlantis läge in der Nordsee, sei mit dem sagenhaften Thule identisch und die Herkunft der "arischen Rasse". Bizarr.

Atlantis

Platon hatte Atlantis als Gegensatz zu Ur-Athen angelegt. Als große Seemacht, welche durch ihren Expansionsdrang zerstört wurde. Möglicherweise hat er damit seine Ängste verarbeitet, da er 404 v.u.Z. selbst die Niederlage Athens erleben musste, als es sein Expansionsstreben mit dem Peloponnesischen Krieg bezahlen musste.
Atlantis war jedenfalls eine Insel jenseits der Säulen des Herakles. Meist werden diese Säulen als die Meerenge von Gibraltar gedeutet. Allerdings gibt es noch viele andere Möglichkeiten. Die Insel soll größer als Libyen und Asien gewesen sein. Womit Nordafrika ohne Ägypten und Teile Vorderasiens gemeint waren. In der Mitte der Hauptinsel lag eine riesige Ebene von 540 x 360 km. Es existierten viele Tiere, Pflanzen, Früchte, etc. Unter anderem beschrieb Platon vermutlich den Elefanten, den er als das größte und gefräßigste Tier von allen beschrieb.
Durch diese Ebene zogen viele "Kanäle", kreis- wie auch strahlenförmig angelegt, durch die das reiche, fruchtbare Land bewässert wurde. Dies ermöglichte zwei Ernten jährlich.

Die Hauptstadt war auf einer zentralen Insel von 900m Durchmesser gelegen. In der Hauptstadt war zentral eine Akropolis wie auch ein großer Poseidontempel. Dort standen goldene Weihestatuen. Dieser Zentralbereich war von einer Mauer umgeben und beherbergte die Wohnstätten der Herrscher und der Geistlichkeit. Umgeben wurde die zentrale Insel von einem 180m breiten Kanal.
Danach ein Gürtel als Wohnstatt für die Krieger von 360m Breite gefolgt von einem ebenfalls 360m breiten Kanal.
Außen war die Wohnstätte für die Bevölkerung auf einem 540m breiten Gürtel, wiederum gefolgt von einem neuerlichen 540m breiten Kanal.
Alle Kanäle waren schiffbar und die äußeren wurden als Häfen genutzt. Der größere äußere als Handels-, der innere als Kriegshafen.
Die Armee Atlantis' wurde beschrieben als eine Streitmacht mit 1200 Schiffen und 240000 Soldaten, alleine in der Hauptstadt. Diese Streitmacht unterwarf Nordafrika und ganz Westeuropa.

Die Macht über die Insel hatten die Nachkommen Poseidons, welche dieser mit der sterblichen Kleito gezeugt hatte. Im Laufe der Zeit wurde der göttliche Einfluss immer weiter verdünnt und schließlich gewann die Gier die Oberhand und die große Expansion begann.
Der Dialog "Kritias" endet mit dem Gericht über Atlantis. Vor dem Ausspruch des Beschlusses allerdings bricht der Text ab.

Überreste

Die Datierung Platons weist in uralte Zeiten zurück.
Gut 9000 Jahre v.u.Z. soll Atlantis ganz Westeuropa und Nordafrika unter seiner Herrschaft gehabt haben.
Es liegt nahe, dass eine Zivilisation wie die atlantische, wenn sie denn so großartig war, einiges an Überresten zurückgelassen haben muss.
Und so gibt es denn auch reichlich Indizien, die tatsächlich auf den ersten Blick stutzig machen.

Zum Beispiel die Steinringe von Stonehenge und ähnliche. Teile der Anlage wurden auf 8000 v.u.Z. datiert, die Nutzung des Geländes allerdings geht noch viel weiter zurück. Die Ringe wurden im Laufe von 2000 Jahren immer erweitert und noch großartiger.
Man erinnere sich: Die großen Steinblöcke aus Dolorit wurden in einem Steinbruch in 380km Entfernung gewonnen und dann auf unbekannte Weise aufgerichtet. Es gibt zwar archäologische Hinweise und erfolgreiche Experimente, aber sicher ist nichts.
Es ist bis heute nicht wirklich bekannt, wer diese gewaltigen Steine aufgebaut hatte. Natürlich gibt es Funde um Stonehenge herum und ähnliche andere Bauwerke. Aber die Dünnheit dieser Funde öffnet Spekulationen Tür und Tor.
Der Zweck scheint geklärt zu sein, aber wer war es? Ob Atlanter zur Zeit Ihrer Macht diese Bauwerke errichtet hatten oder es doch eine regionale Entwicklung war, bleibt Spekulation - auch wenn die Atlantis-Idee in der Archäologie keinen guten Ruf hat.
Nebenbei erwähnt: Das Gebiet um Stonehenge ist auch die weltweite Hochburg des Kornkreis-Phänomens.

Ebenso wird es wohl Spekulation bleiben, wonach Ägypten ein Erbe der Atlanter sein soll, welche die Flutkatastrophe überlebt haben.
Untersuchungen von John West, besierend auf Annahmen von Prof. Robert M. Schoch legen nahe, dass der Sphinx von Gizeh aus der Eiszeit stammen sollen. Zu dieser Zeit fiel in Ägypten deutlich mehr Regen und sie nehmen an, dass die Grundzüge des Sphinx durch Regenwasser ausgewaschen wurde statt, wie heute allgemein angenommen wird, durch Sand, Wind und Salz.
Allerdings stehen einige wenige Geologen mit der Auffassung, der Sphinx datiere auf die Eiszeit oder früher, ziemlich allein da.
Auf mich wirkt auch die Theorie der Sand-Erosion glaubwürdiger, vor allem, weil sie heute noch beobachtet werden kann.
Andere Argumente wie, dass die Ägypter viel hellhäutiger waren als ihre Nachbarn, werden auch gerne angeführt. Da frage ich mich: Woher meint man, das zu wissen?

Ähnlichkeiten zwischen Ägypten und Mittelamerika werden gerne angeführt.
Allen voran die Pyramiden. In Ägypten wurden, ebenso wie in Mittelamerika, beeindruckende Pyramiden zu geistlichen Zwecken errichtet. Und der Zweck scheint auch ähnlich zu sein, in beiden Gegenden sind Könige darin bestattet worden. Allerdings scheint das Königsgrab in Mittelamerika nur ein Nebenzweck neben der stronomischen Beobachtung gewesen zu sein.
Nicht bedacht wurde dabei auch, dass die Pyramide die einfachste Form ist, um große Gebäude zu bauen. Wenn also ein Volk beschließt, ein wirklich großes Gebäude zu bauen, wird es sich, ein bisschen Geometriewissen vorausgesetzt, für eine Pyramide entscheiden.
Andere Ähnlichkeiten lassen sich in der Sprache finden. So ist zum Beispiel die Silbe At/Ad auffällig oft zu finden:

Atarantes oder Atlantioi heißt laut der Überlieferung von Nordafrikanischen Stämmen das Inselreich westlich des Atlantiks.
Aztlan so hieß die Urheimat der AZTEKEN, und diese lag östlich des Atlantik.
Ad, so lesen wir im Koran, war eine Stadt, die Noah vor der großen Flut gewarnt hat.
Atlaua; mächtiger Wassergott der mittelamerikanischen Indianer, man nennt ihn auch "Meister des Wassers". Dieser Gott steht auch für die Wiedergeburt.
Attala ein ausgetrocknetes Meer, und Atlas das Gebirge in Nordafrika.
Atl bedeutet in der Sprache der Azteken (Amerika) und der Berber (Nordafrika) Wasser
Athene ist die Göttin der Griechen die den Menschen alles Wissen sowie das Alphabet brachte.
Atum ist bei den alten Ägyptern die Personifikation des Urchaos aus dem alles hervorging.
Audumla ist das Milchreich der Germanen aus dem alles nach dem Zusammentreffen von Feuer und Eis hervorging.
Atalaya heißen uralte Höhlen auf den Karibischen Inseln (laut Vermutung die Berggipfel von Atlantis).
Atagardis ist die syrische Erde (verkörpert als Göttin) aus der das Wasser und alles Leben entspringt.
Azoren, diese Inseln liegen in der Mitte des Atlantik.
Asgard war das Göttereich der Germanen, Asen hießen ihre Hauptgötter.
Ararat hieß der Berg, auf dem Noah in der Bibel nach der Sintflut gestrandet ist, war dies die Erinnerung an den höchsten Berg von Atlantis, den Atlas?
Aaru, Aalu oder Armenti hieß das Seelenreich der Ägypter.
Aralu war die Unterwelt der Babylonier in der Mitte der Welt.

Zweifel

Bei all den Indizien, die im Laufe der Zeit für Atlantis gesammelt wurden, gibt es natürlich auch einiges, was gegen die ehemalige Existenz dieses Reiches spricht.

Nicht notwendig

Die Geschichte der Menschheit und der Zivilisation ist recht gut aufgeklärt.
Von einzelnen Siedlungen über größere Ballungsräume rund um das Schwarze Meer. Über die Flucht der Menschen vor der Überflutung am Ende der Eiszeit, bis hin zu den Zivilisationen von Ägypten, Sumer, Babylon und Griechenland.
Ein zusätzliches mächtiges Reich taucht darin nicht auf. Das heißt natürlich nicht unbedingt, dass es Atlantis nicht gab. Aber es heißt, dass es zumindest keinen wesentlichen Einfluss auf die geschichtlichen Aufzeichnungen hatte. Wenn Atlantis wirklich so mächtig war, dann ist es doch erstaunlich, dass bis auf die Legende nichts blieb.

Geologie

Für mich das schlagkräftigste Argument: Es gibt keine überzeigenden geologischen Funde vom Meeresboden, die auf eine Insel schließen lässt, die den folgenden Anforderungen entspricht:

  • Groß genug, um eine Großstadt und ein ansehnliches Reich zu ernähren
  • Dicht genug an Europa, um mit den damals zur Verfügung stehenden Schiffen erreicht zu werden
  • Restfunde der Architektur, der Kanäle, der Küstenlinien
  • Eine Ebene, die weniger als 130 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, mit Bergen, die als Insel herausragen dürften.

Verklärung

Um ehrlich zu sein: Es nervt einfach.
Wenn es um das Thema Atlantis geht, dann bekommt man in esoterischen Kreisen gerne mal "Erinnerungen" zu hören, wie toll es dort gewesen sei etc. Diese Verklärung gibt dem ganzen Thema einen sehr unglaubwürdigen Anstrich.