Gut und Böse

Letzte Änderung: 18.07.2018

Es ist ein Kampf, so alt wie die Welt - wenn man den alten Legenden glauben darf. Das Gute und das Böse bekämpfen sich bitterlich und beide wollen die Welt in ihre Finger bekommen. Wie man Gut und Böse nennt ist dabei zweitrangig: Gott und Teufel, Überich und Unterich, etc..
Mancher ist versucht, sich dieser Illusion hinzugeben, weil sie unserem Naturell entspricht, Dinge in schwarz/weiß zu sehen.

Und tatsächlich scheint die Welt, immer schlechter zu werden.
Ich glaube das nicht. 
Erstmal wird die Welt nicht immer schlechter. Kriminalstatistiken zeigen, dass die Anzahl der Straftaten abnimmt, zumindest in Mitteleuropa. Damit ist zwar nicht alles gut, aber es wird zumindest nicht schlechter, nur anders. Außerdem hat sich die Berichterstattung vervielfacht. Wenn heute etwas geschieht, dann stürzen sich alle Medien darauf und vermitteln uns das Gefühl, es geschähe direkt vor unserer Haustür. 
Das heißt aber nicht, dass so etwas früher nicht geschehen wäre, wir haben nur nichts davon mitgekriegt.
Außerdem nimmt der Welthunger zumindest nicht zu, obwohl die Menschen immer mehr werden. Nein, ich glaube nicht, dass es "das Gute" oder "das Böse" als Entität oder auch nur als Eigenschaft gibt.
Viel mehr scheint es mir so, dass Dinge und Taten dem Einzelnen zum Vorteil oder zum Nachteil erscheinen. 

Gut

Wir alle, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, haben eine Moral eingebaut. Diese Moral hat schlicht den Zweck, das Zusammenleben zu erleichtern oder gar erst zu ermöglichen. Wir alle haben Grundsätze wie "niemanden töten", "nicht stehlen" (wenn die Gesellschaft Besitz kennt), "nicht (zu viel) lügen", "hilf anderen", etc. eingebaut. Diese Grundsätze sind gute Regeln, um eine Gesellschaft zusammen zu halten. Tatsächlich ist es so, dass die Menschen gerne helfen. Es gibt jedem ein Glücksgefühl, anderen zu helfen. Sei es nun, dass man jemandem etwas erklärt oder etwas spendet, jemandem den Weg zeigt oder gar das Leben rettet. Es erzeugt in uns ein Glückgefühl.
 Anders herum gibt es eine Sperre, die uns davon abhält, unmoralisch zu handeln. Wir haben nach einer dicken Lüge ein schlechtes Gewissen und nach einer Straftat erst recht. In der Gruppe gelingt es zwar, dieses schlechte Gewissen zu untergraben (Zum Beispiel indem man sich einredet, es seien "Untermenschen", die man massakriert), aber normalerweise ist es da oder kommt später. 
Dieses schlechte Gewissen hält uns davon ab, unmoralisch zu handeln.

Böse

Und dann gibt es da diese andere Seite, die mancher böse nennt. Andere nennen sie Notwendigkeit. 
Ich nenne sie Angst. Denn fast alles, das als böse bezeichnet wird, entsteht aus Angst:

  • Die Angst, nicht genug zu haben (bekannt als Gier).
  • Die Angst, schlechter dazustehen als andere (bekannt als Neid).
  • Die Angst, den Status (Geld, Ansehen, etc) zu verlieren (bekannt als Geiz u.a.).
  • Die Angst, nicht gut genug zu sein (bekannt als Ehrgeiz.
  • Die Angst ums nackte Leben
  • etc etc.

Diese Ängste treiben uns zu Taten, die der Moral widersprechen. Wir lügen, betrügen, morden, lassen hungern, zerstören die Umwelt. Jetzt könnte man sagen, ohne Angst wäre das böse aus der Welt. Das stimmt vermutlich auch, lässt sich aber nicht einfach so durchsetzen. Ängste stecken tief in uns, sie schützen uns vor Gefahren, warnen uns vor Konsequenzen. Das ist auch gut so, denn ohne Ängste würden wir vieles verlieren das uns lieb ist, z.B. unser Leben. Und irgendwie wäre es auch ein bisschen langweilig.

Fazit

Ich bin davon überzeugt, dass Das Gute oder Das Böse nicht existieren.

Die Illusion ergibt sich aus unserer Natur, Dinge in Schwarz und Weiss zu sehen. Tatsächlich hat alles mindestens zwei Seiten. Was für den einen gut ist, das ist für den anderen schlecht und umgekehrt.
Was der eine begehrt, löst in dem anderen (Verlust-)Angst aus.
Die Kunst ist, die eigene Angst nicht übermächtig werden zu lassen.
Das beste Mittel gegen die Angst ist Vernunft.
Die meisten Ängste verfliegen, wenn ihnen mit Vernunft begegnet wird. Erst wenn die Vernunft auch sagt "Ja, da solltest Du Angst vor haben", dann kann man immer noch vernünftige Maßnahmen ergreifen, um die Gefahr abzuwenden.
Das klingt einfach, bedarf aber großer Übung.