Lokalisierung

Letzte Änderung: 12.07.2018

Angenommen, Atlantis hat wirklich existiert, wo war es denn?
Es gibt Hinweise auf diese untergegangene Supermacht. Wie ernst man diese nehmen kann bleibt dahingestellt, einige sind allerdings ziemlich überraschend, andere können wohl belächelt werden.

Zunächst bleibt festzustellen, dass das Atlantis von Platon nicht das einzige untergegangene Königreich ist. Die Bewohner der Osterinsel wissen von Maori Nui Nui zu berichten, einem Inselreich in der Südsee, welches untergegangen ist und die Bewohner auf die Osterinsel getrieben hat.
Nicht zu vergessen die vielen Sintflutberichte, die mindestens ein traumatisches Wassererlebnis beschreiben. Und auch der Untergang der Insel Santorini, der Insel Atalante oder die Stadt Helike haben sicherlich noch Vorgänger, die in das kollektive Bewusstsein geflossen sind.
Ich persönlich halte es für sicher, dass es mindestens ein Königreich oder eine Zivilisation gegeben hat, die durch eine Wasserkatastrophe zerstört oder empfindlich gestört wurde. Dies halte ich für den Ursprung der Atlantis- und Sintflutgeschichten. Wann, wo und wie die geschah weiß ich natürlich genauso wenig, wie sonst irgendwer.
Allerdings gibt es einiges an Geschichten und Forschungen zu diesem Thema, die eine Lokalisierung versuchen. Die mir bekannten und jene, die ich während der Sammlung finde, will ich hier zusammentragen.
Ich bitte, diese Zusammenfassung auch als solche zu begreifen. Es gibt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn Du noch eine Legende kennst, die hier fehlt, dann bitte ich Dich, mir einen Hinweis zukommen zu lassen. 

Atlantik

Fantasiekarte von Atlantis aus: Athanasius Kircher, Mundus Subterraneus, (1665), (die Karte stellt Süden oben dar, was die Anordnung von Spanien und Afrika links erklärt)

Ausgehend von Indizien ist die gängigste These, Atlantis war ein großes Königreich mitten im Atlantik. Die Überlebenden hätten nach der Katastrophe die Reiche in Ägypten und Mittelamerika gegründet oder zumindest stark beeinflusst.

Als Indizien hierfür werden angeführt: die Ähnlichkeiten der Aztekischen und der Ägyptischen Kultur wie die Verwendung von Pyramiden und Hieroglyphen. Vermeintliche Überreste wie die Höhlen von Atalaya auf den Karibischen Inseln, die häufig als die höchsten Berge Atlantis' angesehen werden.

Die Azoren werden ebenso gerne als Überreste Atlantis' angenommen wie Grönland oder Island.

Auch sprachliche Ähnlichkeiten werden gerne angeführt.

Was nicht erklärt wird sind ein paar Ungereimtheiten:

  • Die zeitlichen Unterschiede, ist doch die ägyptische Kultur etwa 3000 v.u.Z. entstanden. Die erste Hochkultur in Mittelamerika dagegen, die Olmeken, entstand frühestens ca 1500 v.u.Z.
  • Auch die ethnischen Unterschiede zwischen den Mittelamerikanern und den Afrikanern werden nicht wirklich erklärt. Ein Hinweis auf Vermischung benötigt genauere Studien, um bestätigt oder widerlegt zu werden.
  • Nicht erklärt werden kann auch das angebliche Verschwinden an nur einem Tag - außer man nimmt diese Darstellung als übertrieben an.

Die Datierung lässt nämlich eine zeitliche Nähe zur letzten Kaltzeit zu, die erst vor etwa 10000 Jahren zur Zwischenwarmzeit wechselte, in der wir heute leben. Also hat sich vor 9000 - 11000 Jahren der Eismantel zurückgebildet und den Meeresspiegel ansteigen lassen. Sollten damals Kulturen existiert haben, so waren diese vermutlich an der Küste gelegen und haben echte Probleme bekommen. Aber diese Überlegungen sind durch Beweise zu erhärten, ehe sie ernst genommen werden können.
Ein weiteres Problem der Atlantis-Sage ist, dass im Atlantik noch keine entsprechende unterseeische Landmasse gefunden wurde, die auf einen untergegangenen Kontinent hindeuten könnte.
Vor Bimini in den Bahamas wurden in fünf Metern Tiefe einige Steinquader gefunden, die in Form einer Straße angelegt zu sein scheinen. Allerdings führte eine Untersuchung zu keinem Ergebnis, es wurde keine untergegangene Stadt gefunden und es wurde nicht einmal sicher festgestellt, ob die Formation überhaupt menschlichen Ursprungs ist.

Thule in der Nordsee

Auf Basis angeblicher Angaben alter indischer Priesters schuf James Churchward die Geschichte vom Lande Mu, aus dem laut ihm die Menschheit kam. In diesem herrschte rassische Einheit und die Bewohner waren glücklich, solange die Rassen nicht vermischt wurden.
Diese Geschichte wurde von den Nazi-Ideologen gerne aufgegriffen und zur Atlantis-Geschichte umgeformt. Hier ist Atlantis identisch mit Thule, aus dem die angebliche "Arische Rasse" kam. Diese Insel soll in der Nordsee gelegen haben, östlich von Helgoland.
Diese These wurde tatsächlich geprüft, dann aber als Schwachsinn verworfen.

Troja

in den 1990er Jahren erhielt eine neue These große Aufmerksamkeit: Nämlich wurde Atlantis mit dem bronzezeitlichen Troja identifiziert. Als Indizien für seine These benannte der Geoarchäologe Eberhard Zinger vor allem die Architektur mit seinen konzentrischen Kreisen, den technischen Stand und die kulturellen Merkmale wie das Stieropfer und den Poseidontempel.

Seine These setzt allerdings voraus, dass mit den Säulen des Herakles nicht Gibraltar sondern der Bosporus gemeint war. Dann ließe sich sogar die Ortsangabe Platons mit Troja in Übereinstimmung bringen.
Dass Troja keine Insel sei, könne mit einem Übersetzungsfehler erklärt werden. Denn im neuen Reich in Ägypten ist die Hieroglyphe für Insel und für fremdes Land identisch. Man bezeichnete gar die gesamte Ägäis als "die Inseln".
Gegen diese These spricht, dass Troja laut Archäologie nie überschwemmt wurde und in den Trojanischen Kriegen nicht Angreifer sondern Angegriffene waren. Dagegen kann man halten, dass die Atlantisgeschichte möglicherweise von einer Zeit handelt, die archäologisch noch gar nicht erfasst wurde.
Bestätigt wird die These durch die Größe und politische Bedeutung Trojas zu ihrer Zeit und auch die Entdeckung eines Kanaldurchbruchs unterstütze seine These. Die Aussage, es passe nicht in den zeitlichen Rahmen, kann leicht entkräftet weden, denn die zeitlichen Angaben Platons sind unklar und fragwürdig.

Das schwarze Meer

Um das Jahr 5600 v.u.Z. durchbrach infolge des steigenden Wasserspiegels im Mittelmeer der Bospurus und ließ das Mittelmeer in das schwarze Meer fließen.

Dieses war bis dahin ein riesiger Süßwassersee, der durch den Bruch vom einströmenden Salzwasser bedeckt wurde. Dieses Ereignis ließ den Wasserspiegel um einige hundert Meter ansteigen, was für die angrenzenden Kulturen eine Katastrophe war. Einerseits mussten sie ihre Siedlungen aufgeben, andereseits war der Tierbestand aufgrund der Wasserveränderungen in Gefahr oder bereits gekippt.
Diese Veränderungen veranlassten eine große Auswanderungswelle vom schwarzen Meer nach Europa und Asien. So kann man das Gebiet des schwarzen Meeres als Herkunft des Indoeuropäischen Stammes bezeichnen.
Sie brachten aus ihrer fruchtbaren Heimat Technologien und Praktiken mit, die das Leben in den Gebieten, in die sie wanderten, stark veränderten.

Dieses Ereignis wird von einigen als Vorbild für die Sintflut- wie auch für die Atlantisgeschichte gedeutet.

Chott el Hodna, Algerien

In Algerien existiert eine große Ebene namens "Chott el Hodna". Hier wird auch nach Atlantis gesucht.

Dafür sprechen einmal das Atlasgebirge nicht nur wegen des Namens sondern auch als das beschriebene Hochland Platons. Auf Satellitenbildern wurden in dieser Region Ringstrukturen gefunden, die als das Kanalsystem aus Platons Bericht interpretiert werden können. Der heute ausgetrocknete Tritonsee, könnte zu jener Zeit verschlammt gewesen sein, wie Platon es für nach dem Untergang beschreibt.
Der Zugang zum Tritonsee ist von hohen Bergen gesäumt, die auch als Säulen des Herakles bezeichnet werden können.
Der Untergang ist hier natürlich nicht durch eine Flutkatastrophe anzunehmen sondern eher als ein kultureller Untergang der Zivilisation.

Antarktis

Die These, Atlantis läge in der Antarktis baut auf ein paar interessanten Fakten auf.

Zunächst ist da die Beschreibung, das Meer bei Atlantis werde schlammiger und schließlich begehbar. Laut den Buchautoren Thomas Riemer und Fritz Nestke, die weite Passagen von Platons Texten neu übersetzten, ist an der Stelle auch die Übersetzung als Gerinnen/Gefrieren möglich. Demnach sei das Meer um Atlantis nach dessen Untergang eingefroren.
Des weiteren sagen einige Klimaforscher, die Antarktis könnte bis vor 6.000 Jahren eisfrei gewesen sein - zumindest zu großen Teilen. Von anderer Stelle gibt es da andere Annahmen, aber zu einer eigenen Beurteilung ist mein Wissen um die Klimabewegungen und die Wandel der Kalt- und Warmzeiten leider nicht ausreichend.
Das dritte Argument aber ist etwas besonderes.
1665 veröffentlichte Athanasius Kircher eine Karte, die unter anderem die Antarktis in eisfreiem Zustand zeigen soll. Ebenso ist eine Karte von Oronteus Finaeus bekannt, die ebenso die eisfreie Antarktis darstellt. 1754 veröffentlichte Phillippe Buache eine weitere Karte, welche die Antarktis eisfrei zeigt - immer noch 150 Jahre vor ihrer offiziellen Entdeckung.

Die bekannteste Karte der eisfreien Antarktis ist allerdings jene, die von Muhiddin Piri Ibn Haci Mehmed, besser bekannt als Piri Reis veröffentlicht wurde. Diese geht seinen Angaben zufolge auf die Karte von Finaeus zurück.
Piri Reis hatte es bis zum Admiral in der Ottomanischen Marine geschafft und war bekannt für sein kluges Taktieren und seine militärischen Erfolge. Er entwarf auch einige Karten, hauptsächlich vom Mittelmeer und ebenso das "Kitab Bahriye" (Seefahrer Buch), ein Handbuch über das Mittelmeer.
1513 entwarf er eine Karte , von der heute nur der westliche Teil erhalten ist. Der östliche Teil ist leider verschollen. Diese Karte scheint die Küstenlinie von Europa, Afrika, Nord- und Südamerika sowie des Königin-Maud-Landes in der Antarktis darzustellen. neben dem Eintrag für die vermutete Antarktis stand eine Randnotiz des Kartenzeichners, diese Gegend sei "sehr heiß".
Zunächst einmal ist die Karte nur 21 Jahre nach Kolumbus' Wiederentdeckung Amerikas entstanden. Der Küstenverlauf Südamerikas war zu jener Zeit nicht bekannt. Auf der Karte wird die im Süden ohne Unterbrechung in Richtung Osten fortgesetzt.

Dazu gibt es drei Erklärungsversuche:
Es zeigt tatsächlich das Königin-Maud-Land ohne Eispanzer, wie es seit über 6000 Jahren nicht mehr gesehen werden kann. Möglicherweise hat er die Küstenlinie, die bis dahin bekannt war einfach durch jene der Antarktis erweitert. Oder die Unterbrechung zwischen Südamerika und der Antarktis war zum Zeitpunkt der Aufzeichnung (vor über 6.000 Jahren) noch nicht von Wasser bedeckt.
Oder sie zeigt die Küste Südamerikas in einer Verzerrung, deren Grund heute nicht mehr erkannt werden kann. Möglicherweise gab es ungenaue Vermessungen oder nur Erzählungen. Vielleicht war einfach das Papier alle, wer weiß.
Eine dritte Interpretation geht davon aus, die Karte zeigt nur die Nordküste Südamerikas.

Sollte die Karte allerdings tatsächlich die Antarktis zeigen, so würde das bedeuten, dass die Daten, auf denen die Karte basiert, über 6000 Jahre alt sind. Was uns zu der Frage bringt, wer zu der Zeit, als die Phönizier gerade erste Schritte auf das Meer taten, in der Lage war, den Atlantik zu überqueren.
Charles Hapgood erkannte, dass diese Karte mit einem speziellen Lesegitter erstaunlich genau die Konturen des Königin-Maud-Landes gegenüber Südafrikas darstellte.
Diese Meinung wurde auch von Howard Z. Obermeyer, Kommandant der Westover Airforce Base geteilt. An diese schickte Hapgood die Karte zur Beurteilung.

Das Ergebnis erstaunte:
"Wir teilen ihre Auffassung, dass der untere Teil der Karte die Kronprinzessin Martha-Küste des Königin-Maud-Landes und die antarktische Halbinsel darstellt. Wir halten ihre Interpretation für eine logische und aller Wahrscheinlichkeit nach korrekte Auslegung der Landkarte.
Die geographischen Details des unteren Kartenbereiches entsprechen erstaunlich genau dem seismischen Profil, das die schwedisch-britische Antarktis Expedition im Jahre 1949 durch die Eisschicht hindurch anfertigte. Somit wurde die Küste vor ihrer Vergletscherung kartographisch erfasst.
Heute ist das Eis in der fraglichen Region etwas über 1500 Meter dick. Es ist uns angesichts des geographischen Kenntnisstandes von 1513 unerklärlich, wie die Karte aus jener Zeit dergleichen Daten enthalten kann.

Harold Z. Ohlmeyer
Oberstleutnant, USAF
Befehlshaber"


Noch ein wenig rätselhafter wird das Ganze durch eine andere Karte, die Piri Reis 1528 erstellte und die große Teile Nordamerikas zeigt.
Diese Karte ist nur in Fragmenten erhalten, aber schon auf diesen Fragmenten erkennt man unter anderem Grönland, Neufundland, Florida, Kuba, Haiti, Yucatan und Venezuela. Diese Gegenden kann er eigentlich noch gar nicht gekannt haben. Und doch sind sie überraschend genau eingezeichnet.

... viele andere ...

Andere Annahmen, auf die ich vielleicht später eingehen werde, umfassen:

  • Spanien
  • im chilenischen Hochgebirge
  • Tunesien
  • Sizilien
  • Irland
  • Sri Lanka
  • im Bermuda-Dreieck
  • Kuba
  • Südindien
  • die Philippinen
  • Israel
  • die hypothetische Spartel-Insel
  • und noch viele mehr.

Allerdings müssen hier die Zeit- und Ortsangaben teils erheblich verändert werden.