Zeit

Letzte Änderung: 18.07.2018

Was ist die Zeit?

Wir verstehen nicht, was die Zeit ist. Seit Albert Einstein auf die Idee kam, Raum und Zeit zu einer Raumzeit zu verbinden, bekommen wir ein immer besseres Verständnis. Aber wirklich begreifen lässt sie sich nicht, weil wir biologisch nicht dafür ausgestattet sind.

Aber auch, wenn wir sie nicht intuitiv begreifen können, lässt sich dank Einstein immerhin erfassen, was Zeit ist: Nichts anderes als eine Dimension.
Okay, das ist nichts neues, aber die Konsequenzen, wenn man es mal durchdenkt, sind enorm.
Leider muss ich auch sagen, dass ich kein Physiker bin und nur so weit mit der Materie vertraut, wie mich Autoren wie Michio Kaku, Lisa Randall oder auch Brian Greene sowie meine eigenen Vorstellungen tragen.

Zeit, so heißt es, sei eine Dimension der Raumzeit, neben Breite, Höhe und Tiefe. Und dennoch wird die Zeit immer getrennt von den sog. räumlichen Dimensionen betrachtet. Der Grund dafür ist, dass sich die Zeit in einer wesentlichen Eigenschaft von den anderen Dimensionen unterscheidet: Sie hat eine Richtung. Es sieht wohl so aus, dass wir uns in der zeitlichen Dimension nur in eine Richtung bewegen können. All die schönen Zeitreisegeschichten sind wohl doch nicht mehr als Geschichten.

Abgesehen von dem sog. Zeitpfeil kann man die Zeit als ganz normale Dimension betrachten, auf der wir uns allerdings nicht frei bewegen können. 
Wir sind es gewöhnt, durch die Zeit zu treiben, und sie als steten Strom wahrzunehmen. 

Mein Vorschlag ist ein anderer: Wir sind 3,5-dimensionale Wesen. In den drei Dimensionen Länge, Breite und Höhe können wir uns einigermaßen frei bewegen und in alle Richtungen schauen. In der Zeit können wir das nicht. Wir können uns zwar an einige Dinge, die "hinter" uns liegen erinnern, aber meistens eben nur in die eine Richtung. Und frei bewegen können wir uns auch nicht.
Moment mal, bewegen wir uns überhaupt durch die Zeit? Ich glaube, nein.

Bewegungen durch die Zeit

Hier stoßen wir auf das erste scheinbare Paradox, das aber keines ist.
Eine "Bewegung" durch die Zeit macht keinen Sinn. Bewegung ist eine Veränderung der Position innerhalb eines Zeitraumes. Eine Bewegung durch die Zeit innerhalb eines Zeitraumes macht aber keinen Sinn.
Wenn man es aus einer höheren Perspektive betrachtet, ist es vielleicht besser begreifbar.

Um sich die Problematik besser vorstellen zu können nehmen wir an, dass wir uns Flachländer anschauen. Einwohner einer Welt, in der es die Höhen-Dimension nicht gibt. Um Belange wie Ernährung dieser Wesen und Fortpflanzung müssen wir uns mal nicht kümmern, es ist schließlich nur ein Gedankenexperiment.
Wenn wir uns die Zeit als zusätzliche Dimension vorstellen, dann ergibt sich etwas Erstaunliches. Unser Wesen steht still, bewegt sich also nicht in seinen bekannten Dimensionen. In der Zeit aber, in unserem Fall als dritte Dimension dargestellt, bewegt er sich ganz automatisch. Für uns als höherdimensionale Beobachter sehen wir also, dass das Wesen in der dritten Dimension (Zeit) eine Ausdehnung hat.
Wenn sich unser Wesen nun auch noch in seinem 2D-Raum bewegt, dann ergibt sich für uns als höherdimensionaler Beobachter eine gewundene Form des Objektes.

Soweit, so gut. Was ergibt sich als Erkenntnis daraus? Wenn man die zeitliche Dimension betrachten könnte, dann sieht man sie nicht herumwuseln. Sondern man sieht sie als eine Form, die wir mit unserem 3,5-Dimensionsbewusstsein einfach nicht erfassen können. Gäbe es Wesen, die die vierte Dimension (Zeit) sehen können, sie würden uns so sehen, wie wir die Flachländer als Schläuche wahrnehmen.
Dass man sich das nicht vorstellen kann, bedeutet nicht, dass es Quatsch ist. Es bedeutet nur, dass wir diese Vorstellung nicht mit unserem Bewusstsein erfassen können.
Als Fazit kann man sagen: wir bewegen uns nicht in der Zeit sondern wir sind in der Zeit starre Formen. "Starr" gilt hier allerdings nur eingeschränkt, da wir durch unsere bewussten Entscheidungen unsere Form nach "oben" hin (Zukunft) beeinflussen können.

Ein Flachländer in seiner 2-Dimensionalen Welt
Der Flachländer steht still und die Zeit vergeht.
Er bewegt sich durch seine 2D-Welt, was seine Form in der Zeit verzerrt
Das Leben des Flachländers mit Geburt, Wachstum, Tod und Verteilung

Zeitreisen?

Ich weiß doch: wer dies hier liest, der wartet darauf, etwas über Zeitreisen zu lesen.
Dem muss ich wohl eine Abfuhr erteilen, denn wenn man diese Gedanken weiterverfolgt, dann trifft man auf zwei viel größere Probleme als das sogenannte Großvater-Paradoxon.

Problem 1: Überschneidung
Wenn unser Flachländer nun beschließt, in die Vergangenheit zu reisen, dann würde er seine Form auf die Weise verbiegen wollen, wie unten dargestellt. Und wenn er dies täte, dann würden sich Überschneidungen seines Körpers (Kleidung, Vehikel, etc) ergeben. Seine Zellen müssten dann zur selben Zeit zweimal an derselben Stelle sein. Das können wir sicherlich als Problem ansehen.

Problem 2: Antrieb
Um dieses Problem richtig zu erkennen, müssen wir uns überlegen, wie wir uns in unseren bekannten Dimensionen bewegen. Das geschieht letztlich immer durch Druck oder Zug. Wenn wir gehen, dann stoßen wir uns am Boden ab, die Reifen unserer Autos ebenfalls. Wenn schwimmen, dann üben wir Druck auf das Wasser aus und bewegen uns dadurch in eine bestimmte Richtung. Wenn eine Rakete oder Sonde durch das Weltall fliegt, dann übt der Abtrieb durch Rückstoß Druck auf die Sonde aus. Es geht immer über Druck. Selbst ein Magnetantrieb funktioniert durch Zug. 
Also immer durch Interaktion mit der Umgebung. Und schon haben wir das Dilemma: Alle Interaktionen finden im dreidimensionalen Raum statt, indem wir innerhalb dieses Raums Druck aufbauen. Womit aber sollte man in der vierten Dimension interagieren? 

Bewusstsein

Das eben Gesagte widerspricht unseren alltäglichen Erfahrungen, das ist klar. Aber es passt dennoch zusammen, wenn man unser Bewusstsein als etwas begreift, das die Welt immer scheibchenweise wahrnimmt.
Stell Dir vor, unser Geist arbeitet so, dass es die Entwicklung durch die vierte Dimension in kleine Abschnitte aufteilt und diese dann abarbeitet. 
Was es schon abgearbeitet hat, das wird gespeichert und ist mehr oder weniger abrufbar im Gedächtnis/Speicher. 
Das Einzige, was sich also tatsächlich durch die Zeit bewegt, ist unser Bewusstsein.

Nun drängt sich noch ein weiterer Gedanke auf:
Wenn die vierte Dimension eine Ausdehnung ist wie die anderen räumlichen Dimensionen, dann kann es doch sein, dass man nicht nur in die Vergangenheit schauen kann, sondern auch in die Zukunft. Ob das funktioniert kann man nicht sagen. Aber es gibt Modelle, die Orakel genau so erklären: Als Erinnerungen an die Zukunft.
Aber ich will diese Mutmaßung an dieser Stelle nicht weiter verfolgen, sie führt zu weit weg vom eigentlichen Thema.