Hoffnung

Letzte Änderung: 07.08.2018

Zeit, erwachsen zu werden

Es ist eigentlich offensichtlich, wenn man es erst erkannt hat: Die Menschheit als Ganzes durchlebt eine Entwicklung, ähnlich wie jeder einzelne Mensch.

Anfangs, zu Zeiten, in denen es keine Zeit gab. Keine Geschichte, nur Geschichten bestenfalls. Als noch niemand in der Lage war, über sein Lagerfeuer hinaus zu denken. Da war die Menschheit wie ein Säugling, ein Kleinkind. Nur auf der Suche nach Nahrung, Wärme, Gemeinschaft. Es genügte, musste genügen, den Bauch einigermaßen zu füllen. Das Feuer - als es erst entdeckt war - konnte Wärme geben und die Menschheit lernte daraus, wuchs. Keine Erinnerungen blieben, ebenso wenig wie wir uns an die Zeit als Kleinkind erinnern. Allein die Tatsache, überlebt zu haben.

Der Weg zu den ersten Zivilisationen - Persien, Mesopotamien, Sumer - kann verglichen werden mit den ersten Schritten eines Kleinkindes. Man steht auf, macht einen Schritt, fällt hin. Schüttelt sich und steht wieder auf. Dann schafft man zwei Schritte.
Irgendwann schafft man es und kann zuverllässig und sicher stehen und gehen, das sind dann die Zivilisationen, die folgten. Gelegentlich stürzte man noch über die eigenen Füße. Im größeren Maßstab könnte man dies mit Eroberungen, Kriegen und all den Grausamkeiten vergleichen.
Etwas später bildeten sich ausgedehnte Handelsnetzwerke, Völker sprachen miteinander. So wie ein Kind irgendwann anfängt, zu sprechen.

Irgendwann war die Menschheit herangereift zu einem Jugendlichen. Eine Überzeugung setzte sich auf der ganzen Welt durch. Keine religiöse, sondern die marktwirtschaftliche Lebensweise. Geld hat sich in aller Welt zu einem generellen Tauschmittel durchgesetzt. So, wie sich auch bei einem Menschen Ansichten und Lebensziele in der Jugend heraus kristallisieren. Es hätte auch etwas anderes sein können. Aber wie der einzelne, so ist offensichtlich auch die Gemeinschaft in Ihrer Jugend zuerst einmal egoistisch und gierig.
Aber die Menschheit war auch auf der Suche nach Orientierung und schlug dabei gelegentlich verzweifelt um sich. Ganz wie in der Pubertät.
Hier und dort kamen neue Ideen auf, wuchsen neue Gesellschaftformen heran. Und mit jeder neuen Idee, mit jeder neuen Erfahrung wurde die Menschheit klüger. Auch, wenn manche nicht lange blieben. Auch, wenn die wichtigste Erfahrung aus einer Phase die ist, dass man es so besser nicht macht.

Heute ist die Menschheit in meinen Augen an der Schwelle zum Erwachsenen. In der Vergangenheit haben wir einfach so in den Tag bzw. in die Jahrhunderte hinein gelebt, ohne uns große Gedanken zu machen. Haben die uns zur Verfügung stehenden Ressourcen ausgebeutet, ohne Rücksicht.
Nun zeigen sich allmählich Vernunft und Nachhaltigkeit. Aber ob sich diese durchsetzen, ist noch nicht ganz klar - denn auch der Wunsch nach mehr ist da. Mehr Ressourcen, mehr Luxus. Wie bei einem jungen Erwachsenen. Es sind so viele Verführungen, so viele Gefahren, so viele Herausforderungen auf dem Weg zum Erwachsensein. Hoffentlich schaffen wir das.

Denn wenn wir es schaffen, wer weiß zu was wir dann fähig sein werden. Ich konnte mir mit achtzehn auch nicht vorstellen, was für mich heute selbstverständlich ist.
Vielleicht lassen wir ja auch die Sichtweisen aus der Jugend hinter uns und halten uns nicht mehr so sehr am Geld fest.
Vielleicht erlernen wir Fertigkeiten, die uns heute noch als Utopie erscheinen. Vielleicht lernen wir sogar, harmonisch mit unserer Umwelt zu leben, statt uns auf dem Schulhof zu prügeln. Und - wer weiß - vielleicht ist irgendwann sogar eine Aufnahme in eine Gesellschaft, Hochzeit und Kinder ein Thema.

Anpassung ans Klima

Und nicht nur die Menschheit verändert sich, auch die Umwelt tut es.

Bei manchen Pflanzen und Tieren und ganzen Ökosystemen ist zu beobachten, dass sie sich an die veränderte Umgebung anpassen. Damit ist nicht gemeint, dass es scheinbar mehr kleinere Fische gibt, die durch die Maschen schlüpfen. Das kommt daher, dass die Fische gar keine Gelegenheit mehr bekommen, groß zu werden, bevor sie weggefangen werden.

Die Anpassungen, die ich meine sind Sachen wie diese:

  • Eichhörnchen in Kanada bekommen immer früher Nachwuchs und passen sich damit an die veränderten Jahreszeiten an..
  • Manch Zugvogel überwintert in England statt am Mittelmeer.
  • Klippschwalben in Nordamerika bekommen kürzere Flügel, um im Straßenverkehr unter ihren Nisthöhlen zurechtzukommen. Die nisten nämlich unter Highwaybrücken.
  • Schildkröten in einigen Gegenden Afrikas werden größer und passen dann in keine Krabbenfalle mehr.
  • In der Stadt lebende Turmfalken haben ihre Jagdmethode dahingehend geändert, dass sie nachts auf die Jagd gehen und sehr erfolgreich Tauben von unten attackieren.
  • Birkenspanner wurden während der industriellen Revolution dunkler, um auf den dunklen Rinden schlechter gesehen zu werden. Nun werden sie wieder heller.
  • In Afrika werden vermehrt Elefanten mit kleinen oder ganz ohne Stoßzähne beobachtet. In einigen stark bejagten Gebieten werden sogar etwa 3% der Elefanten ohne Stoßzähne geboren. Und die Elefantendamen fühlen sich zunehmend zu Bullen mit kleinen oder ganz ohne Stoßzähne hingezogen.
  • Dorsch (genauer: Tomcod) im Hudson River hat gelernt, PCB (Polychlorierte Biphenyle) nicht mehr im Gewebe abzulagern und kann damit das hundertfache der für andere Fische tödlichen Dosierung verkraften.
  • Ratten in den Städten werden zunehmend immun gegen Rattengift.
  • Bei Ameisen wurde beobachtet, dass sie in wärmeren Gegenden eine um 20% höhere Temperaturtoleranz entwickeln.
  • Sogar die ganze Vegetation passt sich an: Wachstumsphasen in Pflanzen verlängern sich, Ausbreitungsgebiete verschieben sich.

Das sind natürlich nur ein paar Beispiele, diese Liste ließe sich problemlos erweitern. So banal manche Veränderung auch wirkt, es ist Evolution bei der Arbeit. Tiere, die eine Veränderung haben, die das Überleben wahrscheinlicher macht, können sich auch wahrscheinlicher fortpflanzen.

Generell gilt: Je kleiner eine Art ist, desto schneller pflanzt sie sich fort. Und je schneller sie sich fortpflanzt, desto schneller zeigt sich das neue Verhalten.
Allerdings gilt das nicht für alle Arten, es scheint mehr ein Glücksspiel zu sein, wer die richtige Anpassung zum richtigen Zeitpunkt zeigt.

Wer weiß, was noch geschieht, wenn die Städte größer werden und mehr und mehr Tiere dort leben. Dann wird es sicherlich Tiere und Pflanzen geben, die es nur in Städten gibt, weil sie sich an diese angepasst haben. Wir leben in spannenden Zeiten.