Wir und die Welt

Letzte Änderung: 13.07.2018

Du sagst, Du gehörst als Heide und/oder Hexe einer alten Naturreligion an und Du verehrst die Natur und den Planeten. Oder zumindest findest Du die Vorstellung interessant und siehst eine gewisse Grund-Verbundenheit. 
Dann will ich Dich mal was fragen: Was tust Du für unseren Planeten? Einmal im Jahr ein Pacha-Mama-Ritual ist ja ganz nett. Mag sein, dass es hilft - aber es ist verlogen, wenn man es nicht ernst meint. Wenn man im Supermarkt vorrangig nach Preis entscheidet, ein viel zu großes Auto fährt, immer noch Plastiktüten für den Transport verwendet, Klamotten aus Polyester und anderem Plastik trägt, sich ständig schminkt (ja, genau), etc.
Wir alle sind mitverantwortlich für unseren Planeten: Du und ich und jeder andere. Ohne Ausnahme. 
Die schiere Größe dieser Aufgabe aber lässt die meisten denken "Was kann ich alleine schon tun?"
Eine durchaus berechtigte Frage und die Antwort lautet: Auch ein Ozean besteht aus sehr vielen Tropfen und jeder einzelne Beitrag zählt. Gerade die alltäglichen Entscheidungen machen den Unterschied. Es ist wichtiger, selbst auf Plastiktüten zu verzichten und damit Vorbeil zu sein, als eine Mahnwache vor irgendeiner Konzernzentrale abzuhalten.

Mancher fragt sich: Naturschutz und Glaubensausübung, passt das überhaupt zusammen? Es passt nicht nur, es ist untrennbar verbunden.
Mancher hält den Glauben von der materiellen Welt getrennt. Denkt, der Glaube habe keinen Einfluss auf die Welt. Ich hab sogar schon allen Ernstes gehört "Naturschutz, das geht mich nichts an". 
Aber ich bin mir sicher: Kaum etwas gehört so eng zusammen wie der alte Weg und Naturschutz.

Mit "alter Weg" meine ich nicht den Versuch, das Leben der Altvorderen nachzubilden. Das ist in meinen Augen der falsche Ansatz. Denn die Vorstellung von Natur war bei den alten Germanen und Kelten eine grundsätzlich andere als heute. Die Natur wurde angebetet, klar. Aber hauptsächlich aus Angst, weniger aus Liebe. Für einen Germanen hatte ein Ausflug in den Wald weniger etwas Romantisches, sondern vielmehr etwas Gefährliches. 
Heute kennen wir viele Zusammenhänge und sind in der Lage, global zu denken. Viele Tiere sind ein wenig entzaubert, dafür aber um so bezaubernder. Dieses angesammelte Wissen sollten wir nutzen, um etwas für die Natur zu tun.

Umweltschutz ist Selbstschutz

Und wer etwas für die Natur tut, der tut auch etwas für sich selbst und alle anderen. Wir sind auf Gedeih und Verderb in diese Welt eingebunden. Wir haben nur diesen einen Planeten und das wird noch lange so bleiben. Es gibt keine andere bekannte materielle Welt, auf die wir ausweichen können.
Wenn wir also die Atmosphäre aufheizen, so dass das Klima kippt, dann bist auch Du davon betroffen. 
Wenn ganze Dörfer unter Schuttlawinen begraben werden, weil der Bewuchs am Abhang für neue Skipisten gerodet wurde, dann bist unter Umständen auch Du davon betroffen.
Wenn ganze Häuser urplötzlich in absackender Erde verschwinden, weil darunter Raubbau betrieben wurde, dann bist u.U. auch Du betroffen.
Wenn die gesamte Küste und mit ihr Städte wie Kiel oder Hamburg und auch ganze Länder wie Dänemark oder Niederlande im Meer versinkt, weil die Meeresspiegel steigen, dann bist ganz bestimmt auch Du betroffen. Und so weiter und so fort.

Die Erde und ich?

Von einer Sache sollten wir uns gedanklich direkt trennen: Die Natur hat kein Ich-Bewusstsein. Ich persönlich glaube, dass die Erde als Gesamtheit ein Bewusstsein hat, das sich aber grundlegend von dem unterscheidet, was wir gemeinhin als Bewusstsein kennen. Ebenso wie sich unser Bewusstsein von dem "Bewusstsein" jeder einzelnen Körperzelle unterscheidet. Es ist vielmehr die Gesamtheit aller bewussten Gedanken, die auf dem Planeten gedacht werden - unter anderem von all den Menschen. Und damit ist jeder einzelne ein Teil des Gesamtbewusstseins.

Das bedeutet einerseits, dass es so etwas wie eine "Rache der Natur" nicht geben wird. Die Natur kann sich zwar selbst heilen, aber dafür muss erstmal die Ursache der Probleme behoben werden. Und die Hauptursache sind zur Zeit wir. Oder besser gesagt: Die Tatsache, dass es so viele von uns gibt.

Andererseits bedeutet es, dass wir für das Wohl unseres Planeten verantwortlich sind. Schließlich sind wir die einzige Spezies, von der wir wissen, dass sie wirklich etwas verändern könnte. Aber das ist ein langwieriger, anstrengender Prozess. 
Erhaltenswert ist vor allem die Artenvielfalt auf dem Planeten Erde. Zur Zeit sterben jeden Tag 150 Pflanzen- und Tierarten aus ( Quelle: http://Artenschutz.info). In diese Schätzung gehen auch die Arten mit ein, die noch nie beobachtet oder beschrieben wurden. Die Verantwortung dafür tragen zwar nicht immer wir, aber in den meisten Fällen durchaus. 
Noch gibt es zwar zwischen 5 und 30 Millionen Tier- und Pflanzenarten auf dem Planeten, aber diese Biodiversität (die Vielfalt im Lebensraum) schrumpft und schrumpft. 

Biodiversität

Warum ist die Biodiversität wichtig, könnte man sich fragen. 
Die Antwort ist relativ einfach: die Vielfalt des Lebens ist der Grund für seinen Erfolg. Umweltbedingungen ändern sich ständig. Und da braucht das Leben eine breite Basis, um auf neue Bedingungen zu reagieren. 
Und genau hier addieren sich zwei Effekte: Die Umwelt verändert sich durch den Menschen so schnell wie kaum je zuvor. Und viele Tier- und Pflanzenarten sterben aus und können keine ökologischen Nischen mehr besetzen.

Sarkastische Geister könnten jetzt sagen, genau das sei die Auslese: dass nur jene Arten überleben, die an das Leben mit dem Menschen angepasst sind. Ein Stück weit ist dies auch korrekt, denn wir beobachten jetzt schon, dass sich immer mehr Tiere an das Leben in der Nähe des Menschen anpassen - mit zum Teil unangenehmen Nebenwirkungen wie Wildschweinen in den Vorstädten. Aber es ist von daher Unsinn, dass der Mensch die Welt ja immer weiter verändert und sich niemand wirklich dran anpassen kann. 
Das unterscheidet die von Menschen gemachten Probleme von Katastrophen wie den vergangenen Massensterben: Es hört nicht auf, wenn wir es nicht stoppen. Es wird schlimmer. 
Die ganze Nahrungskette ist ein diffiziles Netzwerk verschiedenartiger Beziehungen. Wir haben die Nahrungskette (oder besser: das Nahrungsnetzwerk) nicht mal wirklich begriffen und sind immer wieder überrascht, welche Auswirkungen unser Handeln oder Nicht-Handeln hat. Und doch ändern wir immer wieder etwas, zerstören immer weiter Lebensräume. Die Probleme addieren und multiplizieren sich.
Der Mensch als Ganzes sollte sich dieser Probleme annehmen und sich verantwortlich zeigen statt unersättlich. "Schön und gut" mag man jetzt sagen, "Aber Umwelschutz ist so teuer und es kostet Arbeitsplätze". Diese Behauptung wurde natürlich auch sofort von Ökonomen aufgestellt, als das Umweltbewusstsein langsam erwachte.

Dem wurde aber eine Rechnung gegenübergestellt, die ganz anders aussah. Und seitdem gibt es einige TEEB-Studien ("The Economics of Ecosystems and Biodiversity"), die allesamt zeigen: ja, Umweltschutz ist sehr teuer. Aber was kostet es, unsere Umwelt nicht zu schützen? Wieviel ist ein Ökosystem wert? Was kostet es, wenn der Regenwald abgerodet wird? Was kostet es, wenn Nahrungsketten verschwinden, weil eines oder mehrere Glieder verschwinden? 
Ich will hier einige Beispiele aus solchen Studien anbringen. Sie sind allesamt nachvollziehbar, auch wenn man anfangs noch nicht an solche Zusammenhänge dachte:

  • Schutzfunktion des Waldes: Ein Wald hat viel mehr Wert als nur die Einnahmen für das Holz. Vielmehr schützt ein Wald in vielfacher Weise: An Berghängen schützen Wälder vor abrutschendem Erdreich und Schnee. Einerseits weil sie das Erdreich und den Schnee festigen. Andererseits weil sich von oben kommende Lawinen abhalten oder zumindest schwächen. Außerdem bindet ein Wald an einem Berghang regenwasser. Ohne den Wald kommt das Wasser ungebremst vom Berghang herunter und bringen Schlamm und Geröll mit. Ein Schicksal, das schon einige Dörfer erlebt haben. Die Kosten sind immens.
    Ohne einen intakten Bergschutzwald müssten aufwändige Schutzmaßnahmen erbaut werden.
  • Künftige Entdeckungen: Die Medizin ist ständig auf der Suche nach neuen Impulsen, wie auf eine Gefahr/Krankheit reagiert werden kann. Sie suchen ständig nach Tieren und Pflanzen, die Erregern auf neuartige (oder besser: bislang unbekannte) Weise begegnen. Und viele solche Impulse erhalten sie im Regenwald, der mit atemberaubender Geschwindigkeit abgeholzt wird. Oder im Meer, das als unsere Toilette und Gift-Lagerstätte missbraucht wird. Auch Haie sind wertvolle Studienobjekte, weil sie scheinbar gegen alles immun sind. Und gerade Haie werden zu Millionen abgeschlachtet, weil irgendwer gern Haifischflossensuppe ist oder weil ein Mensch von einem Hai angefallen wurde, weil es ich in dessen Lebensraum bewegt. Wenn diese Ökosysteme so stark belastet werden, wie es zur Zeit geschieht, dann ist gar nicht absehbar, was es uns kostet. Denn wir wissen ja nicht einmal, was uns verloren geht. Aber mal von den Billionen von Dollar abgesehen, die diese Entdeckungen wert wären: Wir stünden neuen Herausforderungen wie multiresistenten Erregern alleine gegenüber.
  • Mehr Ausbeute durch Biodiversität: Es ist durch viele dieser Studien erwiesen, dass gesunde Ökosysteme mit großer Biodiversität größere und vort allem hochwertigere Erträge an Holz und Nahrung abwerfen als Monokulturen. Monokulturen lassen sich besser pflegen und abernten, aber Holz aus einem natürlichen Wald ist in der Regel gesünder. Weizen, der mit anderen Pflanzen zusammen wächst ist nicht so hilflos Krankheiten ausgeliefert. Da braucht es keine gentechnische Veränderung, ein wenig Geschick bei der Auswahl der Beipflanzen kann das Korn wesentlich resistenter machen. Der Hauptgrund für gentechnisch veränderte Lebensmittel ist nicht, bessere Pflanzen zu haben. Der Hauptgrund für Genveränderungen ist, den Bauern vom Lieferanten abhängig zu machen. Denn die wenigsten Gen-Pflanzen vermehren sich von alleine. Der Bauer muss jedes Jahr neue Saat vom Hersteller kaufen und ist damit von diesem abhängig.
  • Das Grundwasser: Eine wichtige Funktion des Pflanzenwachtums ist das Ausfiltern von Schadstoffen aus dem Wasser. Zwar filtert auch der Boden selbst und die Bakterien im Boden vieles aus, aber Stoffe wie Phosphate und Nitrate werden am effektivsten durch einen gesunden Bewuchs ausgefiltert. Ohne diesen Bewuchs müssten diese Schadstoffe durch aufwendige Anlagen gereinigt werden. Überhaupt:
  • Die Reinigung: Es kommt vor, dass Gebiete durch mangelndes Umweltbewusstsein belastet werden. Diese Gebiete müssen vor einer zukünftigen Nutzung zunächst aufwendig gereinigt werden, wenn man hier zum Beispiel wohnen, etwas anbauen oder ernten will. Oder wenn sich herausstellt, dass eine Gift-Lagerstätte das Grundwasser vergiftet. Und aus eigener Erfahrung weiß jeder: Aufräumen ist sehr viel aufwendiger als etwas dreckig zu machen
  • Bestäubung: Insekten, z.B. Bienen bestäuben Pflanzen. Das ist kein Geheimnis. Und doch ist der Wert dieses Dienstes fast nicht in Worte zu fassen. Wenn ein Ökosystem zusammenbricht und es keine Kleininsekten mehr gibt, dann muss in einem aufwendigen Verfahren die Pflanze künstlich bestäubt werden. Alleine die Kosten dafür und die geminderte Produktivität kosten Milliarden.
  • Einseitige Ernährung: Der größte Teil der Welt ernährt sich von lediglich 12 Pflanzen- und 14 Tierarten. Diese einseitige Ernährung kann fatale Folgen haben, wenn es um flexible Anpassung an sich ändernde Umweltbedingungen geht. Dann sind wir nämlich noch abhängiger vom Wohlergehen einiger Arten als bisher. Vor allem Hirten- und Nomadenvölker kümmern sich darum, dass der Gennpool nicht völlig ausdörrt. Aber neben den Tieren und Pflanzen sterben auch diese Hirtenvölker langsam aus, weil sie durch die wachsenden Städte eingeengt und die Jungen vom versprochenen Reichtum angezogen werden.
    So könnte man fast endlos weitermachen.
  • Beispiel Bienen: In den USA greift ein Bienensterben um sich. Zu den Gründen gehören die Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzensorten, von denen sich die Bienen nicht ernähren können. Außerdem scheinen Bienen sehr viel empfindlicher auf Pflanzenschutzgift zu reagieren als bislang angenommen. Das Sterben der Bienen hat laut "New York Times" in den USA alleine 2007 eine Schaden von 14 Mrd US-Dollar verursacht.
  • Heutiger Schaden: Bereits heute ist die Umwelt so stark belastet, dass man den Schaden beziffern kann. Einer Studie zufolge kostet uns die Naturzerstörung nach Rechnungen wie oben heute zwei Billionen Dollar - jedes Jahr!